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Kultur Tausende feiern Nena in Berlin
Nachrichten Kultur Tausende feiern Nena in Berlin
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10:39 07.11.2015
Nena in Aktion. Quelle: Scheerbarth (Archiv)
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Berlin

Manchmal hüpft Nena wie ein Mädchen, das sich über ein Eis freut, dann singt sie „Sheena Is A Punkrocker“ von den Ramones, und sie wird immer altersloser, wenn sie solche Sachen spielt. Dass sie 55 ist, steht zwar in ihrem Lebenslauf, doch nach ihrem Konzert am Freitag in der Berliner „Mercedes Benz-Arena“ muss das als Gerücht gelten. Körperlich wirkt sie agil wie eine Frau von höchstens 30 Jahren, noch immer hat sie eine Stimme, die nach Teenie-Party und Knutschen klingt. Auch in Berlin tritt sie auf wie eine Vertrauenslehrerin, der man mal ordentlich von der Erwachsenenwelt vorheulen kann – denn Nena ist immer auf der Seite der Halbwüchsigen.

Gleich als drittes Lied „Nur geträumt“, ihr Hammerdurchbruch aus dem Jahr 1982. Knapp und pflichtschuldig trägt sie das Lied vor, dann hört sie auf und ruft den knapp 10000 Leuten auf den Rängen zu, dass sie die Fans „unheimlich lieb“ habe, und legt dann nochmal los, mit einem zweiten Teil des Songs, der sich gewaschen hat. Laut, dynamisch, taufrisch, als hätte sie ihn gestern erst geschrieben.

„Sind wir verbunden?“, ruft sie, und auch, wer nichts am Hut hat mit der Meditation, wie Nena sie pflegt, muss antworten: „Yeah, wir sind verbunden!“ Zumindest, wenn man seinerzeit dabei war, als Nena eine völlig neue Rolle für die Frau geschaffen hat, Anfang der 80er Jahre: Mädchen und Kriegerin, Liedermacherin und Popsirene.

Im Rücken hat Nena in Berlin 99 Fans, die den Lichterchor bilden. Sie schwenken ihre Arme, halten Taschenlampen in der Hand – das ist Volksnähe, die Nena wichtiger als High-Tech ist. Neulich war U2 in der Halle, mit einer Elektronik-Show, die neue Standards definiert für Rock’n’Roll-Konzerte. Nena hat eine Leinwand auf der Bühne, doch da ist nicht viel los, oft sieht man dort das Nena-„N“, sehr unspektakulär, und kurz mal Bilder aus der Zeit von früher, als sie süß war, noch nicht so abgeklärt und selbstsicher wie heute.

Mehr als zwei Stunden spielt sie, irgendwann sind Boss Hoss auf der Bühne, die deutschen Cowboys, doch ihre Ironie und die gebrochene Männlichkeit kann dieser Nena nicht das Wasser reichen. Nena versprüht eine Fröhlichkeit, die nicht naiv, sondern wirklich empfunden wirkt.

Die Halle tobt, wenn „Leuchtturm“ an die Reihe kommt, und spät dann endlich „99 Luftballons“. Nena massiert die Seele, sie muss nicht cool sein, um als Star zu überleben. Und wenn sie doch mal cool ist, schlägt sie ein paar Akkorde auf ihrer Gitarre, sie stammen von „Brown Sugar“, dem Song der Rolling Stones. Immer ist ein Witz dabei, wenn sie zu solchen Gesten greift. Daraus hat sich auch die Energie ihres Berliner Konzertes gespeist.

Von Lars Grote

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