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Kultur "Trügerische Nähe" - Eine Beziehungstat im Berliner Umland
Nachrichten Kultur "Trügerische Nähe" - Eine Beziehungstat im Berliner Umland
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02:17 25.09.2015
Susanne Kliem – ihr Krimi erscheint bei carls’sbooks.  Quelle: PR
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Potsdam

 „Seesendorf bei Michendorf … Geben Sie den Ortsnamen besser nicht in Ihr Navi ein. Sie würden nicht dort ankommen, denn er ist frei erfunden, genau wie die Handlung und die Figuren des Romans.“ Mit dieser Nachbemerkung verabschiedet sich Susanne Kliem nach 350 Seiten von ihren Lesern.

„Trügerische Nähe“ ist ein Kriminalroman, der bis Seite 291 ohne Leiche auskommt. Behutsam stellt die 50-jährige Autorin ihre Figuren vor, bis es schließlich zu einer „Beziehungstat“ kommt. Bis zum Kriminalfall sorgen eine tote Ratte im Koffer einer verwöhnten Tochter, der Seitensprung eines Ehemanns, eine vermeintliche Schwangerschaft, die Schlachtung eines Schweins und der heftige Ausraster eines Freundes für genügend Aufregung.

Zwei Berliner Akademiker-Ehepaare überkommt in der Mitte ihres Lebens die Landlust. Die Kinder sind fast aus dem Haus und so beziehen die Vier einen alten Hof, den sie liebevoll renoviert haben. Ihr neuer Lebensmittelpunkt ist ein Dorf „in der wunderbbaren Landschaft des Naturparks Nuthe-Nieplitz“. Sie tauschen bewusst die Unrast der Großstadt gegen Waldeinsamkeit und Seenähe. Dass die urbane Welt in Reichweite bleibt, das garantieren nahe Zug- und Autobahnanschlüsse.

Den Fortgang der Geschichte schildert Susanne Kliem aus der Perspektive der einzelnen Protagonisten, ohne dafür in die Ich-Form zu springen. Jedes Kapitel überschreibt sie mit einem Vornamen. Mit besonderer Sympathie stattet die Autorin die Figur der Nora aus. Sie hat in Berlin-Charlottenburg eine Galerie aufgebaut, die sogar ihren Namen trägt. Doch seelisch fängt Nora gerade bei Null an, nachdem sie nach einem geschäftlichen Misserfolg und wiederholter Sex-Eskapaden ihres Mannes völlig aus der Bahn geworfen wurde. Nora ist die Verletzlichste, während Alexander dem Leser als attraktives, erfolgreiches Arschloch vorgeführt wird. Als Professor für Parasitologie beherrscht er alle charmanten und widerlichen Winkelzüge des Lebens. Und er weiß sich auch gut zu verteidigen, bezeichnet sich als jemand, „der was aus seinem Leben macht. Der es wagt, Erfolg zu haben. Im Job. Bei Frauen. Der so unverschämt ist, sein Leben ab und zu mal zu genießen.“

Nora und Alexander hoffen aber, ihre Ehe wieder in glückliche Bahnen zu lenken. Helfen soll dabei die Wohngemeinschaft mit dem anderen, befreundeten Paar, mit der taffen Kunsthandwerkerin Marlis und dem verlässlichen Architekten Johannes. Womit sie aber nicht gerechnet haben, das sind die eigenen Kinder, die sich eben noch nicht ganz von den beiden Kleinfamilien abgenabelt haben. Lukas, ein schwer pubertierender Egomane und Livia, die gerade ihr Schauspielstudium in München abbricht, mischen das Zusammenleben in der ländlichen Idylle gründlich auf.

Susanne Kliem, geboren am Niederrhein, erzählt das Debakel wie ein Kammerstück. Zwar kommen am Ende auch einige etwas unheimliche Randfiguren als Täter in Frage, doch das Böse erwächst in der bürgerlichen Mitte. Die immer noch häufigen Konflikt zwischen Altansässigen und Zugezogenen, zwischen Ossis und Wessis bleiben außen vor. Auch wenn die Handlung in einer konkreten Landschaft angesiedelt wird, ist „Trügerische Nähe“ mehr als ein Regiokrimi. Charaktere, Naturbeschreibungen und Dialoge vermitteln ein äußerst alltagsnahes und atmosphärisch dichtes Bild über ein Milieu, das sich gerne auf der Siegerstraße wähnt. Die Märkische Allgemeine kann sich glücklich schätzen, am morgigen Donnerstag mit der Autorin die Buchpremiere zu feiern.

Premierenlesung: 24. September,
19 Uhr. MAZ-Media-Store. Friedrich-Ebert-Straße 85/86, Potsdam.

Von Karim Saab

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