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Teekränzchen mit dem Vergewaltiger

Buch über Frank Schmökel Teekränzchen mit dem Vergewaltiger

Frank Schmökel hat junge Mädchen brutal missbraucht und einen Rentner erschlagen. Trotzdem stehen Frauen auf ihn, wie Brandenburgs wohl bekanntester Verbrecher dem Psychiater Borwin Bandelow bei einem Besuch im Maßregelvollzug erzählte.

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Frank Schmökel im Jahr 2002.
 

Quelle: ddp_pool

Potsdam.  Apfelkuchen. Frank Schmökel serviert Borwin Bandelow Gebackenes. Wie damals vor 15 Jahren seiner Mutter. Beim Kaffeetrinken mit ihr während eines Ausgangs aus der Landesklinik türmt der Triebtäter im Oktober 2000. 13 Tage lang ist der Vergewaltiger und Mörder auf der Flucht, bevor er im sächsischen Saritsch gefasst wird. Die MAZ veröffentlicht während der Jagd auf Deutschlands meistgesuchten Schwerverbrecher exklusiv Tagebücher, in denen er seine Flucht beschreibt. Und seine kranken Fantasien, die sich auf junge Mädchen richten.

Man halte es kaum für möglich, aber es gebe Frauen, die genau das anziehe, die das Böse erotisch finden, sagt Professor Borwin Bandelow, der darüber mit Schmökel beim Teekränzchen hinter hohen Mauern gesprochen hat. Bandelow ist Direktor der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen und gilt als Deutschlands führender Angstforscher. Er hat Schmökel, der auf seiner Flucht seine Mutter und einen Pfleger schwer verletzte und einen Rentner erschlug, im Maßregelvollzug Brandenburg/Havel besucht. Dort ist er seit seiner Verurteilung 2002 zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung untergebracht. In einem für ihn gebauten Sicherheitstrakt.

„Mir war schon mulmig vorher“, sagt Bandelow. „Was, wenn er mich als Geisel nimmt?“ Aber ein Pfleger sei dabeigewesen, nachdem er eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen passiert habe. Er hatte Pralinen dabei für Schmökel, teils mit Schnaps gefüllt. Er durfte sie nicht mit hineinnehmen. „Das tat mir fast leid“, sagt der Professor. An den Wänden des Besuchszimmers, eine Armlänge entfernt, seien rote Alarmknöpfe angebracht. Aber er habe sich nicht unsicher gefühlt mit dem Verbrecher, der ihn mit Apfelkuchen und Tee empfing. „Er war sehr, sehr freundlich“, sagt Bandelow, der in seinem vorm bösen Mann?“ ein Kapitel über Schmökel geschrieben hat. Nicht über die Taten – Vergewaltigungen Minderjähriger, Missbrauch von Tieren – hat er mit dem Rinderzüchter gesprochen, sondern über die Frauen, die ihm unaufgefordert Liebesbriefe schreiben oder sich auf eine Kontaktanzeige meldeten, die er in einer Esoterik-Zeitschrift aufgab: „Frank, Löwe, evangelischer Christ sucht ...“ Man merke bei Schmökel schnell an seiner Sprache, dass er nicht sehr gebildet sei, sagt Bandelow. Aber er könne andere Menschen sehr gut einschätzen. Immer wieder war es ihm gelungen, Ärzten seine Ungefährlichkeit vorzutäuschen: Die Flucht aus dem Haus seiner Mutter war bereits seine sechste. Auch die Frauen, die sich für ihn interessierten, ihm glühende Liebesbriefe teils mit Hochzeitswünschen schickten, könne Schmökel präzise analysieren, sagt Bandelow. Insgesamt fünf Typen habe er unterschieden. Da sind zum Beispiel Frauen mit „Rotkäppchen-Syndrom“: Das Bedrohliche, Gewalttätige fasziniert sie. „Schmökel hat von einer Frau erzählt, die davon fantasierte, dass er sie auf dem Tisch des Besucherzimmers vergewaltigt“, berichtet Bandelow. Oft litten solche Frauen auch unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Frauen, die bereits Opfer von Gewalt wurden, hoffen wiederum bei Schmökel Antworten zu finden, um das Erlebte zu verarbeiten. Dann gibt es das Amiga-Syndrom: Nach dem Motto „Aber bei mir ist er ganz anders“ glauben diese Frauen, dass sie den Gestörten heilen können. Aber eine Heilung, davon ist Bandelow überzeugt, gibt es bei einem so schweren Fall nicht. Schmökel selbst sei sich dessen bewusst. „Ich habe weiter diese Fantasien“, habe er ihm gegenüber eingeräumt. „Ich bin irgendwie verkehrt.“

 In wenigen Tagen wird Schmökel 53. Dass er jemals entlassen wird, ist wohl ausgeschlossen. Schmökel sei trotz der Briefe viel allein, auch wenn Besuche theoretisch möglich sind, selbst von Frauen. „Er freut sich, wenn der Rosa Riese vorbeikommt. Dann hat er Gesellschaft“, erzählt Bandelow. Der „Rosa Riese“ genannte Frauenmörder Wolfgang S. ist ebenfalls in der Klinik für psychisch kranke Straftäter untergebracht.

Schmökel besitze einen „manipulativen Charme“, erklärt der Psychiater. Das habe er selbst zu spüren bekommen. „Ich kam nach langer Fahrt total ausgehungert im Maßregelvollzug an“, erinnert sich der Autor. Und da stand Schmökel mit Gebäck. Als hätte er geahnt, wonach seinem Besucher war. „Es war einer der besten Apfelkuchen, die ich je gegessen habe“, sagt Bandelow.

Der Fall Schmökel

Frank Schmökel verging sich in seiner Jugend an Tieren. 1988 wurde er erstmals wegen einer Gewalttat, der versuchten Vergewaltigung einer 13-Jährigen, verurteilt und in eine Klinik für psychisch kranke Täter eingewiesen. Später beging er weitere Straftaten, darunter die Vergewaltigung einer Achtjährigen. 1994 vergewaltigte er eine Elfjährige und wollte sie töten.

Immer wieder gelang ihm nach seinen Verurteilungen die Flucht aus dem Maßregelvollzug. Bei seiner letzten Flucht erschlug er einen Rentner.

Von Marion Kaufmann

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