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Videodreh in der Potsdamer Platte

„Alles brennt“ beim Rap-Duo „Zugezogen Maskulin“ Videodreh in der Potsdamer Platte

Sie kommen aus dem Norden, nennen sich „Zugezogen Maskulin“ und wollen die Berliner Rap-Szene aufmischen. Grim104 und Testo fanden bei einem Praktikum zueinander. Jüngst legte das Duo sein zweites Album „Alles brennt“ vor. Das Video „Platten O.S.T.“ drehten sie in Potsdam. Bald gehen sie auf große Tour. Im Berliner Lido gastieren sie am 24. April.

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Kommen aus dem Norden: Grim104 (l.) und Testo.
 

Quelle: PR

Potsdam.  Bei einem Praktikum in Sachen Rap merkten Grim104 und Testo bald, dass sie ganz ähnliche Vorstellungen von Musik haben. Die Jungs aus Zetel und Stralsund gründeten das Duo „Zugezogen Maskulin“ und gehen mit ihrem zweiten Album „Alles brennt“ bald auf Tournee.

MAZ: Ihre Songs haben etwas Aggressives und gleichzeitig Demütiges: Warum dieser Zwiespalt aus Resignation und Kampf?

Testo: Wir sind nicht einverstanden mit vielen Umständen wie offener und versteckter Ausländerfeindlichkeit, Klassizismus und der Überhöhung des Leistungsprinzips bis zur kompletten Selbstausbeutung. Aus diesem Unwohlsein und dieser Trauer erwächst dann eine Aggressivität, die aber noch keine richtige Lösung anbietet, außer sich wieder postmateriellen Werten wie Toleranz und Solidarität zuzuwenden. Viele Lieder kann man als Appell an den Einzelnen verstehen, ein bisschen gelassener und lockerer gegenüber sich selbst und seinen Mitmenschen zu sein. Wir leben nicht in einer Roboterwelt, wo jeder gegen jeden kämpft und keine Gefühle zeigt.

Grim104: Für die ganz großen Probleme haben wir natürlich auch keine Lösung. Wir machen uns Gedanken darüber, aber nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Wir können keine finalen Antworten anbieten.

Was hat es mit Ihrem Namen „Zugezogen Maskulin“ auf sich?

Grim104: Es ist eine Anspielung auf die beiden Rapgrößen: Westberlin Maskulin und Südberlin Maskulin. Wir haben uns überlegt: Was wären wir denn dann? Natürlich Zugezogen Maskulin.

Testo: Wir dachten, es ist irgendwie witzig und provokant genug, dass die Leute zuhören. Wir wollen einfach sagen, wir sind Zugezogene, ist halt jetzt so.

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Grim104 und Testo bilden das Rap-Duo „Zugezogen Maskulin“. Der Name der beiden Nordlichter spielt auf Szene-Größen aus der deutschen Hauptstadt an.

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Welche Verbindung haben Sie zu Brandenburg? Das Video „Plattenbau O.S.T.“ wurde ja in Potsdam gedreht.

Testo: Eigentlich sollte es in meiner Heimatstadt Stralsund entstehen. Doch es wäre zu anstrengend geworden, die ganze Crew dahinzubekommen. Nachdem wir dazu einen Aufruf auf unseren Seiten gestartet hatten, ob Leute aus dem Berliner Umland in Plattenbauvierteln wohnen, meldeten sich ganz viele aus Potsdam. Ich als Ostdeutscher darf das ja sagen: Diese Plattenbauviertel ähneln sich ja dann doch recht stark. Aber es gibt ja auch in jedem Dorf mindestens einen solchen Wohnblock. In dem Lied geht es um meine eigene Jugend in Stralsund. Ich wollte das Gefühl von damals in einem schönen Lied kanalisieren.

In dem Song „Chrystal Meth in Brandenburg“ nehmen Sie auch direkt Bezug auf das Bundesland.

Grim104: Ja, darin stand Brandenburg für ländliche Gegenden, gerade im Kontrast zu der riesigen Stadt Berlin, die umgeben ist von diesem Umland. Das fand ich reizvoll. Ich habe keine sehr viel tiefere Verbindung dahin. Das Leben in der Stadt gerade im deutschen Rap ist ja hinlänglich beleuchtet worden, doch das Dorf oder die Provinz eben noch nicht in dem Ausmaß. Das wollte ich machen.

Rapper gehen auf große Tour

Zugezogen Maskulin sind die Rapper Testo und Grim104, beide Jahrgang 1988. Nach ersten Sololäufen in ihren Heimatstädten Stralsund und Zetel lernten sie sich 2010 bei einem Rap.de-Praktikum in Berlin kennen und stellten schnell fest, dass ihre Herangehensweise an das Thema Rap Gemeinsamkeiten aufweist und gründeten eine Band.

Ihr Debütalbum „Kauft nicht bei Zugezogenen“ erschien 2011, jetzt haben sie im Februar 2015 mit „Alles brennt“ nachgelegt. Das Hamburger Label Buback nahm sie im Herbst 2013 unter Vertrag.

Im April gehen die Jungs auf große Tour: 15 Konzerte sind geplant, unter anderem auch in Zürich. In Berlin spielen sie am 24. April im Lido.

In dem Lied „Alles brennt“ beinhaltet so viele Brechungen, dass man das Gefühl hat, danach kann nichts mehr kommen. „Ich will, dass ihr mich hasst“ ist eine Textzeile.

Grim104: Es ein sehr brückenabbrennendes Lied. Auf der anderen Seite ist es auch eine Warnung an den nichtgeneigten Hörer: Wenn du dich bis hierhin damit einigen konntest, wird es nachher auch nicht mehr schlimmer. „Alles brennt“ ist quasi die Quintessenz dieses Albums.

Testo: Das Lied ist von der Energie her wie ein Wachklatschen. Jetzt musst du da sein, jetzt geht es los und pass auf was jetzt folgt.

Wie hat es Sie nach Berlin verschlagen?

Grim104: Wir wohnen beide seit etwa neun Jahren hier. Ich wollte weg aus Zetel im Friesland, weil irgendwann diese Welt dort zu Ende erlebt war. Es gibt Leute, die glücklich sind mit den Grenzen und Vorteilen, die das Dorf hat. Mir hat es nicht gereicht.

Testo: Ganz viele sind aus dem Osten weggezogen, weil Arbeitsplätze und Strukturen fehlen. Für mich war Berlin das Ziel, weil ich auch mit Berliner Rap aufgewachsen bin und so schon seit Jahren ein starkes Interesse für die Stadt hatte.

Sehen Sie sich inzwischen als Berliner?

Testo: Ich fühle mich als Zugezogener, ich bin kein Berliner. Ich mag es hier zu leben und sehe es als mein Zuhause an. Anders ist es, wenn ich wieder nach Stralsund komme, damit habe ich nicht mehr so viel zu tun.

Grim104: Ehrlich gesagt habe ich noch nicht darüber nachgedacht, mit was genau ich mich identifiziere. Vielleicht Wahlberliner.

Von Melanie Höhn

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