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Kultur Jörg Hartmann vermisst Höflichkeit
Nachrichten Kultur Jörg Hartmann vermisst Höflichkeit
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21:08 26.03.2018
Im Tatort spielt Jörg Hartmann den Hauptkommissar Peter Faber. Quelle: picture alliance
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Potsdam

Jörg Hartmanns Händedruck hat es in sich: fest, verbindlich und Vertrauen weckend. Ein Treffen in einem Potsdamer Café. Der Wahl-Potsdamer, der in Berlin wieder Theater spielt, kann großes Charakterfach, aber auch das sehr Lustige, was er als Tatortkommissar nicht so zeigen kann.

Ende 2016 sind Sie nach mehr als sieben Jahren Abstinenz an die Berliner Schaubühne zurückgekehrt und stehen dort in der Hauptrolle als „Professor Bernhardi“ im gleichnamigen Stück mit 14 Ensemble-Mitgliedern auf der Bühne. Was macht das Arbeiten an der Schaubühne für Sie so reizvoll?

Jörg Hartmann: Es ist wie Urlaub oder wie Meditation und mit einer großen Leichtigkeit verbunden. Im Grunde genommen ist diese Art der Arbeit mit den Kollegen, dieses Eingebunden-Sein in dieser Theaterarbeit meine Droge. (lacht) Meine einzige!

Was bietet die Schaubühnen-„Droge“ Ihnen noch?

Wir haben an der Schaubühne ein großes Ensemble und können ohne Fremdhilfe große Stücke spielen.

Wo kann man das sonst schon?

Feste Probezeiten und das Wegfallen weiter Reisezeiten sind eigentlich auch ideal. Viel besser, als wenn ich irgendwo in der Republik drehen müsste und komplett weg wäre.

Zur Person

Jörg Hartmann ist im Fernsehen vor allem als Kommissar Peter Faber im Dortmunder Ermittlungs-Team des Tatorts bekannt.

In der ARD-Serie „Weissensee“ spielte Hartmann 2010 den Stasi-Offizier Falk Kupfer. Die Reihe wird im Mai! fortgesetzt. Für diese Rolle erhielt er 2011 den Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler.

Seit 2009 war Hartmann immer wieder an der Berliner Schaubühne zu sehen. Derzeit spielt er die Hauptrolle in Thomas Ostermeiers Inszenierung von Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“.

Der 48-jährige Schauspieler, der aus dem Ruhrgebiet stammt, wohnt mit seiner Freundin und zwei Kindern in Potsdam und ist ein ausgesprochener Fan der Stadt.

In der Initiative „Mitteschön“ engagiert sich Hartmann seit Jahren für das historische Potsdam.

Wie sieht es mit der Balance zwischen Arbeit und Familie aus?

Wenn ich jetzt z.B. einen Monat lang nur zu Hause bin, werde ich unruhig. Dann spüre ich, dass ich den Beruf nicht mache, um Geld zu verdienen, sondern ihn machen muss. Aber ich kann nicht, wie diverse Kollegen, ständig unterwegs sein, und dann erkennen mich meine eigenen Kinder nicht mehr. Das würde ich nicht übers Herz bringen.

Für den „Weissensee“-Dreh müssen Sie auch nicht weit weg und zum Tatort-Dreh geht es zweimal im Jahr in Ihre Ruhrpott-Heimat, an der Sie sehr hängen. Was gefällt Ihnen am meisten an den Menschen im Pott?

Dieses sehr Offene, Ehrliche, aber eigentlich nie Verletzende und wirklich sehr Witzige. Die sind nicht auf den Mund gefallen und auf dem Boden geblieben. Wie die Leute da quasseln und wie die reden! Da merke ich so richtig, was Heimat ist und was mir fehlt.

Hauptkommissar Peter Faber ist ja auch ein Ruhrpottler. Allerdings einer, der andere oft verletzt! Wie stehen Sie zu ihm?

Der Peter ist wahnsinnig weit von mir weg – glücklicherweise! Er hat dieses Trauma in sich, dieses Depressive, Dunkle und Abgründige, und ist sehr im Unbewussten, sehr tief unten im Bauch verankert. Und er ist ja sozial nicht sehr umgänglich. Ich bin da Gott sei Dank viel leichter.

Unter Ihren Kollegen sind Sie als humorvoller und explizit positiver Mensch bekannt.

Ja, auf jeden Fall. Und das lasse ich mir hoffentlich auch nicht nehmen. Ich will ja auch an das Gute im Menschen glauben. Auch wenn ich weiß, wie komplex die Menschen sind und man manchmal schon bei Kleinigkeiten verzweifeln kann im täglichen Miteinander.

Woran können Sie denn verzweifeln? Was macht Ihnen Sorgen?

Die schwindende Höflichkeit, und dass das Miteinander im öffentlichen Raum nicht mehr stattfindet. Die Menschen ziehen sich nur noch zurück auf ihre Burg. Das ist eine Welt, in der man eigentlich nur noch eine Meinung über den Anderen hat, ihn im Grunde genommen aber gar nicht mehr kennt.

Welche Entwicklungen behindern denn das Miteinander im öffentlichen Raum?

Wenn man hier über die Dörfer fährt, wo der Bäcker nicht mehr da ist, bei dem man sich vielleicht noch hätte treffen können. Die Kirche spielt sowieso nicht mehr die Rolle. Am Marktplatz findet nix mehr statt. Und Amazon liefert das Essen nach Hause, oder man geht zu Rewe To Go an die Tanke.

Warum sind Sie so skeptisch, was das Internet und die Sozialen Medien betrifft?

In diesen sogenannten sozialen Medien kann man anonym übereinander herfallen, und differenziert wird auch nicht mehr. Wie auch, wenn man seine Meinung in 100 Zeichen kundtun muss. Alles, was mit Internet zu tun hat, wird uns so durchrütteln! Es wird mindestens so einen Einschlag geben wie die industrielle Revolution. Wir sind ja erst am Anfang.

Sehen Sie denn die virtuelle Welt als Feind der Realität?

Wenn ich ständig in die virtuelle Welt abtauche, dann ist mir irgendwann die wirkliche Welt egal. Wenn die Welt scheiße aussieht, dann ist es ja auch wurscht. Denn ich bin ja wieder in meiner virtuellen Welt.

Ihre berufliche Welt ist das Spiel. Das hat auch nicht immer mit Realität zu tun.

Warum ich diesen Beruf mache, ist doch der Luxus, dass ich mich dabei überall, d.h. in die unterschiedlichsten Milieus und Charaktere hinein spinnen kann. Dieser Fasching im Beruf, diese Verwandlung ist doch das, was ich machen will. Ich will nicht immer dieselbe Sache nur leicht verändert spielen.

Als ich auf YouTube Ihre spontane und sehr komische Gratulation zum 1000. Tatort sah, habe ich sehr gelacht. Warum sind Sie mit Ihren TV-Rollen eher auf ernste, schwerere und teilweise sogar fiese Rollen abonniert?

Es kommt einfach keiner drauf, mich für komische Rollen anzusprechen.

Von Elke Eich

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