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Thriller „Der Block“ zeigt eine Innenansicht der französischen Rechtsextremen

MAZ-Buchtipp Thriller „Der Block“ zeigt eine Innenansicht der französischen Rechtsextremen

Der französische Autor Jérome Leroy hat eine düstere Zukunftsvision seines Landes beschrieben. In seinem Thriller „Der Block“ erzählt er, was auf Frankreich zukommt, wenn es der neue Präsident Emmanuel Macron mit seiner Bewegung La République en Marche in den nächsten Jahren nicht schafft, mit seinen Reformen das Land zu einen.

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Quelle: dpa

Potsdam. Frankreich in naher Zukunft. Bürgerkriegsähnliche Zustände erschüttern das Land, überforderte Polizisten und Bewohner der Vorstädte gehen aufeinander los. Das Fernsehen berichtet live, die Zahl der Toten steigt stetig und wird am oberen rechten Bildschirmrand eingeblendet, bislang sind es 752. Am Ende der Nacht, von der Jérome Leroy in seinem Buch „Der Block“ erzählt, werden es mehr als 800 sein.

Es ist die Nacht, in der die bürgerlich-konservative Regierungspartei keinen anderen Ausweg mehr sieht, als den rechtsextremen „Patriotischen Block“ an der Macht zu beteiligen. Und während die Parteivorsitzende Agnes Dorgelles und ihre Berater über die Anzahl der Minister verhandeln, liegen zwei Männer wach und können nicht schlafen, aus unterschiedlichen Gründen. Zwei Männer, die seit langem enge Freunde sind. Antoine Maynard, der feingeistige Ehemann der Vorsitzenden des Blocks, wartet in einer luxuriösen Wohnung auf das Ende der Verhandlungen. Er wird wahrscheinlich Staatssekretär, vielleicht sogar Minister. Stéphane Stankowiak, genannt Stanko, dagegen hockt in einem heruntergekommenen Hotel eines Mietwucherers. Er ist ein Prolet, ehemaliger Skin und ein brutaler Schläger, der jetzt die GPP, (Groupe de Protection du Parti), anführt, den Sicherheitsdienst des Blocks. Stanko kennt zu viele schmutzige Geheimnisse der Partei und muss beseitigt werden, um die neue Ehrenhaftigkeit der Rechtsextremen nicht zu gefährden. Stanko ist der Preis, den der Block für die Ministerposten zahlen muss. Und nun machen jene Männer, die er einst selbst rekrutiert und ausgebildet hat, Jagd auf ihn.

Leroy erzählt seine Geschichte in Form der klassischen Tragödie, mit strenger Einheit von Zeit, Ort und Handlung. Das macht sie so intensiv und streckenweise nur schwer auszuhalten. Leroy, der lange Zeit als Lehrer in Nordfrankreich gearbeitet hat, dort, wo der Front National im ersten Durchgang der Parlamentswahlen auf 46 Prozent kommt, weiß, wovon er erzählt. Sein Antoine Maynard ist kein typischer Rechtsradikaler wie man ihn sich gemeinhin vorstellt. Er liebt Godard-Filme, hat nichts gegen Ausländer, ist belesen und sexuell seiner Frau verfallen. Mit seinem langjährigen Freund Stanko verbindet ihn nur die Lust an Gewalt.

Wie Stanko zu demjenigen wurde, der er ist, skizziert Leroy rasch und nachvollziehbar: Mit 17 erschlug er den arabischen Geliebten seiner Mutter, während der Vater im strukturschwachen Norden bei Usinor wegen der Ölkrise entlassen wird und sich deshalb umbringt. Im Block findet Stanko eine neue Heimat.

Leroys Buch ist eine atemberaubende und angsteinflößende Innenansicht, sie zeigt, wie die Rechtsextremen ticken und was – natürlich zugespitzt – auf Frankreich zukommt, wenn es der neue Präsident Emmanuel Macron mit seiner Bewegung La République en Marche in den nächsten Jahren nicht schafft, mit seinen Reformen das Land zu einen. Eine düstere Zukunftsvision.

Jérome Leroy: Der Block. Edition Nautilus, 320 Seiten, 19,99 Euro

Von Claudia Palma

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