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Kultur Von Las Vegas nach Nashville
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08:45 08.06.2017
Es wird scharf geschossen und geschmachtet, wenn The Dead Lovers kommen. Quelle: Promo
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Potsdam

Ein wenig Legendenbildung gefällig? Da wäre Lula, der weibliche Teil der Dead Lovers. Die Dame – Fotografin und Musikmanagerin vom Tegernsee – stellte Bela B ihre Stimme zu Verfügung. Nicht nur das: Sie sang „Nothing“, das letzte irdische Duett mit dem legendären Lee Hazlewood (1929-2007) ein. Lula tat sich mit Wayne Jackson zusammen, den mancher noch als den Anführer der Dostoyevkis kennen dürfte. Lula und Jackson, der längst aus Manchester nach Berlin umgezogen ist, wurden beim Einspiel ihres zweiten Albums „Slow Black“ von weiteren befreundeten Koryphäen unterstützt – in San Diego. Bis zum Pazifik, bis in die Wüste und nach Mexiko hat man es dort nicht weit.

Weit zurück in die Zeit ging es allerdings, als es galt, einen ganz spezifischen Klang auszutüfteln. Dafür suchte man sich Verstärker und Instrumente aus den letzten 70 Jahren zusammen. Ans Schlagzeug setzte sich Matt Lynott von The White Buffalo. Den elegischen Ton auf der Lap Steel traf Mike Butler wie kein Zweiter. Während Patrick McClory von den Bastard Sons Of Johnny Cash den Bass bediente und Bandmitglied Chris Lippert weitere treffliche Gitarrensounds ersann.

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Diese, eigentlich jede Platte von Sophie Zelmani verdient Aufmerksamkeit. Und das sind einige. Die Schwedin hat wieder einmal gezaubert. Keinesfalls geht es um muskulöse Magie, die einen aus den Socken haut. Vielmehr um eine überlegen sanftmütige, für die bereits ein paar Piano-Akkorde ausreichen – und eben diese gewinnende Stimme der mittlerweile 45-jährigen Sängerin. Was diese superb nuancierte Musik mit einem macht, merkt man, wenn sie die nächste und übernächste Runde im Player dreht. Live zu erleben am 8. Juni um 21 Uhr im Heimathafen Neukölln.

Sophie Zelmani: My Song. Oh Dear Recordings/Cargo.

Das Leben als Mutprobe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So könnte der Titel der jüngsten Platte von The Wooden Sky nicht verstanden werden: „Überleben ist die Fähigkeit, in fremden Gewässern schwimmen zu können.“ Entlehnt beim großen Science-Fiction-Autor Frank Herbert. Die Kanadier aus Toronto gehen so leicht nicht unter. Haben ihren Kurs ausgelotet. Indie-Rock geht auf Landpartie, Folk hat etwas verschroben sympathisches wird er mit Anklängen an die Sechziger gemischt. The Wooden Sky spielen am 9. Juni, um 20 Uhr im Austerclub in Berlin-Kreuzberg.

The Wooden Sky: Swimming In Strange Waters. Nevado Music/Rough Trade.

The Dead Lovers durchqueren Orte, die bessere Zeiten gesehen haben. Wie deren Bewohner. Dann wiederum treten sie mit schwer schlingerndem Blues in die Fußstapfen der Raconteurs und Konsorten. Bis die Dampflok bekohlt ist und ins Nirgendwo aufbricht. Lula und Wayne beschwören Country, Western und Texmex. In sagenhaften Duetten. Verdüstert, verloren, verwundbar und wie gemacht für den nächsten und letzten Tarantino-Film. Schlicht formvollendet.

Nashville kann stolz auf diese Country-Lady sein - Nikki Lane. Quelle: Promo

Was soll man sagen? Sie reitet wieder – Nikki Lane. Die junge, doch lebenserfahrene Lady mit der Sandpapier-Stimme, die sich so gar nichts vormachen lässt. Weder ein X für ein U noch, dass Country Music ganz allein aus Nashville kommt wie sie. Denn das Genre wird überall geliebt. Gleich, wohin es einen verschlägt, frisst der Truck erst Kilometer . Und dann kommt Nikki Lane und zieht nicht nur die Blicke auf sich, wenn sie wie auf ihrer jüngsten Langrille „Highway Queen“ mit einem Longhorn-Rind kuschelt, sondern weil sie sich so unverschämt selbstsicher auf diesem Terrain bewegt. Kaum anzunehmen, dass die Königin, die so vortrefflich wie unverschämt rockt und daher keinen König nötig hat, in der nächsten Zeit auf die Bremse tritt. Weder in Las Vegas noch daheim in Nashville, Tennessee.

Die Konzerte: The Dead Lovers spielen am Sonnabend, dem 10. Juni, um 22 Uhr im Roadrunner’s Paradise in Berlin-Prenzlauer Berg.

Nikki Lane tritt am Montag, dem 12. Juni, um 20 Uhr im Privatclub in Berlin-Kreuzberg auf.

Von Ralf Thürsam

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