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Kultur Verschweigen der NS-Vergangenheit als Drama-Stoff
Nachrichten Kultur Verschweigen der NS-Vergangenheit als Drama-Stoff
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20:59 21.02.2018
Der Regisseur Lars Kraume spricht über seinen neuen Film auf der Berlinale. Quelle: dpa
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Berlin

Es sind die 50er Jahre in der DDR: Es geht um eine Abi-Klasse, die wegen einer spontan geplanten Schweigeminute in die Mühlen des SED-Apparats gerät. Regisseur Lars Kraume erzählt in seinem Film „Das schweigende Klassenzimmer“ eine wahre, bittere Geschichte.

Herr Kraume, wieder ein zeitgeschichtliches Drama – verfolgen Sie einen Aufklärungsauftrag?

Lars Kraume: Nein, wirklich nicht. Aber ich bin durch „Fritz Bauer“ an dieser Zeit der 50er Jahre hängen geblieben, an dem verschwiegenen Umgang mit der NS-Vergangenheit. Sowohl im Westen wie auch im Osten ging es darum, nach dem Dritten Reich eine neue Gesellschaftsordnung aufzubauen. Die Menschen haben sich nur damit beschäftigt, sie haben nicht darüber geredet, was im Krieg und in der NS-Zeit alles passiert ist. Und für ein Drama oder einen Thriller ist das eine wahnsinnig gute Zeit, weil in dem Verschweigen so viel Geheimnisvolles liegt, das man dann entdecken kann.

Es geht um eine wahre Geschichte nach dem Buch von Dietrich Garstka – Was haben Sie dazuerfunden?

Der Film besteht im Grunde aus zwei Teilen – der relativ genau erzählten Geschichte der äußeren Ereignisse: einer Klasse, die vor dem Hintergrund des Ungarnaufstands eine Schweigeminute einlegt, das Ultimatum des Ministers und schließlich die Flucht der Klasse in den Westen. Erfunden sind dagegen die Figuren und die familiären Hintergründe mit ihrer Einbettung in die deutsche Geschichte.

Zur Person

Lars Kraume wurde 1973 im italienischen Chieti geboren und ist in Frankfurt/Main aufgewachsen.

Sein Justizthriller „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (2015) wurde mit sechs deutschen Filmpreisen ausgezeichnet.

Schon sein Abschlussfilm an der Berliner Filmakademie – „Dunckel“ – erhielt einen Grimme-Preis. Im Fernsehen war er mit zahlreichen „Tatort“-Folgen vertreten.

Der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ läuft am 20., 21., 23. und 25. Februar im Programm der Berlinale.

Was gefällt Ihnen an wahren Ereignissen?

Bei politischen Dramen packt mich die Verankerung in einer wahren Begebenheit mehr, als wenn alles nur ausgedacht ist. Das wertet die Geschichten auf, es macht den Horizont größer, weil man dann tatsächlich über die Zeit nachdenkt. Letztlich interessiert mich aber das zeitlose Drama der Rebellion von Jugendlichen gegen eine Elterngeneration, die ihnen ein Gesellschaftbild aufzwingen will. Für eine Geschichtsstunde allein ist ein Kinofilm zu aufwendig.

Was bedeutet es für Sie, den Film bei der Berlinale zu zeigen?

Ich freue mich total. Ich habe in Berlin studiert und vor genau 20 Jahren hier meinen Abschlussfilm gemacht. Und die Berlinale gehört mit Cannes und Venedig zu den größten Festivals der Welt. Hier auf den persönlichen Wunsch von Festivaldirektor Kosslick eingeladen zu sein, ist schon toll.

Sie haben den offenen Brief mit unterzeichnet, der einen Neuanfang für die Berlinale fordert...

Es ist schade, dass der Brief nicht den gewünschten Effekt hatte. Er ist zu einem Bashing gegen Kosslick genutzt wurden, und das war überhaupt nicht die Absicht. Ich habe kein Interesse, die Lebensleistung dieses Mannes infrage zu stellen. Es ging nur darum, dass die Neuordnung dieses international herausragenden Festivals nicht im Hinterzimmer verhandelt wird, wie das bei der Volksbühne mit der Castorf-Nachfolge passiert ist.

Jetzt ist eine Doppelspitze im Gespräch? Finden Sie das gut?

Ich glaube, es geht gar nicht anders. Es ist ein zu großes Festival, als dass man Management und künstlerische Leitung in eine Hand legen sollte.

Von MAZonline

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