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Von Leichen- bis Schweineschau

Skurrile Museen in Brandenbug Von Leichen- bis Schweineschau

Bilder an der Wand oder die Dorfstube mit ihrer immer gleichen Heimatausstellung – nein, danke! Die Brandenburger Museenlandschaft bietet viel mehr. In den kuriosen Sammlungen zwischen Prignitz und Spreewald ist garantiert für jeden etwas Spannendes dabei. Zum Internationalen Museumstag haben wir genau hingeschaut.

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Der Eber im Schweinemuseum Ruhlsdorf heißt „Finale“ – endlich ein Präparat wie aus dem Leben.

Quelle: dpa

Potsdam. Heimat und Hochkultur – der am Sonntag stattfindende Internationale Museumstag lockt Besucher landesweit in die Museen. Doch auch wer weder mit der Dorfstube noch mit Expressionismus, Kubismus und Co. etwas anfangen kann, findet in der bunten Brandenburger Museenlandschaft garantiert eine Ausstellung nach seinem Geschmack: Die Museen in Brandenburg sind witzig und winzig, manche sind gruselig oder sogar – wie man hier sagt – janz weit draußen.

Versaut geht es im Teltower Ortsteil Ruhlsdorf (Potsdam-Mittelmark) zu, hier steht Deutschlands einziges Schweinemuseum. Auf 500 Quadratmetern wird in sieben Räumen Fachwissen zu Hege und Haltung des schmackhaften Paarhufers vermittelt. Der Standort ist nicht willkürlich gewählt. 1918 entstand in Ruhlsdorf die erste Lehr- und Versuchswirtschaft für Schweinehaltung, die bis in die 1990er-Jahre hinein auf die gesamte deutsche Schweinehaltung einen gewichtigen Einfluss ausübte. Auch in Märkische Höhe (Märkisch-Oderland) dreht sich alles um Tiere, die Akteure sind allerdings bedeutend kleiner: Hier öffnet das Internationale Fledermausmuseum Julianenhof regelmäßig seine Pforten. Von den 17 in Brandenburg lebenden Fledermausarten sind 15 in der Umgebung des Hofs nachgewiesen worden, ein Dutzend Arten lebt sogar direkt in den alten Gemäuern. Vor Blutsaugern muss sich kein Besucher fürchten. „Alle einheimischen Fledermäuse ernähren sich von Insekten oder anderen Gliedertieren wie Spinnen“, heißt es von den Museums-Machern.

Durchaus blutiger muss man sich die Arbeit im Gubener (Spree-Neiße) Plastinarium des prominenten Anatoms Gunther von Hagens vorstellen. Schließlich sind es echte Leichen, die hier präpariert und ausgestellt werden – natürlich bearbeitet und buchstäblich in Szene gesetzt. Mehr als zehn Jahre lang arbeitet von Hagens, der mit seiner Körperwelten-Ausstellung weltweit für Furore sorgte, bereits in der ehemaligen Tuchfabrik Südbrandenburg, mittlerweile hat Sohn Rurik die Geschäfte vom schwerkranken Vater übernommen. Allerdings ist in Guben stets nur eine Auswahl der Exponate zu sehen. Neben dem Plastinarium laufen derzeit zwei Körperwelten-Schauen, zudem gibt es in Berlin das Menschen Museum aus dem Hause von Hagens.

Der Rundgang durch die Kleinstaustellung in Schäpe soll nur fünf Minuten währen, heißt es

Der Rundgang durch die Kleinstaustellung in Schäpe soll nur fünf Minuten währen, heißt es. Dann geht’s rasch weiter nach Nudow.

Quelle: 5-Minuten-Museum

Ebenfalls nicht ganz einmalig ist Brandenburgs kleinstes Museum. Gleich zwei Mini-Ausstellungen nehmen diesen Titel für sich in Anspruch. Zum Glück kann man an einem Nachmittag beide Einrichtungen besuchen, sie liegen nur rund 30 Kilometer voneinander entfernt im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Kleinst-Museum Nummer eins findet sich im Beelitzer Ortsteil Schäpe, Nummer zwei in Nudow. Es lohnt, beide Museen zu besuchen, denn inhaltlich sind sie äußerst verschieden. Das Schäper Fünf-Minuten-Museum, angebunden an den Spargelhof Jakobs, zeigt den Alltag der Vergangenheit anhand alter Möbel und Einrichtungsgegenstände. Im Nudow-Seh-Um hingegen steht die reale Dorfgeschichte im Mittelpunkt. Zahlreiche liebevoll zusammengetragene Fotos und Tafeln zeigen Höhepunkte aus der Historie des Ortes.

Walter Streblow betreibt in Lindow seine private Sammlung unter dem Titel „Schau mal rein“

Walter Streblow betreibt in Lindow seine private Sammlung unter dem Titel „Schau mal rein“.

Quelle: Buddeke

Im Zusammenhang mit dem Oderhochwasser wirkt das Wort Höhepunkt zynisch – bis heute hat wohl kaum ein Brandenburger vergessen, wie vor 20 Jahren bei der verheerenden Flut ganze Dörfer im Schlamm versanken, verzweifelte Menschen um ihr Lebenswerk weinten. Immer neue Höchst-Pegelstände hielten die Oderregion in Atem. An diese dramatischen Wochen, aber auch an die Geschichte der Oder als wichtige Handelsstraße und Wirtschaftsfaktor, erinnert das Hochwassermuseum in Frankfurt (Oder). Hier ist die lokale Anbindung entscheidend – natürlich funktionieren viele Museen vor allem wegen ihrer Lage. Das Gurkenmuseum in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) oder das Beelitzer Spargelmuseum wären in Potsdam undenkbar, das Storchendorf Linum in Ostprignitz-Ruppin zieht mit einem passenden Storchenmuseum die Touristen an. Die Erwin-Strittmatter-Gedenkstätte „Der Laden“ steht natürlich in Bohsdorf (Spree-Neiße), dem realen Vorbild für Bossdom in der berühmten Romantrilogie, und die Kinder von Golzow im Oderbruch erfahren in ihrem Heimatdorf Würdigung.

Wem das alles noch nicht spannend genug ist, der sollte den Weg nach Lindow wagen. Denn hier in Ostprignitz-Ruppin widmet sich die private Sammlung „Schau mal rein“ mit mehr als 11 000 Exponaten ganz offiziell einem: Kuriositäten.

Von Saskia Kirf

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