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Volker Koepp im Potsdamer Filmmuseum

Kino Volker Koepp im Potsdamer Filmmuseum

Von der Uckermark im Umbruch erzählt der neue Film „Landstück“ von Volker Koepp. Der Regisseur zeigt, welche Auswirkungen Agrarwirtschaft und Energiewende auf die Landschaft haben. Biobauern und Umweltschützen kommen zu Wort.

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Die Uckermark mit ihren sanften Schwüngen in der Landschaft.

Quelle: Salzgeber

Potsdam. Die sanften Hügel der Uckermark reichen bis zum Horizont. Die Kamera gleitet über die blühenden Wiesen, folgt den Bussarden und Kranichen und blickt dann in den hohen Himmel. So beginnen die Filme des Dokumentaristen Volker Koepp. Der 1944 in Stettin geborene Regisseur hat ein Faible für die Endmoränenlandschaft Brandenburgs, schon zwei Filme sind in dieser dünn besiedelten Landschaft entstanden.

Ein Weltbild entsteht im Landschaftsbild

Koepp interessiert sich für die Menschen, die dort leben, die Zugezogenen, die Zurückgekehrten, die Öko-Landwirte und die Umweltschützer. Mittlerweile lebt er selber in Herrenstein und hat für seinen neuen Film „Landstück“ seine Nachbarn interviewt. Er trifft fidele Uckermärkerinnen zwischen 70 und 85 Jahren, die sich beim Schnäpschen ohne den Hauch von Nostalgie an die alten Zeiten erinnern: An ihre Männer, die alle schon tot sind, an die Russen und an die schwere körperliche Arbeit in den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs). Früher half das ganze Dorf beim Steinesammeln auf den Feldern, heute reichen dafür zwei Leute, haben die alten Damen beobachtet. Aus den Erzählungen der Menschen entsteht ein „Weltbild im Landschaftsbild“, wie Koepp sagt. Und schnell wird klar, was er damit meint.

Längst keine reine, unverfälschte Natur mehr

Diese Gegend ist zwar schön, aber längst kein Idyll mehr, keine unverfälschte, reine Natur mehr, wie es sich vielleicht die Städter noch erträumen. Die Landschaft hat sich dramatisch verändert, seitdem sich die Bodenpreise in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht haben. Nun ist die Uckermark durch die Zwangskollektivierung in der DDR, den großformatigen Privatisierungen durch die Treuhandanstalt in der Nachwendewendezeit ohnehin großagrarindustriell geprägt. Aber wenn man zwischen 25 000 und 30 000 Euro pro Hektar zahlt, muss man Intensivlandwirtschaft betreiben, um das Geld wieder rein zu kriegen, klagt ein Biobauer.

Biologe kann bellen wie ein Hund

Und so haben Großinvestoren, die man nie zu Gesicht bekommt, im großen Stil Flächen gekauft und den Anbau der hochsubventionierten Energiepflanzen Raps und Mais vorangetrieben. Monokulturen, Windkraftanlagen, Tiermastbetriebe und Biogasanlagen verändern außerdem das Landschaftsbild. Welche Auswirkungen das hat, erklärt auf ganz wunderbare Weise der Biologe und Agrarwissenschaftler Michael Succow. Der 74-jährige Professor ist mit Kühen und Schafen in der Uckermark aufgewachsen. Er kann bellen wie ein Hund, so hielt er einst die Schafe zusammen, nachdem sein Hütehund gestorben war. Und mit den Ohren wackeln kann er auch noch, um die Fliegen zu vertreiben. Das hat er von den Tieren gelernt.

Volker Koepp in Potsdam

Volker Koepp , 1944 in Stettin geboren, ist der bedeutendste deutsche Dokumentarfilmregisseur.

Nach dem Abitur in Dresden erlernte er den Beruf eines Maschinenschlossers, studierte später an der Technischen Universität Dresden. Von 1965 bis 1969 erhielt er die Möglichkeit zu einem Sonderstudium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg

Besonders bekannt wurde er mit seinen „Wittstock“-Filmen: Es handelt sich um Langzeitbeobachtungen zu Arbeiterinnen im Obertrikotagenbetrieb „Ernst Lück“ in Wittstock und deren Leben nach 1989.

Auch in Polen , dem Baltikum und der russischen Enklave Kaliningrad hat er Filme gedreht. Aber in die Uckermark kehrt er immer wieder zurück.

„Landstück“ läuft am Donnerstag, dem 6. April, um 17 Uhr im Potsdamer Filmmuseum und wird auch am Mittwoch, dem 13. April, um 19 Uhr gezeigt. Dann ist auch Volker Koepp zu Gast.

Weitere Informationen unter www.filmmuseum-potsdam.de

Michael Succow ist ein Mann der klaren Worte, der zwischen der Hähnchenmastanlage, die Fleisch produziert, das preiswerter als Hundefutter ist, einen kausalen Zusammenhang zu den Flüchtlingen herstellt. Während vor allem die Hähnchenbrüste in unseren Supermärkten landen, kommen die minderwertigen Teile in Afrika billig auf den Markt. Die Hühnerfarmen schließen, die Menschen sind um ihre Existenz gebracht und sehen keinen anderen Ausweg, als sich auf den Weg nach Europa zu machen. Das sei das Ergebnis der verfehlten Agrarpolitik, ereifert sich Succow.

Kennt sich aus

Kennt sich aus: der Biologe Michael Succow.

Quelle: Salzgeber

„Landstück“ ist ein engagierter, politischer Film geworden, ein Film mit Botschaft, aber ohne moralischen Zeigefinger. Koepp lässt sich Zeit für Blicke übers Land und in die Höfe und Scheunen der Uckermärker. Kamerafrau Lotta Kilian schwenkt zu sparsamen Geigentönen erst über prachtvolle Kulturlandschaften und dann über endlose Windparkanlagen, deren rote Lampen nachts beunruhigend flackern.

Von Claudia Palma

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