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Kultur Und plötzlich lebten die Beatles wieder
Nachrichten Kultur Und plötzlich lebten die Beatles wieder
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07:24 15.06.2016
Paul McCartney jubelt über die Fans, sich und das Konzert. Quelle: dpa
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Berlin

Zu Beginn „ A Hard Day’s Night“, hinten tanzen gelbe Punkte auf dem Monitor, gleich hat man das Gefühl der angetrunkenen 60er. Paul McCartney hebt die Faust wie früher Che Guevara – zum Rock’n’Roll hat immer schon die Rebellion gehört.

Ausverkauft – trotz happiger Preise

Die Waldbühne ist ausverkauft am Dienstagabend, auch wenn die Preise happig sind: Bei knappen 100 Euro geht es los, wer gute Sicht will, zahlt 230 Euro. McCartney, 73 Jahre alt, ist der Nachlassverwalter der Beatles, er kennt den eigenen Marktwert, doch füllt das Amt mit Charme. Wenn Ringo Starr der Kasper war, John Lennon der kühle Intellektuelle und George Harrison mit sanftem Gemüt der Band so etwas wie den Herzschlag gab, war Paul McCartney der Hochbegabte, dem es auch um Harmonie ging. Er ist der Mann, der den Hang zur Show und den Willen zum Genie in sich vereint. Wenn einer alleine die Beatles verkörpern kann, dann also er.

In Berlin hängt ihm der kleine, braune Bass vor dem Bauch, kaum größer als eine Bratsche, sein türkis-blaues Jackett hat keinen Kragen, wie damals in der frühen Beatles-Zeit. Er singt „Can’t Buy Me Love“, auf dem großen Monitor die Bilder der jungen Band: John, Paul, George, Ringo, die wie junge Hunde durch die Straßen stürmen. Das war das Leitmotiv der Filme, die sie in jenen Jahren drehten.

Zwischendurch werden auch Lieder der Wings gespielt

Er spielt ein Stück aus seiner elektronischen Zeit, die nur sehr kurz gewährt hat und die noch nicht so lange her ist, doch fast vergessen scheint. Man sieht ihm das nach. Auch ein hochbegabter Junge darf man Lärm mit seinen Bauklötzen schlagen, sonst bringt er ja nur Einsen nach Hause.

Zwischendurch die Sachen der Wings, seiner Band nach den Beatles – Stücke, die in den 70ern gefangen sind, ambitioniert, in ihrem Pomp aber nur selten ökonomisch. Auch „Let Me Roll It“ zählt zu den Liedern, die nur als Fußnote überlebt haben.

Jedes Stück war ein großer Wurf

Am Schlagzeug sitzt ein schwarzer, kräftiger Mann, die Gegenthese zum schmalen, lustigen Ringo. Paul McCartneys „I‘ve Got A Feeling“ erinnert derweil an die glänzenden, letzten Jahre der Beatles, als jedes Stück ein großer Wurf war, über Nacht komponiert, lässig eingespielt, mit dem Wissen um das eigene Genie. Diese Selbstsicherheit war letztlich die Bruchstelle der Band. Aus den Jungs wurden Charakterköpfe, je mehr sie ihre Stärken kennenlernten, desto weniger sind sie bereit gewesen, sich der Gruppe zu beugen.

Widmungen an seine verstorbene Frau und John Lennon

McCartney gedenkt John Lennon, er widmet ihm in Berlin „If You Were Here Today“, freilich ist kein Bild von Lennon auf der Leinwand zu sehen. Wenn er für seine verstorbene Frau Linda „Maybe I’m Amazed“ singt, dann verzichtet er auch in diesem Stück auf Bilder von ihr, lässt stattdessen Fotos zeigen, in denen er seine damals noch sehr kleinen Kinder herzt. Und wenn er schließlich George Harrison als „guten Freund“ preist und auf der Ukulele sein Lied „Something“ spielt, dann hindert ihn das nicht daran, gleich als nächstes das sorglos-fröhlich „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ anzustimmen. Im Gedanken wirkt McCartney etwas ungelenk, doch er weiß, es ist nicht sein Auftrag, die Toten zu betrauern, sondern ihr Erbe zu feiern. Und es am Leben zu halten. Wenn es sein muss, mit einem Schuss Egozentrik.

Stimme wirkt an einigen Stellen etwas brüchig

Das tut er gut gelaunt, spielt in Berlin länger als zweieinhalb Stunden, sehr viel Beatles, einige Solo-Stücke und Hits der Wings. Seine Stimme wirkt mittlerweile bei den ruhigen Liedern etwas brüchig, doch er wiegt das auf mit Inbrunst. Am Ende die goldenen Songs, „Lady Madonna“; „Eleanor Rigby“, „Let It Be“, „Hey Jude“, als Zugabe „Yesterday“.

Ein Feuerwerk zündet über der Waldbühne beim Wings-Hit „Live And Let Die“, dem Stück für den Bond-Film mit gleichem Namen. Das Publikum ist atemlos vor Freude. Ein großer Abend. McCartney feiert Nostalgie, ohne rührselig zu werden.

Von Lars Grote

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