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Vier Folkrock-Perlen kurz vor dem Sommerloch

Musik Vier Folkrock-Perlen kurz vor dem Sommerloch

Folkrock aus Nordamerika - immer wieder zeitlos schön. Kurz vor dem "Sommerloch" kommen noch einige hörenswerte Platten mit dem ewig jungen Sound heraus: Neues von Dawes, The Wooden Sky, Hollis Brown und Chris Stamey.

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Chris Stamey verbreitet Euphorie. Foto: York Wilson/Yep Roc Records

Berlin. Wie frisch aus den goldenen 70er Jahren des California-Pop herübergebeamt klingt die US-Band

DAWES um die Brüder Taylor Goldsmith (Gitarre, Gesang) und Griffin Goldsmith (Schlagzeug) auf ihrem vierten Album "All Your Favorite Bands" (HUB/ADA-Warner). Wer bei Harmonie-Granaten wie "Somewhere Along The Way" und dem wunderbar sentimentalen Titelsong nicht sofort an Crosby Stills & Nash oder America, vor allem aber an die Meisterwerke von Jackson Browne ("For Everyman", "Late For The Sky", "Running On Empty") denkt, hat wohl etwas Wichtiges verpasst.

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Chris Stamey verbreitet Euphorie. Foto: York Wilson/Yep Roc Records

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Wie dieses Quartett voller Euphorie und mit enormer Expertise, mit tollen Satzgesängen und eindrucksvoll an Browne gemahnenden Lead-Vocals auf eine herausragende Epoche der uramerikanischen Rockmusik zurückblickt, das hat schon was. Produziert vom großen David Rawlings und aufgenommen in Nashville, haben Dawes ihren Sound behutsam weiterentwickelt und noch ein Stück runder, edler, entspannter gemacht.

Da irritiert kein Anflug von Krach wie beim Ober-Folkrocker Neil Young oder beim Genre-Paten Bob Dylan, hier geht es um puren Wohlklang. Gitarren, Orgel und E-Piano umschlingen sich, Bass und Drums bilden ein solides, dabei dezentes Fundament, während die Goldsmiths in brüderlicher Harmonie schwelgen. Das eine oder andere Sechssaiter-Solo darf die Songs auch mal auf epische neuneinhalb Minuten dehnen wie im Closer "Now That It's Too Late, Maria". So werden Dawes ganz bestimmt auf Dauer zu einer der im Albumtitel erwähnten Lieblingsbands.

Auf gutem Wege dorthin sind auch

THE WOODEN SKY aus Toronto, freilich mit mehr Ecken und Kanten als ihre US-Kollegen. Was nicht zuletzt an der weniger klassisch-schönen, gleichwohl markanten Meckerstimme von Gavin Gardiner liegt, der auf "Let's Be Ready" (Nevado Music/Rough Trade) in zehn Liedern etliche Kostproben seines Vokal-Charismas abgibt.

 

Auch The Wooden Sky legen bereits ihr viertes Album vor, und wie bei Dawes könnte dies ihr Durchbruch werden. In Quebec und Berlin (!) entstandene Songs wie "Baby Hold On" wären - wie bei Dawes - ohne die Vorarbeiten des Westcoast-Rock der 70er kaum denkbar. Sie wurden schon vor den Aufnahme-Sessions oft live gespielt, so dass am Ende alles organisch, rau und erdig klang (Anspieltipp: "Shake For Me" oder das gospelige "Don't You Worry About A Thing"). Ein starkes Album zwischen Indiefolk-Feinfühligkeit, Gitarrenrock-Energie und Stadion-Format - aber ganz ohne faule Megaband-Kompromisse wie zuletzt bei Mumford & Sons.

Eine Schnittmenge zwischen sonnigem Harmony-Folk ("Cathedral"), funkelndem Americana-Pop (der Titelsong), Southern-Rock ("Wait For Me Virginia"), Riff-Krachern ("John Wayne") und Country-Rockabilly ("Highway 1") finden auch

HOLLIS BROWN - übrigens kein Frauen-, sondern ein Bandname. Auf dem Album "3 Shots" (Blue Rose/Edel) überzeugt das aus New York stammende Quintett mit mal filigranen, mal wuchtigen Songs, wobei sie beide Facetten teilweise in einem einzigen Track präsentieren.

 

In Mike Montali haben die Amerikaner einen Leadsänger, der mit heller Stimme anrühren und im nächsten Moment die Rampensau à la Robert Plant oder Ryan Adams rauslassen kann. Etwa in "Rain Dance", das mit seinem stoischen Gitarren-Groove an die 2008 gestorbene Rock- und Blues-Legende Bo Diddley erinnert. Oder in "Sandy", wo Bläser für satten Südstaaten-Soul-Touch sorgen. Hollis Brown sind unüberhörbar Traditionalisten, die ihre Vorbilder - von Neil Young & Crazy Horse über The Band bis zu den Rolling Stones - verinnerlicht haben. Alles nicht neu, aber "3 Shots" macht so viel Spaß wie eine gute Sixties/Seventies-Jukebox. Mit der schönen Piano-Ballade "Death Of An Actress" mittendrin und "Ballad Of Mr Rose" als krönendem Abschluss.

Im Gegensatz zu den höchstens mittelalten Musikern von Dawes, The Wooden Sky und Hollis Brown ist

CHRIS STAMEY aus North Carolina mit seinen (ihm nicht anzusehenden) 60 Jahren ein Veteran des US-amerikanischen Alternative- und Folkrock. Auch anhören kann man ihm das Alter nicht, denn sein x-tes Album seit dem Beginn vor fast 40 Jahren trägt den Titel "Euphoria" (Yep Roc/Cargo) und klingt auch so: Voll jugendlichem Elan und frischer Inspiration, gepaart mit kompositorischer Reife und Kreativität.

 

Da klingen gleich mehrfach die Beatles an, insbesondere George Harrison ("Where Does The Time Go?", "Make Up Your Mind", "You Are Beautiful"). Dann wieder The Byrds ("Invisible", "When The Fever Breaks") oder Big Star (der Titelsong), auch mal Wilco, R.E.M. und Teenage Fanclub. Britische und amerikanische Einflüsse finden auf diesem bemerkenswerten Alterswerk eines Mannes zusammen, der mit The dB's im US-Indierock der 70er/80er startete und heute zu Recht als Grandseigneur des Genres verehrt wird. Die Songs sind durchgehend komplex arrangiert, und ein flott hingeworfener Neofolk-Hit ist wohl wieder nicht dabei für Stamey. Aber auch so verbreitet dieses Album jede Menge Euphorie. 

Dawes: 2.9. Köln, Gloria 13.9. Berlin, Lollapalooza-Festival

The Wooden Sky: 24.11. Leipzig, Täubchenthal

Hollis Brown: 21.10. Hamburg, Sound Yard

dpa

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