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Unpassender Beifall bei Messiaen-Aufführung in Potsdam

Musikleben Unpassender Beifall bei Messiaen-Aufführung in Potsdam

Es sei eines der bewegendsten Werke, die man als Musiker spielen könne, sagte Markus Krusche, Solo-Klarinettist der Kammerakademie Potsdam. Das „Quartett für das Ende der Zeit“ von Olivier Messiaen (1908-1992)wurde am Sonntag in Potsdam aufgeführt.

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Der Komponist Olivier Messiaen 1983 in Paris.                                               

Quelle: FOTO: Marion Kalter

Potsdam. Ergreifend, atemberaubend, überirdisch .. . Mit Worten lässt sich die Stimmung nach der Aufführung von Olivier Messiaens „Quartett für das Ende der Zeit“ im Potsdamer Nikolaisaal kaum fassen. Die Musiker brachten die achtteilige Komposition aus dem Jahr 1941 am Sonntagnachmittag in der Reihe „Kammermusik im Foyer“ zur Aufführung.

Nach 50 dramatischen Minuten schichtete Konzertmeisterin Meesun Hong Colemann auf der Violine lange Striche wie ruhige Atemzüge höher und höher, fixiert von sanften, aber nachdrücklichen Doppelakkorden, die der norwegische Pianist Joachim Carr dagegensetzte. Die dann folgende auratische Stille wurde von einem ersten Klatscher unterbrochen, den etwa 130 ergriffene Besucher aber noch als Störung empfanden. Auch eine zweite Beifallsbekundung wirkte noch deplatziert. Erst dann bekamen die Musiker der Kammerakademie Potsdam das, was ihnen nach ihrer leidenschaftlichen und hochprofessionellen Interpretation zustand.

Zuvor hatte Markus Krusche einige Worte ans Publikum gerichtet. Das sei eines der bewegendsten Werke, die man als Musiker spielen könne, so der Solo-Klarinettist der KAP. Die Reise führe weit weg von allem. Und er zitierte einen Hinweis Messiaens: „... im Klavier zarte Kaskaden aus Akkorden in Blau-Orange.“ Olivier Messiaen (1908-1992) verstand sich als christlich-spiritueller Tonsetzer. Zu diesem Werk ließ sich der Franzose durch sieben Verse aus der Offenbarung des Johannes inspirieren, in dem vom „Ende der Zeit“ und „Engeln“, vom „Regenbogen“ und dem „Geheimnis Gottes“ die Rede ist.

Die Endzeitstimmung war aber alles andere als aus der Luft gegriffen. Messiaen schrieb das Quartett als Kriegsgefangener in Deutschland im Görlitzer Lager Stalag VIII A Ende 1940. Der Organist der Pariser Kirche La Trinité hatte sich 1939 freiwillig zum Kriegsdienst gegen Deutschland gemeldet. Der deutsche Lagerkommandant ermöglichte Messiaen dann aber zu komponieren und stellte dem Insassen auch ein Klavier zur Verfügung. Da ansonsten nur eine Geige, ein Cello und eine Klarinette in Reichweite waren, kam es zu der ungewöhnlichen Instrumentierung des Quartetts. Die Musiker sollen im Waschraum geprobt haben. Von der Uraufführung am 15. Januar 1941 ist sogar noch ein Ankündigungszettel überliefert.

Nur in drei Sätzen musizieren alle vier Instrumente gemeinsam. Der sechste Satz heißt „Tanz des Zorns“ und alle Instrumente spielen rasant und unisono ein aufrüttelndes Thema mit vielen arabischen Halbtönen. Auch sonst geht es keinesfalls nur ätherisch und körperlos zu. Die junge britische Cellistin Vashti Hunter verlieh im fünften Satz im getragenen Duett mit dem Pianisten Carr ihrem Ton eine Mischung aus Himmel und Erde. Und der dritte Satz ist ein einziges Klarinetten-Solo. Markus Krusche spielte es, als ginge es darum, die Entstehung des komplexen Lebens aus der absoluten Stille zu schildern.

Von Karim Saab

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