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00:25 01.02.2019
Der Schriftsteller Ulrich Woelk. Quelle: Bettina Keller
Potsdam

Seit fast drei Jahrzehnten beliefert der Berliner Schriftsteller Ulrich Woelk den deutschen Buchmarkt mit fein kalkulierten, geschliffenen Unterhaltungsromanen. Seine Figuren wachsen dem Leser schnell ans Herz, er verbindet meist pointierte Zeitdiagnosen und Stimmungsbilder mit wissenschaftlichen Motiven. Sein Erstling „Freigang“ war 1990 ein Senkrechtstart, für den er prompt den Aspekte-Literaturpreis erhielt. 1995 gab der promovierte Astrophysiker seinen Universitätsberuf auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Doch keines der seither erschienenen belletristischen Werke – es sind mehr als ein Dutzend – bescherte dem heute 58-Jährigen einen großen Durchbruch. Es geht ihm wie vielen Autoren seiner Generation, für die sich Redlichkeit, gewachsene Kompetenz und Ausdauer kaum auszahlt.

Als Punktlandung konzipiert

Vielleicht hat Ulrich Woelk deshalb seinen kleinen neuen Roman als Punktlandung konzipiert. Die Medienöffentlichkeit könnte es ihm danken. Am 20. Juli ist es auf den Tag 50 Jahre her, dass erstmals ein Mensch die Oberfläche des Mondes betrat. „Der Sommer meiner Mutter“ spielt im Sommer 1969 und feiert diesen „großen Schritt für die Menschheit“ noch einmal gebührend. Woelk lässt die Geschichte von einem Angestellten bei der Europäischen Raumfahrtagentur erzählen, der sich daran erinnert, wie er die Welt als elfjähriger Junge aus seinem familiären Umfeld heraus erlebt hat.

Drang nach weiblicher Selbstbefreiung

Der erste Satz ist ein Schock. „Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben.“ Doch bald hält der Leser diese tragische Wendung kaum noch für möglich. Es herrscht Aufbruchstimmung in einer neuen Einfamilienhaussiedlung am Rande von Köln. Zwischen zwei jungen Nachbarsfamilien wächst eine Freundschaft, obwohl die Eltern von Tobias eher konservativ ticken und das Ehepaar Leinhard an die kommunistische Weltrevolution glaubt. Die Männer, ein leitender Ingenieur und ein Uniprofessor, führen interessante Diskussionen. Und die Frauen verbindet eine Grundsympathie, denn beide wollen mehr als nur Hausfrau und Mutter sein. Der Drang nach weiblicher Selbstbefreiung und Emanzipation liegt in der Luft.

Tobias verliebt sich zudem in die frühreife 13-jährige Nachbarstochter Rosa und es ist ziemlich erstaunlich und vielleicht auch unrealistisch, dass das ältere Mädchen den jüngeren Jungen sogar an sich ranlässt. Der Leser assoziert mit der startenden Rakete, über die nächtelang live im Fernsehen berichtet wird, die ersten Erektionen des Jungen und mit der Erkundung des unbekannten Planeten den begehrten Mädchenkörper.

Blaufichten und Gitanes

Woelk führt etwas zu schematisch die typischen Accessoires der Zeit ins Feld. Das sind die Blaufichten im Garten und der teure Farbfernseher des Onkels, der im zweiten Weltkrieg Stuka-Pilot war. Da sind die „Alexis Sorbas“- Filmmusik von Mikis Theodorakis und Hits von den Doors und Janis Joplin. Da sind filterlose Gitanes und Anti-Vietnamkrieg-Demonstrationen, ein Volvo und eine Ente als Zweitwagen.

Die ergreifendste Szene des Buches spielt in einem neuartigen Jeans-Shop in Köln. Tobias staunt nicht schlecht, als auch seine Mutter eine dieser Hosen anprobiert, für die sie sich aber zu alt fühlt.

Ulrich Woelk: Der Sommer meiner Mutter. C H. Beck, 190 Seiten, 19,95 Euro. Buchpremiere 31. Januar, 20:30 Uhr. Buchhändlerkeller, Carmerstraße 1. Berlin-Charlottenburg.

Von Karim Saab

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