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„Thriller live“ gastiert vier Tage in Berlin

Michael-Jackson-Musical „Thriller live“ gastiert vier Tage in Berlin

Michael Jackson konnte tanzen und singen, wie kein zweiter. Seine Lieder und gigantischen Shows sind Popgeschichte. Eine Show aus dem Londoner Westend wagt eine Annäherung an das unübertreffliche Original. Doch es gibt keinen perfekten Doppelgänger. Die Produzenten mussten sich deshalb etwas ganz besonderes einfallen lassen.

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Eine Herausforderung für die Nachwelt: So tanzen und singen wie Michael Jackson.

Quelle: ©George Bodnar

Berlin. Michael Jackson liebte Inszenierungen und Verkleidungen – für sein problematisches Ich waren sie sicher auch ein kreatives Versteck. Aber mit seinen Hits und genialen Shows hat er Popgeschichte geschrieben. Und so liegt es eigentlich nahe, dem Phänomen Michael Jackson und seiner Magie ein glanzvolles Musical zu widmen.

Doch Vorsicht, denn Michael Jackson war Perfektionist! Und das in so vielerlei Hinsicht, dass hier Retro mit einem guten Doppelgänger nicht zu haben ist. „Thriller live“ versucht deshalb auch nur eine Annäherung an den Unübertrefflichen. Von Donnerstag bis Sonntag gastiert die Produktion aus dem Londoner Westend im Berliner Admiralspalast und startet eine einmonatige Deutschlandtournee.

„Es ist die Show, die am schwierigsten zu casten ist“, bestätigt auch Regisseur Gary Lloyd. „Wenn wir irgendwo in der Welt jemanden finden, der tanzen kann wie Michael, dann beherrscht er noch lange nicht dessen Falsett-Gesang oder andersherum.“ Deshalb bietet das Ensemble neben sechs Musikern und 20 Tänzern gleich fünf Jackson-Darsteller auf, die in manchen Szenen auch gemeinsame Sache machen. Es sind Schwarze wie Weiße, Männer wie Frauen. Diese Unbestimmtheit ist möglich, weil der schillernde King of Pop im Laufe seiner 40-jährigen Karriere selbst die Rassen- und Geschlechtergrenzen in Frage gestellt hat und als androgyne Schönheit ganz eigene Stereotype entwickelte. Jackson war eine Art Neuer Mensch, der erotische Signale in alle Richtungen feuerte. Der aufreizende Griff in den Schritt oder die lasziv von hinten ins Gesicht geschobene Hutkrempe sind nur zwei pantomimische Gesten, die er kultiviert hat.

Während des zweistündigen Programms werden 30 Songs performt, denen das unverwechselbare Jackson-Gen eingeschrieben ist. Dass der 1958 geborene Amerikaner viele davon auch selbst komponiert hat, gerät schnell in Vergessenheit. Das Spektrum reicht vom kindlichen Motown-Soul der Jackson Five („I Want You Back“), über funkelnden R & B-Groove („Off The Wall“), Discokracher („Don’t Stop Til’ You Get Enough“), dramatische Bühnenkunstlieder („Thriller“) und pathetische Hymnen („Earth Song“). Interessant ist, dass es den Nachahmern am schwersten fällt, die lyrisch-emotionalen Titel zu intonieren.

Den Bühnenhorizont überspannt eine nüchterne Brücke, zu der rechts uns links zwei Treppen mit jeweils elf Stufen hinaufführen. Das Breitformat ist aber mit LED-Tafeln ausgefüllt, über die ein atemberaubendes Lichtdesign flimmert, das stets mit neuen visuellen Popzitaten, Bildern und Stimmungen aufwartet. Hinzu kommt die Extravaganz der Garderobe, ein Exzess aus eleganten Anzügen, kuriosen Zirkusjacken und glitzernde Handschuhe, aus knallbunten Leggings und unverschämten High Heels. Die Designer haben nicht nur historisch rekonstruiert, sondern spinnen den kreativen Geist der Jackson-Ära weiter.

Die Choreographie ist üppig, dramaturgisch ausgefeilt und gipfelt immer mal wieder im Moonwalk, von dem eine ungebrochene Faszination ausgeht. Die Show ist familientauglich. Hier lässt sich einem Teenager mitreißend vermitteln, was seine Eltern in den 80er und 90er Jahren so elektrisiert hat. Kein Wunder, denn „Thriller live“ ging unmittelbar aus den „Celebration„-Partys hervor, die von der Fan-Szene in England seit 1991 regelmäßig veranstaltet wurden. 2001 besuchte das Original höchstselbst ein solches Tribute-Meeting und erteilte der Kopie seinen Segen.

Thriller-live. 12. bis 15. November. Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße. www.thriller-live.com

Von Karim Saab

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