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Starke Rolle als geistig Behinderte

Die ehemalige Babelsberger Schauspielstudentin Victoria Schulz glänzt als „Dora“ Starke Rolle als geistig Behinderte

Starke Rolle gleich zu Beginn der Karriere: Die ehemalige Babelsberger Schauspielstudentin Victoria Schulz spielt Dora, eine geistig behinderte junge Frau voller Entdeckungsfreude. Sie stürzt sich ungebremst ins Leben und in eine Affäre mit Peter, gespielt von Lars Eidinger. „Dora oder Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“: ab 21. Mai im Kino.

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Victoria Schulz spielt „Dora“.

Quelle: foto: dpa

Potsdam. Wie Schauspielerin Victoria Schulz zu ihrer ersten Kino-Hauptrolle kam, das klingt selbst nach einer filmreifen Story. Bei einer Premierenparty im Berliner „Hebbel am Ufer“ habe sie ein Mann fixiert, fotografiert, sich dann als Casting-Agent vorgestellt. „Ich dachte, oh Gott, das ist völlig verrückt“, erinnert sich die 24-Jährige lachend. Es wurde noch verrückter: Victoria Schulz bekam nach Castings den Zuschlag für die geistig behinderte Hauptfigur in „Dora oder Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“, die ihren Körper, ihre Sinnlichkeit und eben auch den Sex entdeckt. Eine Rolle, wie es sie im deutschen Kino selten gibt, und das gleich am Beginn ihrer Karriere! Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Berlinerin etwas Theater gespielt und war gerade Elevin an der Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg geworden, noch wenig von Schauspielübungen geformt. „In ‚Dora’ ging es vor allem darum, durch Spiellust, Intuition, Improvisation sich frei von seinen Grenzen zu machen.“

Filmfigur Dora blüht auf, als ihre Mutter (Jenny Schily) die sedierenden Psychopharmaka ihrer Tochter absetzt. Die 18-Jährige erwacht aus einer Art Dornröschenschlaf. Und beginnt sich zu emanzipieren. Sie beginnt eine Affäre mit dem undurchsichtigen Peter (Lars Eidinger), die ihre Eltern als sexuellen Missbrauch interpretieren. Sie wollen ihr den Umgang verbieten, doch Dora lebt ihre unbeherrschte Lust weiter aus, auch, als das Verhältnis des ungleichen Paares eine krasse Wendung nimmt … Regisseurin Stina Werenfels hat „Dora oder Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ nach dem gleichnamigen Theaterstück von Lukas Bärfuss in ein anrührendes, manchmal verstörendes Stück Kino verwandelt. Bei der diesjährigen Berlinale feierte der Film Weltpremiere.

Wie spielt man eine geistig behinderte junge Frau, ohne selbst ein Handicap zu haben? „Das innere Kind wiederzuentdecken“, sei entscheidend gewesen, sagt die Jungschauspielerin, die durch „Dora“ tapst, wirbelt und schreit, dass es eine Schaufreude ist. Um aufzunehmen, wie geistig behinderte Menschen leben und auf ihre Umwelt reagieren, kiebitzte Victoria Schulz in einer betreuten Wohngemeinschaft.

Für die teils extremen Sexmomente mit Eidinger entwickelte die Regisseurin Choreographien. „Es half, dass Lars ein so erfahrener Schauspieler ist, das gab mir Sicherheit.“ Und die Nacktszenen? „Ich musste nicht total hübsch sein, es ging um Körperbewusstsein – abseits von gängigen Schönheitsidealen.“ Für „Dora“ trennte sich Victoria Schulz von ihrer langen Mähne, bekam eine schulterlange Mädchenfrisur samt Pony. Dazu bunte Röcke und Leggins, Kindersandalen. Und keine Schminke! „Äußerlichkeiten helfen total, in die Rolle einzusteigen.“ In sechs Wochen „Dora“-Dreh habe sie so viel gelernt wie in einem Jahr Schauspielstudium. Tatsächlich brach Victoria Schulz ihr Studium ab, musste abbrechen, als das nächste Filmangebot auf den Tisch flatterte. Sie drehte „Von jetzt an kein Zurück“, auch so ein Film mit Wucht: Ein Liebespaar wehrt sich gegen die Spießer-Konventionen in der deutschen Provinz Ende der 1960er.

Demnächst steht ein anderes aufregendes Projekt an: Victoria Schulz wird im Juni Mutter. Ihr Freund Henning Beckhoff studiert in Potsdam-Babelsberg Regie. Für sein RBB-Movie „Vogelfrei“ schrieb die Aktrice das Drehbuch. In Zukunft selbst Regie führen? Auch das kann sich die talentierte junge Frau vorstellen.


Info: „Dora oder Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“, ab 21. Mai unter anderem Thalia-Kino Babelsberg.

Von Ricarda Nowak

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