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Volksbühne wehrt sich gegen neuen Chef

Berliner Theater Volksbühne wehrt sich gegen neuen Chef

Die Theaterbelegschaft der Berliner Volksbühne wehrt sich gegen ihren designierten neuen Chef, den Belgier Chris Dercon. Sie befürchtet den Ausverkauf. Nun springt Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, den Kollegen bei.

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Er soll der neue Intendant werden: Chris Dercon.

Quelle: imago

Potsdam. Und schon wieder ein offener Brief. Es ist bereits der zweite in zwei Tagen. Diesmal von Claus Peymann, dem Intendanten des Berliner Ensembles (BE) an Michael Müller (SPD), den Regierenden Bürgermeister der Stadt. Peymanns Botschaft ist klar und unmissverständlich: Müller soll alles in seiner Macht stehende tun und dafür sorgen, dass der ehemalige Direktor der Londoner Tate Gallery of Modern Art, Chris Dercon, nicht wie geplant Intendant an der Berliner Volksbühne wird.

Der Belgier Dercon (57) wurde zum Nachfolger der Volksbühnen-Ikone Frank Castorf (64) bestellt. Im kommenden Jahr soll er antreten. Das haben die Beschäftigten an dem ostberliner Bühne noch nicht verdaut. Ende April hatte Dercon vor der Vollversammlung des Theaters seine Vorstellungen für eine künftige Volksbühne präsentiert. Nun, fast zwei Monate später, reagierte die Belegschaft mit einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und alle Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus und bekundet, dass sie den Intendantenwechsel „mit Sorge“ sieht. Das vorgelegte Konzept beinhalte keinerlei Innovation, vielmehr würden „Tanz, Musiktheater, Medienkunst, digitale Kunst und Film, die ohnehin fester Bestandteil an der Volksbühne sind, als Novität vorgesetzt“. Die Beschäftigten befürchten einen „Ausverkauf der für uns geltenden künstlerischen Maßstäbe“.

Die Unterzeichner des Briefes, zu denen bekannte Schauspieler wie Kathrin Angerer, Sophie Rois und Martin Wuttke sowie die Volksbühnen-Regisseure Herbert Fritsch, René Pollesch und Christoph Marthaler gehören, rechnen mit einer Trivialisierung des Programms und dass Stellen, ja ganze Gewerke abgewickelt werden. Das klassische Sprechtheaters, das an der Volksbühne beansprucht, gesellschaftliche Konflikte zu thematisieren, sei in Gefahr und damit die Etablierung „einer global verbreiteten Konsenskultur mit einheitlichen Darstellungs- und Verkaufsmustern“. Dass dies keine Minderheiten-Meinung an der Volksbühne ist, zeigt sich schon daran, dass 172 der 200 Beschäftigten des Theaters den Brief unterschrieben haben.

Gestern nun sprang BE-Chef Peymann den Volksbühnen-Kollegen bei. Der hatte bereits im vergangenen Jahr öffentlich gegen die Berliner Kulturpolitik gewettert. In seinem Appell an den Regierenden verlangt er eine Kehrtwende: „Machen Sie etwas, das Politiker niemals tun – und das wäre ein Zeichen von Größe –, nämlich: einen Fehler einsehen und korrigieren“, schreibt er: „Zahlen Sie ihn aus!“

Von Mathias Richter

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