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Kultur Tobias Hetz kann Folk und Metal
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17:48 15.08.2016
Tobias Hetz schätzt seine Gibson-Gitarre – nun hat er Klavier gelernt, in Eigenregie. Quelle: Julian Stähle
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Teltow

Manchmal ist Tobias hingerissen vom Akkord, mit dem Sting seine Songs eröffnet – gut gebautes Moll, ein elegant geöltes Mantra, das einerseits nach Aufbruch klingt und andererseits nach Lasst-uns-unsere-Erde-retten.

Tobias möchte den Akkord verstehen. Er steigt dann in den Keller, dort hängt die Gibson an der Wand. Die Gibson-„Les Paul“ ist eine schwarze Königin in der Gitarrenwelt, sie lässt sich leicht wie eine Katze streicheln, vor allem aber faucht sie gerne. Tobias Hetz nimmt sich das Ding zur Brust, legt Hand an, spielt den Sting-Akkord und spürt: Hier unten, im Keller seines Elternhauses in Teltow (Potsdam-Mittelmark), klingt der Sound vollkommen anders.

Ob ihn das entmutigt? Tobias Hetz, 18 Jahre alt, hat gerade Abitur gemacht. Er trägt ein waches Lächeln, spricht bedacht und doch beschwingt von seinen Plänen, Jura zu studieren, und wenn er sich von Stings Akkord schon bange machen ließe, dann könnte er die Ziele und die Zukunft gleich beiseite legen.

Er will Staatssekretär werden, der Mann hinter dem Minister

Tobias möchte Staatssekretär werden. Der Mann hinter dem Minister. Der Zuarbeiter, der Mann für die Detailarbeit. Eine Partei, auf deren Ticket er den Plan umsetzen kann, hat er noch nicht gefunden. „Alle haben ihre Makel im Programm“, sagt er. Staatssekretäre werden verbeamtet, „das gibt mir Sicherheit“, sagt er. Sein Vater ist in der Wirtschaft, der Arbeitgeber wollte ihn ins Ausland schicken. Die Mutter arbeitet bei der Bank, „die Banken entlassen Leute im großen Stil – wie soll man unter solchen Umständen eine Familie gründen?“

Weil Sicherheit aber mit 18 Jahren noch nicht alles sein kann, gibt es seine Band Metaphorium, die in Richtung Metal geht, schwarze Gebete, die streng nach Harmonielehre gestrickt sind. Lieder, wie geschaffen für die „Les Paul“.

Wenn man diese Ambitionen mal addiert, Jura, Staatssekretär, Metal-Band, und noch bedenkt, dass er mit großem Ehrgeiz Tennis spielt, dann wird auch der Akkord von Sting zu knacken sein. „Letztlich sind das 3000 Schritte in der Software, bis ich es verstehe.“ 3000 Gedanken am Computer, dann klingt es original wie Sting.

Seine Gitarre war eigentlich für den Bruder vorgesehen

Tobias wirkt nicht so, als würde ihm das Sorgen machen. Er nimmt es wie ein Kreuzworträtsel, das man zu Ende bringen will. Er setzt sich vor den Rechner, öffnet die Musikprogramme, auf dem Hintergrund ein Bild von ihm und seiner Freundin. Eine hübsche Frau mit südländischem Teint, einen Kopf kleiner als er.

Mit zehn Jahren kriegte er Gitarrenunterricht. Der Vater, ein Jazzer, der Trompete, Posaune und Klarinette spielt, hat die Gitarre eigentlich Tobias’ kleinem Bruder geschenkt, weil der auf allem trommelte, was er zu fassen kriegte. Man legte das als Musikalität aus. „Doch ihm fehlt die Regelmäßigkeit beim Üben“, sagt Tobias, der das Instrument bald adoptierte. Er lernte ohne Noten, er möchte nach Gefühl spielen, auf der Basis von Akkorden. Sein Lehrer zeigte ihm den Westerngitarren-Stil. Auch in der Metal-Band, wo er komponiert, singt und Gitarre spielt, ist der Westerneinfluss nicht vom Tisch.

Neue Songs aus Irland

Tobias Hetz, 18 Jahre alt, hat in diesem Jahr Abitur gemacht. Er lebt in Teltow (Potsdam-Mittelmark), bekam mit zehn Jahren Gitarrenunterricht und hat sich nun das Klavierspielen beigebracht.

Mit seiner Metal-Band Metaphorium, in der er singt, Gitarre spielt und komponiert, hat er im vergangenen Jahr das Debüt-Album „Bridge Into Doom“ aufgenommen.

Mit der Sängerin
Julia Ziggel spielte Tobias Hetz gerade zwei neue Folk-Songs ein, die er in Irland geschrieben hat und die unter www.soundcloud.com/user-453252662 auf Soundcloud zu hören sind.

Details und Infos auf der Homepage tobselth.wixsite.com/tobias-hetz

Tobias gibt jetzt selbst Gitarrenunterricht, er hat zwei Schüler, knappe zehn Jahre, sie hören Radio Teddy. Sie wollen die Melodien aus dem Radio spielen. Vor allem Deutschpop. Tobias Hetz kriegt den Spagat von Metal und Radio Teddy hin, er nimmt die Sache ernst, er achtet die Interessen anderer. Er selber hat ja auch so eine Ader, die sich im sanften Pathos aufgehoben fühlt, abseits vom Brachialen, fern von der „Les Paul“.

Letztes Jahr hat die Familie in Irland Urlaub gemacht, Tobias nahm die akustische Gitarre mit, er saß am Strand, „so eine Ruhe findest du in Deutschland nicht.“ Er hat fünf Songs geschrieben, die zwei besten nahm er daheim in Teltow auf. Er glaubte, seine Stimme reiche nicht für diese Stücke, für deren Sanftmut, darum fragte er die Schwester seiner Ex-Freundin, die andere Höhen hinbekomme. Seine Ex habe sich da nicht quergestellt. Alles sei im Reinen.

„Ich rede Leuten gerne rein“, räumt Tobias ein, „ich bin hartnäckig.“ Auch der Sängerin habe er im Detail gesagt, wie sie singen solle. Sie hat aus freien Stücken ein paar Schlenker eingebaut, die fand er gut. Tobias liebt Details. In eigenen Liedern. Auch im Sting-Akkord. Den wird er knacken. Was ist das Abi gegen diesen so geheimnisvollen Dreiklang?

Von Lars Grote

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