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Kultur „Tosca“ hadert mit der Tontechnik
Nachrichten Kultur „Tosca“ hadert mit der Tontechnik
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20:08 07.08.2016
Dramatisches Finale in der Engelsburg: Yulia Yurenkova als Floria Tosca und J.Warren Mitchell als Mario Cavardossi. Quelle: Fotos: Peter Geisler
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Rheinsberg

Auf der Bühne sieht man eine Staffelei, verhängt mit einem farbbeklecksten Tuch. Das ist das Atelier des Malers Cavaradossi im Hinterzimmer einer Kirche, wo der Künstler an einem Madonnenbild arbeitet. Cavaradossi hat ein Verhältnis mit der schönen Sängerin Tosca. Von der unglückseligen Liaison der beiden handelt Giacomo Puccinis gleichnamige Oper, deren Inszenierung den Höhepunkt des diesjährigen Rheinsberger Festivals bildet: Das musikalische Niveau ist akzeptabel, die Regie psychologisch schlüssig, das Bühnenbild unaufdringlich realistisch.

Ein kanadisches Team hat die Sache in die Hand genommen. Dirigent Gordon Gerrard arbeitet am Opernhaus von Calgary. Dort ist auch der Regisseur Brian Deedrick zugange, der aber gerade in Berlin weilt, wo er als Reiseführer jobbt. sich die beiden ein für das Heckentheater passgenaues Stück vorgenommen. Die Handlung spielt in einer Mittsommernacht des Jahres 1800 in Rom. Die Lage ist angespannt, denn Napoleons Heer marschiert durch Norditalien. Diesen historischen Bezug blendet der Regisseur allerdings aus. Er verlegt das Geschehen in einen beliebigen Polizeistaat. Die Polizisten tragen nachtschwarze Uniformen und hohe Lederstiefel.

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Bewegende Frauenschicksale in der romantischen Oper – das Thema einer Trilogie der Kammeroper Schloss Rheinsberg. In diesem Jahr steht die Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini auf den Spielplan. Die Zahl hervorragender junger Sängerinnen und Sänger beim Vorsingen war auch in diesem Jahr wieder so groß, dass drei Rollen gleich doppelt besetzt werden konnten.

Zwischen dem Polizeichef Scarpia, dem Maler Cavaradossi und Tosca entspinnt sich eine tödliche Intrige. Da der Maler einen politischen Gefangenen versteckt, will Scarpia einen Keil zwischen die Liebenden treiben. Er stachelt Toscas Eifersucht an, um den Aufenthaltsort des Entflohenen zu erfahren. Leichte Kost ist das nicht. Es gibt sogar eine akustisch realistische Folterszene.

Die Hauptpartien bringen Nachwuchssänger an ihre Grenzen, weshalb es in Rheinsberg zwei wechselnde Besetzungen gibt. In der Premiere am Freitag sang Yulia Yurenkova die Titelrolle. Die Moskauer Sopranistin, die erst elegantes Silbergrau und dann ein knallrotes Abendkleid von der Art einer Bonbonschachtel trägt, startete zwar mit wackligem Vibrato. Doch dann gewann ihre Stimme eine weiche Höhe und große Wandlungsfähigkeit. Ihre Tosca ist eher die hysterische Primadonna als eine zärtliche, innerlich zerrissene Liebende.

Die „Tosca“ in Rheinsberg

Giacomo Puccinis „Tosca“ wurde 1900 in Rom uraufgeführt. Grundlage des Librettos ist Victorien Sardous ­Drama „La Tosca“ von 1887. In der ­Titelrolle feierte Sarah Bernhardt ­europaweit Erfolge.

An der Kammeroper Schloss Rheinsberg ist die „Tosca“ in kanadischer Hand: Regie führt Brian Deedrick. Sein Landsmann Gordon Gerrard leitet die Brandenburger Symphoniker.

„Tosca“ ist das Mittelstück der Rheinsberger Trilogie „Frauenschick­sale in der romantischen Oper“. 2015 wurde „La Traviata“ aufgeführt. Im ­August 2017 steht „Carmen“ von Georges Bizet auf dem Spielplan.

Weitere Aufführungen der „Tosca“ in Rheinberg vom 9. bis zum 13. August, jeweils um 20 Uhr.

J. Warren Mitchell stellt als Cavaradossi eine stabile Höhe unter Beweis, der jedoch das kraftvolle Fundament fehlt. Mit übertriebener Mimik und holzschnittartigen Gesten macht er aus dem Maler eine hemdsärmelige Figur. Man vermisst die empfindsame Seite dieser Künstlernatur.

Psychologische Tiefenschärfe bietet hingegen Jared Ice mit seiner eindringlichen Darstellung des brutalen und zugleich lüsternen Polizeichefs. Leider hat er wenig Gelegenheit, seinen schwarzen Bariton zu präsentieren. Denn ausgerechnet während der tödlichen Liebesumarmung mit Tosca versagt sein Mikroport. Eine der spannendsten Opernszenen überhaupt ist in den Sand gesetzt. Abgebrochen wird diesmal nicht – anders als zu Beginn des pannenreichen Abends, als dasselbe Problem zu einer Zwangspause führte.

Technisch beeinträchtigt sind auch die Brandenburger Symphoniker, die hinter der Bühne sitzen. Bei Publikum kommt nicht der kleinste Hauch „echten“ Orchesters an. Man vernimmt den flachen Klang einer Tonkonserve, mit schrillen Höhen und mulmigen Tiefen. Gerade bei dem Klangfarbenmeister Puccini ist das schade.

Trotz dieser unterm Strich empfehlenswerten „Tosca“ sieht die Bilanz von Kammeroper-Chef Frank Matthus am Ende seiner zweiten Saison durchwachsen aus. Ein Zyklus „Frauenschicksale in der Oper“ – nicht gerade originell. Die eigene Regie-Arbeit, „La Traviata“ im vergangenen Jahr, geriet blass. Und die ehrenwerten Versuche, Zeitgenössisches zu etablieren, gingen schief: die klischeereiche Elke-Heidenreich-Vertonung 2015 ebenso wie kürzlich die mit Schlagern gespickte Händel-Oper. Eine eigene Handschrift des neuen künstlerischen Leiters erkennt man bislang nicht.

Von Antje Rößler

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