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Volker Braun feiert Weggefährten

Peter-Weiss-Symposium Volker Braun feiert Weggefährten

Drei Tage trafen sich in Potsdam Wissenschaftler von vielen Universitäten, um über Peter Weiss zu diskutieren. Der Schriftsteller und Maler wurde vor 100 Jahren in Potsdam geboren. Der Dichter, Weggefährte und Gesinnungsfreund Volker Braun las zum Abschluss einen Text für Peter Weiss.

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Schriftsteller Volker Braun.

Potsdam. „Volker, Du hast eine Zusammenfassung unserer Tagung gegeben, obwohl Du gar nicht dabei warst“, bedankte sich Professor Hans-Christian Stillmark am Samstagmittag nach der Lesung bei dem Dichter Volker Braun. Auf dem dreitägigen Symposium, das die Universität Potsdam dem bedeutenden Sohn der Stadt im Potsdam Museum ausgerichtet hat, duzten sich die meisten Referenten. Es war es ein Kollegen-Du, vielleicht auch ein altes Genossen-Du, mit Sicherheit ein Generationen-Du. Denn für die meisten Wissenschaftler der Generation 55 plus war Peter Weiss lange Zeit auch Sinnstifter und feingeistiger Lotse in einer vom ideologischen Klassenkampf aufgeheizten Welt. Braun: Weiss „ist unser ernstester Kamerad“. Der Maler und Schriftsteller wurde 1916 in Nowawes, dem heutigen Potsdam-Babelsberg geboren, wuchs in Bremen auf, musste wegen seines jüdischen Hintergrundes 1939 nach Schweden emigrieren und blieb als kommunistischer Intellektueller bis zu seinem Tod 1982 im geteilten Deutschland ein Heimatloser.

Sein opulentes und lesenswertes Hauptwerk, „Die Ästhetik des Widerstands“, gilt als Meilenstein linker Diskurse. „Wenn es von Revolution handelt, dann von der doppelten, der wachen und der geträumten“, heißt es in Volker Brauns requiemartigen Gesang „Ein Ort für Peter Weiss“. Während der 77-Jährige im unverkennbaren Volker-Braun-Sound mit schwerer sächsischer Zunge seine von dialektischen Gedankenbildern durchdrungene Poesie vorträgt, setzt das Zwölfuhr-Geläut der benachbarten Nikolaikirche ein. In dem Text von 1998 sucht der nach dem Ende der DDR heimatlos gewordener Braun nach einem Ort für den staatenlosen Weiss.

Am Anfang ist vom „Dschungel“ die Rede, von einem „armen Wald“, von „rohen Schluchten“. Später wird deutlich, dass dieser Dschungel im revolutionären Lateinamerika liegen könnte, in Kolumbien, Mexiko oder Peru, wo noch immer oder schon wieder „ein verzweifeltes Spiel mit Waffen und Worten“ das Denken, die Angst und das Hoffen beherrscht. Braun und Weiss künden von einer Welt, als Ideologie und Literatur kaum noch voneinander zu unterscheiden waren. Und die Germanisten und Literaturwissenschaftler im Raum? Sind „Abbrucharbeiter“, … „die letzten Gestalten, die wir erblicken auf der Suche nach dem verlorenen Ort, einstige Instandbesetzer des Sozialismus, die jetzt die eigene Spur verwischen“.

Von Karim Saab

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