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Ton und Kirschen singt Shakespeares Sonette

Theater-Preview in Potsdam Ton und Kirschen singt Shakespeares Sonette

Das internationale Wandertheater Ton und Kirschen gibt stets vor seiner Winterpause einen Ausblick auf die kommende Saison. Diesmal haben die acht Schauspieler Shakespeares Sonette in Musik und Bilder übersetzt. Ein traumartiger Abend in Potsdam.

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Weiße Seile fallen vom Himmel: Vor allem die bildliche Inszenierung der mal gesprochenen, mal gesungenen Sonette hinterlässt Eindruck.

Quelle: dpa

Potsdam. Jedes Jahr im Winter zieht sich das internationale Wandertheater Ton und Kirschen in Wohnwagen auf einer schönen Wiese in Glindow (Potsdam-Mittelmark) zurück, um den verdienten Winterschlaf zuhalten. Zuvor jedoch stellen die acht Schauspieler in der Potsdamer Fabrik ihre neue Produktion vor, mit der sie dann im Jahr darauf über die Dörfer und durch die Lande ziehen.

Ton und Kirschen ist eine freie Theatertruppe, die gut ankommt, weil sie das Publikum nicht unterschätzt, die gut unterhält, weil sie sich niemals mit Klamauk anbiedert. Im letzten November konnte ihre Inszenierung „Hundeherz“ von Michail Bulgakow überzeugen. Dieses Mal haben sie sich „Shakespeares Sonette“ vorgenommen, kein leichter Brocken. Doch die eingeschworene Gemeinschaft um Margarete Biereye und David Johnston hat einen sinnlich-spielerischen Zugang gefunden, um die wahrscheinlich persönlichsten literarischen Zeugnisse des großen Dichter- und Schauspielvaters zu vergegenwärtigen. Shakespeare hinterließ 154 Sonette, in denen er seine großen Liebesgefühle, seine heimlichen Wünsche, Ängste und existenziellen Fragen zur Sprache brachte.

Die Akteure von Ton und Kirschen verlassen sich nicht allein auf das Wort des Meisters. Einmal heißt es: „Ich liebe ihre Stimme/ doch ich muss gestehen/ Musik hat einen sehr viel schöneren Klang“. Die Schauspieler greifen zu erstaunlich vielen Musikinstrumenten und setzen sie farbenreich und gekonnt in Szene. Es wird ungefähr genau so viel gesungen wie gesprochen.

Ob Country und Fado, Swing oder Flamenco – die verschiedenen musikalischen Stile verleihen der Dichtung zusätzliche Überzeugungskraft. Das Leben wird selbst zu einem Teil dieses Programms, weil die Schauspieler, die vier verschiedene Muttersprachen mitbringen, nur solche Töne anstimmen, die sie auch mit Leichtigkeit beherrschen und vertreten. Vor allem sparen sie sich jeden überflüssigen und lauten Ton, so reif und erfahren, wie sie sind.

Chefin Margarete Biereye bleibt es überlassen, auch einmal den hohen Ton anzuschlagen. Den Adel muss sie nicht spielen, die Rolle der Diva fällt ihr dagegen nicht so leicht. Kollegen wie Polina Borissova oder Nelson Leon kommen in ihrer unprätentiösen Art genauso zur Geltung. Es ist eine große Freude zu erleben, wie diese Schauspieler sich gegenseitig schätzen. Miteinander bringen sie ein meditatives Theater hervor, das an sich selber glaubt.

Am Ende sind es vor allem die Bilder, die dem Abend (und den Texten) ein traumartiges Gepräge geben. Aus Kannen ergießt sich weißer Sand, ein Liebespfeil durchbohrt eine barocke Frauengestalt und menschenlose Stiefel wandern über die Bühne. Puppenspielerin Daisy Watkiss begleitet eine Greisin zum Grab oder lässt eine Putte durch den Raum schweben. Auch das Bühnenbild wartet mit effektvollen Überraschungen auf. Während es vom Schnürboden Seifenblasen regnet, steigen aus einer Theatermaske im Aquarium dicke Luftblasen auf. Und dann fallen auch noch weiße Seile vom Himmel und die brüchigen Bretter, die die Welt bedeuten, werden zerlegt.

Das Sonett mit der Rose wird sehr direkt und pathetisch veranschaulicht. Dann wiederum gibt es auch herrlich ironische Einlassungen, wenn die Schauspieler kindische Alte in einem Altersheim mimen. Ein ungewöhnliches Spektakel der ruhigen Art, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Ton und Kirschen: „Shakespeares Sonette“, am 20. und 21. November um 20 Uhr, am 22. November um 16 Uhr. Fabrik, Schiffbauergasse 10, Potsdam.

Von Karim Saab

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