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Vocalise-Konzert in der Erlöserkirche

Potsdamer Gesangsfestival Vocalise-Konzert in der Erlöserkirche

Gymnasiasten aus Hermannswerder singen beim Gesangsfestival Vocalise in der Erlöserkirche. Begleitet wurden sie vom Neuen Kammerorchester.

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Das Neue Kammerorchester begleitete die Sänger.

Quelle: Foto: Köster

Brandenburger Vorstadt. Der Komponist verlangt gewaltige Klangmassen. Den Altarraum belegt das Neue Kammerorchester Potsdam. Der Chor weicht daher nach oben aus und verteilt sich auf einem mehrere Meter aufragenden Gerüst. Der Gesang der Jungen Kantorei Hermannswerder schallt dadurch mit besonderer Wucht durchs Kirchenschiff. Vor allem merkt man das bei den beseelten Spirituals, die der englische Komponist Michael Tippett in sein Oratorium „A Child Of Our time“ eingebaut hat.

Tippett schrieb dieses Stück, das am Samstag beim Potsdamer Gesangsfestival „Vocalise“ aufgeführt wurde, unter dem Eindruck der „Reichskristallnacht“. Er hat das Thema der Vertreibung jedoch so weit verallgemeinert, dass der heutige Hörer darin auch einen Kommentar zur Flüchtlingskrise hören kann. So kommt es einmal zu einem rhythmisch abgehackten Chor-Duell zwischen Verfolgern und Verfolgten. „Lasst sie im Niemandsland verhungern!“, fordern die einen. „Wir haben keine Zuflucht“, flehen die anderen.

Man könnte es sich einfach machen und Tippetts eingängige, harmonisch-konventionelle Musik als altmodisch abtun. Aber der Komponist wollte auch diejenigen erreichen, die nicht mit Schönberg oder Strawinsky per Du stehen. Bei der Jungen Kantorei Hermannswerder jedenfalls sorgt Tippetts Musik ganz offensichtlich für Begeisterung. Der gymnasiale Chor besteht überwiegend aus Mädchen. Für die tieferen Stimmen wurden daher Eltern, Kollegen und einstige Schüler hinzu gebeten. Dank des markanten, klaren Dirigats von Musiklehrer Matthias Salge bewegen sich die Sänger souverän durch die Partitur. Außerdem gibt es vier Solisten, unter denen vor allem der sonore Bass Simon Robinson Eindruck macht.

Norwegisches Sextett kommt am 20. November

„Fanatisch“ lautet das Motto der 16. Potsdamer Vocalise – eine Geisteshaltung, die Gutes und Böses auslösen kann. „Das Wort bedeutet ursprünglich ‚göttlich inspiriert‘“, erklärt Ud Joffe, künstlerischer Leiter des Festivals. „Doch wann Inspiration in Besessenheit kippt, bleibt umstritten. Es gibt alle möglichen Gruppen, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen. Aber wie kommen wir trotzdem zusammen?“

Wie Glaube und Toleranz Hand in Hand gehen können, verdeutlicht das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms, das am 19. November in der Nikolaikirche erklingt. „Als religiöser Freidenker hat Brahms eindringliche spirituelle Musik geschrieben, in der aber Christus überhaupt nicht vorkommt“, erzählt Ud Joffe, der die Vocalise 2001 gegründet hat, um der Potsdamer Chorszene ein Forum zu bieten.

Jedoch lädt er alljährlich auch ein erfolgreiches Profi-Ensemble ein. Am 20. November kommt das norwegische Sextett „Nordic Voices“ in die Erlöserkirche.

Von Antje Rößler

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