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Kultur Tücken und Freuden einer Männer-WG
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11:43 27.06.2017
Machen einen drauf: Raphael Rubino (Oscar Madison) und Jon-Kaare Koppe (Felix Ungar). Quelle: HOT/HL BOEHME
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Potsdam

Ein Ordnungsmuffel und ein Putzwunder unter einem Dach. Kann das gut gehen? Neil Simon hat sich dieses „Seltsame Paar“ 1965 ausgedacht, und nach dem Erfolg am New Yorker Broadway eroberte das skurrile Duo auch die Kinoleinwand. Den amüsanten Stoff um die Tücken einer Männerfreundschaft präsentiert das Potsdamer Hans-Otto-Theater nun als Sommerangebot im alten Gasometer neben der Hauptbühne.

Und um so richtig zu punkten, baute Regisseur Niklas Ritter auch noch eine Band ein – mit dem schönen Namen „BubenDameFinck&Knecht“. Sie spielt nicht bloß rockig auf, sie ist auch raffiniert in das Bühnenbild eingefügt. Die Musiker und die beiden Sängerinnen haben ihren Platz in zwei neben dem Wohnzimmer-Interieur über­einander gestapelten Guckkästen. Und das ist die eigentliche Überraschung des Abends: Es sind ausschließlich die Bühnenakteure, die da mit Hingabe musikalisch in die Vollen gehen.

Wie so oft fängt alles ganz harmlos an. Bei Oscar trifft sich die allwöchentliche Pokerrunde, die wieder einmal nicht zu Potte kommt, weil alle über die Miseren ihres Alltags räsonieren. Am ärgsten hat es den Gastgeber getroffen, der in einem finanziellen Engpass feststeckt. Eines ist an diesem Abend anders als sonst: Felix fehlt. Und der Buschfunk weiß auch ziemlich schnell, warum: Seine Frau will sich von ihm trennen und er scheint keinen anderen Ausweg zu sehen als den Selbstmord.

Umso größer ist die Überraschung, als Felix plötzlich doch leibhaftig vor der Tür steht. Alle versuchen, das, was sie wissen, was sie vermuten, zu verbergen, sie eiern rum, dass es nur so ein Spaß ist – schwarzer Humor der besten Art.

Im Weiteren kommt es zu einem folgenschweren Pakt: Felix zieht bei Oscar ein. Jon-Kaare Koppe zeigt den Neuzugang als Pragmatiker, der auch sogleich damit beginnt, das ziemlich vermüllte Domizil auf Vordermann zu bringen. Raphael Rubinos Oscar ist der liebenswürdige Chaot mit einem Hang zum Schwerenöter. Und so lädt er denn auch eines Abends zwei Nachbarinnen-Schwestern mit durchaus hintergründiger Absicht zum Essen ein.

Auch wenn sich Felix zunächst sträubt, in der Küche läuft er dann doch zur Hochform auf. Und als Oscar einen Drink mixen geht, lässt sich Felix gar mit den Damen ein. Und siehe da: Die sind sehr verständnisvoll. Er kann sich bei ihnen regelrecht ausweinen. Bloß dass er darüber vergisst, was er im Herd hat. Der Braten wird zu Kohle. Wie den Abend retten? Für den einen keine Frage: Wir gehen einfach rüber zu den Schwestern. Den anderen aber überkommen wieder seine Verklemmungen.

Die Jungs geraten aneinander, der Streit eskaliert, die schöne Männer-WG geht in die Brüche. Aber immer wenn’s im Stück haarig wird, springt die Band ein. Diese musikalischen Erweiterungen kommen vor allem den beiden Damen des Ensembles zugute, Katharina Uhland und Meike Finck. Ihre Nachbarinnen-Rollen sind eigentlich eher dürftig, sie geben sich ihren eingeschränkten Möglichkeiten zumindest aufregend lasziv hin. Aber auf der Show-Bühne, als die Stars der Band, dürfen sie so richtig aufdrehen.

Auch die beiden Hauptdarsteller punkten mit musikalischen Talenten. Als Raphael Rubino einmal seinen Prachtbauch entblößt, nutzen die anderen dessen Rundungen als Schlagzeug und unversehens wird daraus ein Ganzkörpertrommel-Act. Jon-Kaare Koppe, am Ende wieder beim Abwasch in der Küche, klimpert dort zunächst bloß ein bisschen auf den Gläsern, aber die Mitspieler schließen sich mit ihren ­Instrumenten an und führen mit dieser Glassound-Orgie das amüsante Spiel ins Finale.

Es ist eine durchaus nette Sommerunterhaltung. Was zuweilen an Spannung auf der Bühne fehlt, macht der Blick gen Himmel wett. Ballen sich da nicht eben recht dunkle Wolken zusammen? Werden sie abziehen?

Gerade als Oscar und Felix im ersten Akt dabei sind, sich auf ihre WG-Prinzipien zu einigen, mischen sich Regentropfen in die Debatte. Einer nach dem anderen ziehen die Zuschauer los, sich im Foyer den vom Theater vorbereiteten Regenschutz zu holen. Die beiden Akteure spielen ungerührt weiter. Dieses Stehvermögen wie auch das nachfolgende Einsehen des Wettergotts sind einen Extraapplaus wert.

Von Frank Starke

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