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Kultur Verewigte Idylle am Schwielowsee
Nachrichten Kultur Verewigte Idylle am Schwielowsee
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00:19 05.08.2017
Mit Gattin und seinen Töchtern: Fritz Grotemeyers Bild „Am Schwielowsee“, um 1905. Quelle: Privatbesitz
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Potsdam

Was für ein wunderbarer Spätsommertag! Welch Licht! Davon kündet Arthur Borghards (1880 - 1958) Bild „Bauerngehöft am Kornfeld“, das er um 1910 mit feiner Pinselführung schuf. Vorn stakst eine Hühnerschar des Wegs zwischen der mit Blumen übersäten Wiese. Dahinter das Gehöft mit dem weiß getünchten Bauernhaus samt Gaube. Von rechts, den Getreidegarben auf dem Feld, fallen die Sonnenstrahlen. Der Holunderbusch ist noch im Schatten. Aber intensiv beleuchten sie den Holzstapel vor der Steinmauer und oben den Scheunengiebel. „Wie kraftvoll er das malt“, schwärmt Jelena Jamaikina, „es sind fast abstrakte Flächen.“

Die Kunsthistorikerin hat die Ausstellung „Ferch in der Malerei – Blütezeit der Künstlerkolonie“ kuratiert, die dort im Museum der Havelländischen Malerkolonie, Zentrum war Ferch (Potsdam-Mittelmark), zu sehen ist.
29 Ölgemälde, Aquarelle, Pastelle werden präsentiert. Alle dort ab 1910 bis 1939 entstanden oder eindeutig dem Ort zuzuordnen.

Karl Hagemeisters Bucht bei Ferch

„Hier lebten und wirkten mehr als 160 Künstler“, sagt Jamaikina. Freilichtmaler Karl Hagemeister (1848–1933) aus dem nahen Werder hatte das idyllische Fleckchen als Erster entdeckt, wo er sich ab 1877 ansiedelte und diese einzige Künstlerkolonie im Märkischen mitbegründete.  Sein „Sonnenaufgang am Schwielowsee“ bildet ein unspektakuläres Stück des Havelgewässers ab. Er zoomte es quasi wie mit einem Fotoapparat heran. „Man sagt, dass seine Bilder kosmische Dimensionen haben, obwohl er bloß kleine Ausschnitte aus der Natur wählte“, so die Kuratorin. Man fühlt sich, als stünde man mittendrin. „Es ist eindeutig unsere Bucht bei Ferch.“

Auch Arthur Borghard hat diese Landschaft so gemocht. 1910 kaufte er sich hier ein Landhaus, wo er sich nach der Zerstörung seines Ateliers in Berlin-Charlottenburg im Zweiten Weltkrieg gänzlich niederließ. Auf einem Foto in der Schau sieht man ihn um 1940 in Familie in seinem Fercher Garten. Glücklich, entspannt. Mit „Häuser in Ferch“ hat er ein Dorfmotiv im Vorfrühling hinterlassen. Von einer Anhöhe schweift der Blick über die weite Wiese zu einer Allee. Der Schwielowsee glitzert, Fischerkaten in hellen Farben.

Impressionen aus dem Malerdorf

Nach der Frühjahrsausstellung mit Bildern aus den Anfängen der Havelländischen Malerkolonie, die von Karl Hagemeister und Carl Schuch 1878 begründet wurde, gibt’s nun die Fortsetzung mit 29 Werken von 17 Künstlern aus deren Blütezeit von 1910 bis 1939. Um 1900 hatten sich Künstler aller Couleur in Ferch (Potsdam-Mittelmark) niedergelassen.

„Ferch in der Malerei – Blütezeit der Künstlerkolonie“, bis 29. Oktober, Museum der Havelländischen Malerkolonie, Beelitzer Straße 1, 14548 Schwielowsee, OT Ferch, Mi-So 11 bis 17 Uhr, 033209/21025

Daneben hängt „Herbststimmung in Ferch“, um 1912, von Gerhard Gisevius (1879–1962). Er gehörte zu den letzten Schülern der Landschaftsmalerei-Klasse von Eugen Bracht an der Berliner Kunstakademie. „Bracht wurde da rausgeekelt wegen seiner impressionistischen Malweise. Die passte dem Kaiser nicht“, erklärt Jamaikina. Ab 1911 ließ sich Gisevius am Glindower Jahnufer eine Villa mit Atelier bauen. Oft zog’s ihn zum Malen rüber nach Ferch. Sein Bild hat er gespachtelt und getupft, er verstand Farben als Farbmasse. Nicht die einzelnen Halme waren ihm wichtig, sondern die Atmosphäre. Zuerst lässt er uns zur Fercher Wassermühle schauen, dann zum Wietkiekenberg in der Ferne.

Versonnen zwischen Mohnblumen: Hans von Stegmann und Stein schuf dieses Bild „Ein Sommertag“. Quelle: Privatbesitz

Auch Hans Licht (1876–1935) hatte es „Die alte Wassermühle“ angetan. Er zeigt sie aber bloß angeschnitten. Irisierend das Wasser des Mühlenbachs und dann dieses prächtige Rot des Herbstlaubs!

Lange verweilt man vor Fritz Grotemeyers (1864–1947) „Am Schwielowsee (um 1905). Auch er war wie Licht Student bei Bracht. Grotemeyer lebte am Fercher Dorfende, im Ortsteil Neue Scheune. Auf seinem Bild lächeln die beiden Töchter auf der Terrasse den Betrachter an, die ältere mit einem roten aufgespannten Schirm. Wie grandios er auf der Käseglocke auf dem Tisch die Reflexe des Lichts festhielt. Auch seine auf dem Anwesen lustwandelnde Gattin ist da.

Die Malschule des Gastwirts und Künstlers

Bewusst hat Jamaikina neben diesem Werk jenes von Hans von Stegmann und Stein (1858–1925) mit dem Titel „Ein Sommertag“ (um 1910/11) platziert. Auch hier viel Rot und ein Mensch ganz groß. Womöglich ist‘s seine Frau. Den Kopf gesenkt, die Gesichtszüge bloß umrissen, zupft sie an den Mohnblumen, die eine Diagonale bilden. Nach rechts oben werden diese kleiner, sind schließlich abstrakt. So bekommt das Bild Weite. Doch da ist noch eine zweite Diagonale, die durch die Baumreihe entsteht.

Der Geltower war befreundet mit Hans-Otto Gehrcke (1896–1988), sie kehrten öfter im Fercher Lokal „Haus am See“ von Carl Goebel (1868–1936) ein, das dieser 1907 eröffnete. Bis Ende der 1920er hatte der Wirt und Künstler zudem eine Malschule, seine Schüler blieben von Mai bis September. Selber konnte er deshalb erst ab Herbst so richtig loslegen. Auf „Ferch“ (1927) führt an einem Waldrand ein Weg vor einer abschüssigen Wiese vorbei. Der Schwielowsee fehlt nicht.

Diese Fercher Landzunge hat Hans-Otto Gehrcke mehrmals gemalt. Auch mit Badenden. Hier sein Bild „Morgen am Schwielowsee“. Quelle: Privatbesitz

Der zweite Raum mit elf Werken ist einzig Hans-Otto Gehrcke gewidmet, der ab 1927 über 60 Jahre in Ferch lebte. „Ein wahrer Chronist unseres Ortes“, so Jamaikina. Zu allen Jahreszeiten zeigt er ihn, und öfter dieselbe Landzunge am See. In aller Herrgottsfrühe stand er für „Morgen am Schwielowsee“ auf. Noch ist’s ein bisschen finster, aber da dräut schon der Tag. Am Fenster seines Atelierhäuschens im wilden Garten, wo er Schafe hielt, wartete er auf diesen magischen Moment. Oder da ist „Das Segelboot des Malers“, die geliebte Jolle „Gertrud“, mit ihr schipperte er bis zur Ostsee.

Steigt man die Treppe des Museums hoch, gibt‘s Bilder von Künstlern, die sich als Gäste in Ferch aufhielten. So Paul Lehmann-Brauns (1885–1970), der dort von einem „Kohlfeld“ mit lila-roten Kohlköpfen im diesigen Licht fasziniert war. Sein „Herbstabend in der Mark“ (um 1935) bildet einen Tümpel ab. Wo ist das? „Irgendwo bei Ferch“, sagt Jamaikina. Von Goebels „Tausendjähriger Eiche“ weiß man‘s genau. Wind und Wetter hat sie getrotzt – am Schwarzen Weg.

Von Angelika Stürmer

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