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Kultur Die Kanzel muss nach vorn für das Happy End
Nachrichten Kultur Die Kanzel muss nach vorn für das Happy End
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18:44 28.11.2018
Barenthin Kirche, 3 zusammengefügte Bildszenen: Auferstehung, Emmausjünger und Himmelfahrt. Quelle: Werner Ziems, BLDAM
Potsdam

Folgt man als Pilger einsamen Feldwegen auf dem Wunderblutweg durch die Prignitz, steht man unweigerlich irgendwann vor der Kirche Barenthin. Ein neues Dach strahlt seit letztem Jahr auf den schlichten Feldsteinwänden. Und man kann Gott danken, wenn gerade ein Gottesdienst stattfindet und die Türe offen steht – in dem 200 Seelen Dorf ist das nämlich nicht die Regel.

Das Innere der Kirche aus dem 16. Jahrhundert stiftet beim Besucher dann aber eine heillose Verwirrung. Nimmt man auf den rot gepolsterten Sitzbänken Platz, blickt man auf die Orgel, die sich hinter dem Altar befindet. Die marode Barock-Kanzel hängt hingegen hinter den Gottesdienstbesuchern. Spricht hier der Pfarrer etwa als gesichtslose Stimme von hinten ins Gewissen? Nein, sie wird nämlich gar nicht mehr genutzt.

Bei Umbauten in den 1980er Jahren kam das Durcheinander zustande. Die Kanzel wurde im Kirchenschiff an die schmale Westwand gestellt. Die Bänke einfach umdrehen? „Das wurde in den 1980 probiert, aber es hat sich nicht bewährt“, sagt der evangelische Pfarrer, der im Nachbarort Breddin lebt. Henning Utpatel erklärt: „Die Menschen sind an die Ausrichtung nach Osten gewöhnt. Dort geht die Sonne auf. Früher wurde der Kirchturm als Barriere vor der bedrohlich aufkommendem Nacht im Westen gedacht.“

Dieser Fauxpas soll nun im Rahmen der Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ wieder in Ordnung gebracht werden. Gestern, wie jedes Jahr kurz vor der Adventszeit, stellte die Kulturministerin Martina Münch (SPD) die nächste Baustelle zur Rettung sakraler Kunst und Gebäude vor. „Die zahlreichen Kirchen, Kapellen, Klöster und Pfarrhäuser sind Teil unserer Kulturgeschichte und stiften für viele Menschen – auch unabhängig vom eigenen konfessionellen Bekenntnis – Identität.“ Das Land unterstützt Münch zufolge die Sanierung der märkischen Kirchen in diesem Jahr mit mehr als fünf Millionen Euro.

Landeskonservator Thomas Drachenberg erklärte, gerade die Dorfkirchen seien mit ihren Kunstwerken „Platzhalter der Hoffnung“. Für Christian Stäblein, Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sind sie „zuallererst Orte des Gebets und der Andacht, aber auch Räume der Begegnung“. Und beteuerte: „Wir geben keine Dorfkirche verloren.“

Für die Restaurierung der Barenthiner Dorfkirche werden etwa 45.000 Euro benötigt. Pfarrer Utpatel predigt in Barenthin ein bis zwei mal im Monat. „Meist sind etwa zehn von hundert Plätzen belegt. Das ist für eine Dorfkirche schon ganz gut“, sagt er. Die Gemeinde hat etwa 70 Kirchenmitglieder. So richtig voll werde es eigentlich nur zu Weihnachten.

Die Spendenaktion wird von dem Förderkreis Alte Kirchen getragen, in dem sich auch Atheisten engagieren. Geschäftsführer Bernd Janowski bezeichnet Kirchen, Kapellen, Klöster und Pfarrhäuser „als wichtigen Teil unserer Kulturgeschichte“.

An den hölzernen Emporen in Barenthin wird eine der wichtigsten europäischen Geschichten erzählt: 16 marode Bilder des regionalen Kirchenmalers Christian Ludwig Schlichting zeigen den Leidensweg von Jesus. Der „Maler vom Dohm“, wie er in der Mark genannt wird, hat einen charakteristischen, handwerklich naiven Stil. Die Gemälde aus dem 18. Jahrhundert sind kunsthistorisch wertvoll, weil die Bilder zeigen, wie früher Geschichte erzählt wurde. Lesen konnten damals die Wenigsten. Zur Zeit hat der Holzwurm in Barenthin wohl am meisten von der Inneneinrichtung. Denn die Tafeln weisen viele Löcher und Risse auf.

Seit dem Umbau in den 1980er Jahren fehlt den Szenen aus dem Leben Jesu das Happy End, die Auferstehung. Die letzten drei Tafeln wurden nämlich aus Platzgründen in einem anderen Raum befestigt. Das soll sich mit den Spenden ändern.

Infos unter: www.altekirchen.de

Von Jan Russezki

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