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Von Klassikern der Filmgeschichte bis zum „Tatort“

Filmfestival Von Klassikern der Filmgeschichte bis zum „Tatort“

Die erste Ausgabe des neu gegründeten „Festival des historischen Films“ widmet sich der RAF, der Roten Armee Fraktion. 20 Produktionen über den Deutschen Herbst sind von Mittwoch bis Sonntag im Potsdamer Filmmuseum zu sehen. Alle Regisseure haben Ihr Kommen zugesagt. Es sind spannende Diskussionen zu erwarten.

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Szene aus Volker Schlöndorffs Film „Die Stille nach dem Schuss“.

Quelle: Verleih

Potsdam. Kein Thema der westdeutschen Nachkriegsgeschichte hat Filmschaffende mehr bewegt als die Rote Armee Fraktion, RAF. Rund 50 Spielfilme und Dokumentationen sind bislang rund um den Deutschen Herbst entstanden, jenen dramatischen Wochen im Oktober 1977, als der Terror der RAF seinen Höhepunkt erreichte: Die Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ sowie die Suizide von Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim. Bis heute arbeiten sich Regisseure an dem Topos ab, sogar ein neuer „Tatort“, der im Oktober ausgestrahlt wird, befasst sich mit dieser historischen und besonders für die Stadt Stuttgart traumatischen Situation. Regisseur Dominik Graf erzählt in „Der rote Schatten“ über die Verstrickungen des Verfassungsschutzes und seiner V-Leute in der RAF-Szene. Die Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) stoßen bei ihren Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens. Der Film spielt auf zwei Zeitebenen, Graf nutzt historisches Material vom Oktober 1977, das er mit nachgedrehten Szenen verschränkt. Der Film thematisiert auf aufwühlende Weise bis heute offen gebliebene Fragen.

Die Uraufführung des „Tatort“ gehört zum Programm des neu ins Leben gerufene „Moving history - Festival des historischen Films“, das Mittwoch in Potsdam beginnt und künftig jährlich stattfinden soll. „In Frankreich gibt es bereits seit 20 Jahren ein derartiges Festival, das großen Publikumszulauf hat. Das hat uns motiviert. Denn Filme zu zeitgeschichtlichen Themen haben auch bei uns Konjunktur und gewinnen sogar Filmpreise wie zum Beispiel ‚Der Staat gegen Fritz Bauer‘“, sagt die Potsdamer Filmwissenschaftlerin Ilka Brombach, die mit Mitstreitern das Festival gegründet hat und leitet. Das große Interesse an Geschichte sei ein gesellschaftliches Phänomen, dem man mit dem Festival gerecht werden wolle. Und: „Filme, die sich dokumentarisch oder fiktional mit Geschichte befassen, haben großen Einfluss auf unsere politische Identität, möglicherweise mehr als Geschichtsbücher“, so Brombach.

Die erste Ausgabe widmet sich nun anlässlich des 40. Jahrestages der RAF. Zu sehen sind 20 Produktionen, die zwischen 1967 – dem Jahr, in dem mit der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg die Radikalisierung der Studentenbewegung begann – und heute entstanden sind. „Wir wollen damit auch zeigen, wie sich die Perspektive auf das Thema im Laufe der Jahrzehnte verändert hat,“ erklärt die Festivalchefin.

Es gibt ein Wiedersehen mit Klassikern wie „Deutschland im Herbst“ und „Die bleierne Zeit“ übe die Ensslin-Schwestern, deren Filmtitel zu prägenden Begriffen wurden. Auf dem Programm stehen außerdem Porträtfilme über Holger Meins und Fritz Teufel sowie Filme, die sich mit den Opfern beschäftigen, wie „In den besten Jahren“ mit Senta Berger. Aber auch Raritäten sind zu entdecken, wie etwa der verschollen geglaubte Film „Das Abonnement“ des Iraners Ali Limonadi von 1967. Gudrun Ensslin, zur Drehzeit am Beginn ihrer Dissertation über den Schriftsteller Hans Henny Jahnn, ist hier als Schauspielerin zu besichtigen, als cooles Model mit typischen Pin-Up-Posen. Eine hellsichtige Voraussicht ist „Tätowierung“ (1967) von Johannes Schaaf, in dem Christof Wackernagel einen Jugendlichen spielt, der seine Adoptiveltern tötet. Es ist bittere Ironie, dass Wackernagel, der sich Mitte der 1970er Jahre der RAF anschließt, von der Realität eingeholt wird.

In einem Werkstattgespräch stellt Gerd Kroske seine noch unfertige Kinodokumentation „Psycho RAF – Eine Geschichte des SPK“ vor. Das 1970/71 in Heidelberg tätige Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) wäre nicht mehr als eine Fußnote der Studentenbewegung, wenn sich nicht einige Mitglieder radikalisiert und in den Untergrund gegangen wären und so das ganze Projekt, gegründet aus Protest gegen die Schulmedizin, in Verruf gebracht hätten. Kroske, der in Babelsberg Regie studiert hat, zeigt, dass die SPK-Prozesse heute wirken wie die Vorwegnahme der Stammheim-Prozesse.

Zu allen Vorführungen im Potsdamer Filmmuseum kommen die Macher. „Dieser Zuspruch freut uns als Newcomer natürlich besonders“, so Festivalleiterin Ilka Brombach. Es sind spannende Diskussionen zu erwarten.

Von Claudia Palma

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