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Umjubelte Premiere der Potsdamer Winteroper

Friedenskirche Umjubelte Premiere der Potsdamer Winteroper

„Israel in Egypt“ heißt ein hierzulande kaum bekanntes Oratorium von Georg-Friedrich Händel. Der Dirigent Konrad Junghänel und die Regisseurin Verena Stoiber brachten es mit der Kammerakademie Potsdam zur szenischen Aufführung in der Potsdamer Friedenskirche. Warum hat die Inszenierung so begeistert?

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Szene aus dem Händel-Oratorium, in dem das Gegenwärtige des biblischen Stoffs zur Sprache gebracht wird.

Quelle: Stefan Gloede

Potsdam. „Wem soll ich diese Geschichte erzählen?“ fragt eine Frau mit leidvollem Blick auf die getöteten Nachkommen. Wir sind da im zweiten Teil von Georg Friedrich Händels Oratorium „Israel in Egypt“, das am Donnerstagabend in der Potsdamer Friedenskirche Premiere hatte – in der bewährten Winteroper-Zusammenarbeit von Kammerakademie und Hans-Otto-Theater. Und sie meint damit nicht so sehr die zehn Plagen, mit deren Hilfe sich die Isrealiten in der biblischen Vorlage von der Knechtschaft der Ägypter befreien. Regisseurin Verena Stoiber hat sich bei ihrer Inszenierung vom überlieferten Stoff gelöst, hat das Thema um einiges weiter gefasst. Ihr geht es um Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg überhaupt, um die Mechanismen der Macht. Und sie findet dafür beeindruckende, durchaus allgemeingültige Bilder.

Dieses hierzulande eher weniger bekannte Händel-Werk zu spielen war ein Herzenswunsch des Dirigenten Konrad Junghänel, einem langjährigen Partner der Kammerakademie Potsdam. In England, wo es 1739 entstand, steht es ganz oben, neben dem „Messias“. Und man muss nach der Premiere sagen: „Israel in Egypt“ ist an klanglicher Brillanz dem „Messias“ vielleicht sogar noch überlegen. Dass der Abend ein umjubelter Erfolg wurde, ist natürlich Junghans und seinem so souverän wie virtuos aufspielenden Orchester zu danken. Es ist aber eben auch das Verdienst der Regisseurin Verena Stoiber. Sie hat zu den vom Komponisten vorgegebenen musikalischen Stimmungen ihre eigene Gedanken- und Bilderwelt gesucht, die dicht am vorgegebenen Thema Flucht und Vertreibung dran bleibt und dies mit heutigen Erfahrungen spiegelt. Im Mittelpunkt steht dabei der Chor. In ihm, zusammengestellt aus Sängerinnen und Sängern des Vocalconsort Berlin und der Vokalakademie Potsdam, hat sie Akteure, die ihren Intentionen mit sängerischem Verve und spürbarer Spiellust folgen. Aber das eigentlich Szenische wird doch getragen von den sechs Solisten, mit Maria Smolka, Benno Schachtner, Florath Feth und Jürgen Lutz erstklassig besetzt, ihnen zur Seite die beiden Chorsolisten Sophie Malzo und Tom Heiß.

Szene aus dem Händel-Oratorium

Szene aus dem Händel-Oratorium.

Quelle: Stefan Gloede

Am Beginn steht der trauernde Zug derer, die die Opfer des Krieges beklagen. Aus den Särgen, die sie tragen, formt sich jenes Podest im Mittelraum der Kirche, das im Weiteren die Spielfläche sein wird. Es braucht nur wenige Requisiten und Kostümteile, um immer neue Figuren zu erschaffen, einen, der in Mönchskutte die kirchliche Macht darstellt, eine, die mit dem Harnisch zur Kriegsgewalt wird, einer, der sich die Krone aufsetzt, einer, der mit Flügeln halb Schutzengel, halb Rachenengel ist. Dabei bezieht Stoiber in ihre faszinierende Bilderwelt den gesamten Kirchenraum ein, die Krönung findet auf der Kanzel statt, das finale Freudenfest unter dem leuchtenden Christusmosaik im Altarraum. Alles hat sie – zusammen mit ihren Ausstatterinnen Susanne Geschwender und Sophia Schneider – mit Sorgfalt bis ins letzte Detail in Szene gesetzt; die Kostüme erinnern unaufdringlich erst an die 50er Jahren, haben später einen eher heutigen Duktus. Nach einem finalen Freundenfest ist die Spielfläche leergeräumt und es heißt: Alles auf Anfang. Klar, ein Nächster setzt sich die Krone auf. Das ist der Lauf der Welt.

Um das Gegenwärtige des Stoffs zu zeigen, hat die Regisseurin Texte der syrischen Lyrikerin Hala Mohammad eingefügt, gesprochen von Marie Smolka. Sie gibt damit so unaufdringlich-poetisch wie nachdrücklich denen eine Stimme, die heute auf der Flucht sind vor Bombenangriffen und Massakern.

Von Frank Starke

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