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The Cure in Berlin – freundlicher Teufelsaustreiber

Konzert in der Mercedes-Benz-Arena The Cure in Berlin – freundlicher Teufelsaustreiber

In ausverkaufter Halle hat Robert Smith mit seiner Band vor 14.000 Fans die Schwermut der 80er Jahre kultiviert. The Cure stehen immer noch für das gepflegte Moll, mit dem man gut durch eine kalte Nacht kommt, solange eine Flasche Bier zur Hand ist. Nur mit der Schminke hält es Smith nicht mehr wie früher.

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The-Cure-Frontman Robert Smith

Quelle: dpa

Berlin. The Cure ist jene Band, zu der man in den 80ern Mercedes-Sterne von der Kühlerhaube brach, als Zeichen einer Überzeugung, die stramm kapitalismuskritisch war. Nun, gute 30 Jahre später, spielt die Band in der Mercedes-Benz-Arena. Was für eine Ironie. Die Berliner Halle ist voll, gut 14.000 Leute sind am Dienstag gekommen. Viele in Schwarz, immerhin diese Geisteshaltung ist geblieben. Schwarz stand schon damals für den Glauben, dass die Welt zwar nicht in Ordnung ist, doch wenn man kräftig Moll anstimmt und irgendwo ein Bier auftreibt, dann lässt sich diese Nacht gut überstehen.

Robert Smith – ein freundlicher Exorzist mit weißen Wangen

Vierter Song „The Walk“, Robert Smith zupft die Akkorde immer noch, als müsse er böse Geister mit ihnen vertreiben. Smith, 57 Jahre, ist ein freundlicher Exorzist, der sich die Wangen weiß bemalt, die Lippen aber schminkt er nur noch halbherzig. Früher strahlten sie kussrot. Auch die toupierte Mähne ist nicht mehr mattschwarz. Ein fahles Braun hat sich dort eingerichtet.

Schlichte Lichtshow

Schon nach 30 Minuten zündet die Band ihre ersten Raketen, „Friday I’m In Love“, das im Hall dieser Arena untergeht, und „Boys Don’t Cry“, das rhythmisch gegen den Strich gespielt wird, so, wie Dylan seine Lieder heutzutage gern zertrümmert. Zwei empfindsame Stücke, zu Zeiten geschrieben, als es nicht darauf ankam, ob man Männlein oder Weiblein war. Auch die Stimme von Smith ist androgyn, geschlechtlich nicht recht zuzuordnen – was zählte in der Cure-Musik, war immer der Fieberpuls, die nervöse Intonierung eines Themas, das stets auf diesen Grundsatz baute: Wenn wir uns fest im Arm halten, ist es egal, ob die Welt aus den Fugen gerät.

Die Lichtshow ist, gemessen am 21. Jahrhundert, übersichtlich und schlicht, die Lichter flackern ziellos, das passt gut zur Musik, die durchgehend verloren wirkt. Verloren wirken soll.

Teuer bezahlte, aber schöne Schwermut

Zweieinhalb Stunden dauert das Konzert. „The Love Cats“ fallen aus, dafür „Close To Me“ als vorletzter Song. Als Finale „Why Can’t I Be You“, das so fröhlich wie „Walking On The Sunshine“ beginnt. Zum Doch schnell legt Robert Smith den Schalter um, wechselt in die schwarzen Noten und verlässt sich aufs Lamento. Das ist er den Leuten schuldig, sie haben teuer bezahlt für diese schöne Schwermut.

Von Lars Grote

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