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Triumph für Kino-Experiment beim Filmpreis

65. Deutscher Filmpreis: Schippers „Victoria“ räumt ab Triumph für Kino-Experiment beim Filmpreis

Zum 65. Mal ist am Freitagabend der Deutsche Filmpreis verliehen worden. Bundesweit ist die Siegerauszeichnung Lola am höchsten dotiert. Der große Abräumer des Abends war Sebastian Schipper. Insgesamt gab es sechs Lolas für sein Kino-Experiment „Victoria“. Doch auch andere konnten sich über einen Preis freuen.

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Die Schauspieler Laia Costa, Frederick Lau und Filmemacher Sebastian Schipper freuen sich über die Lola beim 65. Deutschen Filmpreis für den Thriller „Victoria“.

Quelle: dpa-Zentralbild

Berlin. Ob das Feiern Freitagabend in Berlin so richtig Spaß gemacht hat? Klar, 1800 Gäste – darunter Bruno Ganz, Corinna Harfouch, Charly Hübner, Sibel Kekilli, Dieter Hallervorden, Michael Gwisdek – spazierten über den roten Teppich. 1200 Flaschen Champagner waren für die Party im Palais am Funkturm kalt gestellt worden. Der Deutsche Filmpreis ist schließlich das wichtigste Branchentreffen im Terminkalender.

Doch pünktlich zur 65. Verleihung träufelte eine der Protagonistinnen Wasser in den Perlsekt: Ausgerechnet Kulturstaatsministerin Monika Grütters beklagte die Mutlosigkeit des deutschen Films. Im genormten Förderbetrieb würden gute Ideen weich gespült. Die Altvordern um Volker Schlöndorff und Wim Wenders hätten sich mehr getraut als heute Schweighöfer, Schweiger und Co.

Lola ist der höchstdotierte Kulturpreis in Deutschland

Diese Worte bargen eine gewisse Ironie: Die knapp drei Millionen Euro für die Geehrten stammen ja aus Grütters’ Staatsschatulle, der Filmpreis ist der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Da konnten sich die Lola-Sieger gleich wie Trostpreisempfänger vorkommen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) beklagt den fehlenden Mut im deutschen Filmgeschäft

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) beklagt den fehlenden Mut im deutschen Filmgeschäft. Oft werden gute Ideen im Förderbetrieb weich gespült.

Quelle: dpa

Für einen gelte ihre Kritik ausdrücklich nicht, betonte Grütters: Sebastian Schipper habe ein Experiment ganz nach ihrem Geschmack gewagt. Seinen furiosen Banküberfall-Film „Victoria“ drehte der aus Hannover stammende Regisseur ohne jeden Schnitt – 139 Filmminuten quasi live über eine blutig endende Nacht, der berauschende Trip einiger Jugendlicher ohne Atemholen, in einem Rutsch.

Filmexperiment „Victoria“ triumphiert

Und tatsächlich hoben die 1600 Akademiemitglieder Schipper auf den Schild: „Victoria“ triumphierte in vielen Sparten. Selbstredend durfte „Victoria“-Kameramann Sturla Brandth Grøvlen für seinen Gewaltritt eine Lola entgegennehmen. Dazu gab es Trophäen für die Hauptdarsteller Laia Costa und Frederick Lau, für Schippers Regie und auch für Nils Frahms Musik.

Die Schauspieler Frederick Lau (m) und Laia Costa umarmen den Filmemacher Sebastian Schipper

Die Schauspieler Frederick Lau (m.) und Laia Costa umarmen den Filmemacher Sebastian Schipper. Er räumte mit seinem Echtzeit-Thriller sechs Preise ab.

Quelle: dpa

So blieb für Edward Bergers Drama „Jack“ über zwei vernachlässigte Brüder die Silberne Lola und für Johannes Nabers Unternehmensberater-Satire „Zeit der Kannibalen“ eine bronzene Statuette. Bei den Nebendarstellern holte Nina Kunzendorf mit dem Holocaust-Film „Phoenix“ und Joel Basman mit dem Rostock-Lichtenhagen-Drama „Wir sind jung. Wir sind stark“ die Lolas.

Mit Edward Snowden Oscar und Lola abgeräumt

Beste Doku wurde erwartungsgemäß der in Deutschland produzierte Edward-Snowden-Film „Citizenfour“ – Regisseurin Laura Poitras hatte zuvor schon den Oscar gewonnen. Beim Kinderfilm war Neele Leana Vollmar mit „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ erfolgreich.

Die Schauspielerin Laia Costa hat für ihre Rolle im Thriller „Victoria“ den Preis in der Kategorie «Beste weibliche Hauptrolle» bekommen

Die Schauspielerin Laia Costa hat für ihre Rolle im Thriller „Victoria“ den Preis in der Kategorie «Beste weibliche Hauptrolle» bekommen.

Quelle: dpa

Til Schweiger zieht die Zuschauer ins Kino

Quasi nebenbei begrüßte die Akademie am Freitag einen ihrer Berühmtesten in den eigenen Reihen: Til Schweiger hatte sich seit Jahren ins Abseits gestellt gefühlt und seine Filme gar nicht mehr eingereicht. Nun würdigte Moderator Jan Josef Liefers seinen Freund, dessen Werke 35 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt haben. Allein die aktuelle Alzheimer-Tragikomödie „Honig im Kopf“ wollten sieben Millionen sehen, das war der Kassenknüller der Saison. Und was antwortete der so lange Vergrätzte? „Es ist echt schön, hier zu sein.“

Lange hatte er seine Filme gar nicht erst eingereicht

Lange hatte er seine Filme gar nicht erst eingereicht: Til Schweiger. Nun hat er mit „Honig im Kopf“ eine Lola abgeräumt.

Quelle: dpa

So fand die Filmnacht von Berlin einen würdigen Sieger und ein versöhnliches Ende. Und wenn es nach Akademie-Präsidentin Iris Berben geht, ist Deutschland nächstes Jahr auch beim Filmfestival in Cannes endlich mal wieder vertreten. Das wäre dann ein richtiges Happy End, so wie es das Kino liebt: International ist der deutsche Film derzeit nicht unbedingt auf Lola-Kurs. Vielleicht ändert da ja Sebastian Schipper was dran.

Von Claudia Palma und Stefan Stosch

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