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Kultur Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow hat ein Buch geschrieben
Nachrichten Kultur Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow hat ein Buch geschrieben
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17:22 13.02.2019
Sänger und Dichter: Dirk von Lowtzow Quelle: Jutta Pohlmann
Potsdam

Wenn die Nachbarskinder ihn wieder mal nicht mitspielen lassen, zersticht er aus Rachsucht heimlich ihren Fußball. Und die Sportlehrer kommen ihm vor wie „extraterrestrische Faschisten“, weil sie gegen Ende des Schuljahrs Bundesjugendspiele veranstalten, um die Unsportlichen zu quälen. Dirk von Lowtzow hatte es als Kind nicht immer leicht.

Bislang war nur wenig über den Tocotronic-Sänger bekannt. „Ich möchte niemanden mit meinem Privatleben belästigen. Ich halte das für unappetitlich“, erklärte er 2015 noch in der „Zeit“. „Die Versessenheit darauf, woher man kommt, finde ich schrecklich. Darum geht es nicht. Es geht immer darum, wohin man geht.“ Schon drei Jahre später auf dem autobiografischen Album „Die Unendlichkeit“ aber gab er sich offener. Sein erstes Buch „Aus dem Dachsbau“ schließt genau da an. In 72 Miniaturen erzählt der 1971 in Offenburg geborene Musiker aus seinem Leben. Von A wie Abba bis Z wie Zeit. Dirk von Lowtzows­ kleines ABC.

Feindliche Welt

Wenn die Eltern in den Urlaub fahren wollen, wird der kleine Dirk („Ich will nicht fort. Niemals.“) regelmäßig am Vorabend der Reise krank. Und bei der Skifreizeit mit Gleichaltrigen pullert er ins Bett („Am nächsten Morgen folgt der Spießrutenlauf in den Frühstückssaal.“). Sogar zum Psychologen schleifen die Eltern ihren Sohnemann, weil der, nachdem er John Carpenters Science-Fiction „The Thing“ gesehen hat, überall Aliens sieht. Die Welt draußen nimmt er als feindlich wahr. Lediglich in seinem Freund Alexander findet er einen Gleichgesinnten, mit dem er Tennisclub und Töpferkurs besucht und später auch seine erste Band „Die Kranken“ gründet. Als dieser Alexander 1996 mit gerade mal 26 Jahren an einem Gehirntumor stirbt, wird das zum traumatischen Erlebnis, über das Dirk von Lowtzow immer wieder schreibt. Auf seinem Begräbnis wird er „Gott sei Dank haben wir beide uns gehabt“ spielen.

Der ewige Einserschüler

Nichts ist zu spüren von der umwerfenden Ironie seiner Liedtexte. Es gibt weder naive Posen noch griffige Slogans wie bei Tocotronic. Dirk von Lowtzow, „der ewige Einserschüler, der Richtigmacher des deutschen Pop“, wie Moritz von Uslar ihn nannte, gibt sich als einsamer, tieftrauriger Mensch. Als Kind schmökerte er im Edeka vor dem Zeitschriftenregal in Comics, die Angst ständig im Nacken, dass es von oben herab schallen könnte: „Die Hefte sind zum Kaufen, nicht zum Lesen da.“ Später an der Schauspielschule in Graz bewirbt er sich mit der Masturbationsszene aus Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ und wird zur zweiten Runde gar nicht mehr aufgerufen. Er geht nach Hamburg, um Jura zu studieren, und trifft dort Jan Müller, mit dem er Tocotronic gründet.

Er ist ein Außenseiter

Vom Zivildienst auf der Altenpflegestation des ASB im „Urinkeller in Haslach“ ist da zu lesen und wie er mit Tocotronic bei „Rock am Ring“ nicht „ordnungsgemäß abliefern“ kann, weil Tour-Managerin Cosima die Band mit Champagner abgefüllt hat. Ein Text wird zum Schlüsselerlebnis. Von Lowtzow erzählt darin, wie er mit dem Rad zur Schule fährt und Gleichaltrige ihm „Schwuler“ hinterher brüllen. Er ist ein Außenseiter. Bis die erste E-Gitarre (die er leihweise bekommt, bevor er sich im Musikhaus ein japanisches Modell aussuchen darf) sein labiles Selbstbewusstsein stärkt. Ihn fasziniert die Androgynität von David Bowie und er ist ein bisschen verliebt in Peter O’Toole („Lawrence von Arabien“). Der Künstler Dirk von Lowtzow ist geboren.

Schon sein Musikerkollege Frank Spilker (Die Sterne) enttäuschte mit seinem Buch-Debüt „Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen“ (2013). Auch Dirk von Lowtzows Buch kann den Erwartungen nicht standhalten. Es hat etwas von einem therapeutischen Schreibansatz. Im letzten Text, in dem der tote Freund noch einmal auftaucht und ihm rät, alles aufzuschreiben, klingt das auch offen an. So ein Buch zu veröffentlichen, ist mutig, ja. Aber auch ein bisschen zu geradeaus.

Dirk von Lowtzow: Aus dem Dachsbau. Kiepenheuer & Witsch, 180 Seiten, 20 Euro

Von Welf Grombacher

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