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15:23 28.07.2016
Oliver und Sandra Stiller beim Essen in Riad. Quelle: Stiller
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Potsdam/Riad

Bevor sich Sandra (43) und Oliver Stiller (46) entschlossen, in Saudi-Arabien zu leben, arbeiteten beide bei der Bundespolizei in Potsdam. Als Oliver Stiller vor sechs Jahren ein Angebot von Airbus bekam, in dem Königreich im Bereich Grenzschutz tätig zu werden, nahm er an. Seine Frau folgte ihm eineinhalb Jahre später. Jetzt haben sie ihre Erfahrungen in einem Buch beschrieben.

Herr und Frau Stiller, Sie nehmen in Ihrem Buch kein Blatt vor den Mund, wenn Sie Ihren Alltag in Riad beschreiben. Sie erwähnen Hinrichtungen und Menschenrechtsverletzungen. Hatten Sie keine Angst vor Konsequenzen?

Oliver Stiller: Nein. Natürlich haben wir uns vorher überlegt, worüber wir schreiben. Aber mittlerweile kennen wir unsere Saudis so gut, dass wir abwägen konnten, was werden sie vertragen, und was nicht. Über die Dinge, die wir geschrieben haben, reden wir auch mit den Saudis. Sie hören das zwar nicht so gerne, aber es ist die Realität und damit kommen sie auch ganz gut klar.

Wenn Sie an Ihre alte Heimat denken, vermissen Sie etwas?

Sandra Stiller: Was wir ein wenig vermissen ist das öffentliche Leben: Draußen im Café sitzen und beobachten, was los ist..

Oliver Stiller: Ich bin früher gerne zum Fußball gegangen, in den Sportverein oder mit Kumpels in die Eckkneipe. Das geht hier nicht. Aber wir sind sehr viel auf Reisen und unterwegs holen wir das an anderen Orten ausgiebig nach. Im Übrigen können wir auf Regen oder Finanzämter gut verzichten.

Sie leben in einem sogenannten Compound mit anderen Ausländern aus aller Welt zusammen. Findet in diesem Rahmen ein soziales Leben statt?

Sandra Stiller: Ja, wir haben hier ein Restaurant, einen Pool und da trifft man sich schon, unterhält sich, isst zusammen und trinkt eine Cola. Es gibt durchaus ein soziales Leben, allerdings nur innerhalb dieser Wohnanlage. Hier leben Europäer, Amerikaner, Asiaten, es ist eine bunte Mischung. Man lernt viel von anderen Kulturen, was sehr bereichernd ist. Und es verändert auch den Blick auf Deutschland.

Inwiefern?

Oliver Stiller: Es soll jetzt nicht böse klingen, aber wir haben den Eindruck, dass sich Deutschland wichtiger nimmt als es in der Welt gesehen wird. Was in Deutschland vor sich geht, ist uninteressant, jedenfalls für die Menschen, mit denen wir hier sprechen. Es sei denn es geht um Autos oder Fußball.

Frau Stiller, als Frau in Saudi-Arabien müssen Sie einige Einschränkungen in Kauf nehmen. Sie beschreiben das im Buch sehr schön. Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich daran gewöhnt haben?

Sandra Stiller: Es ist eine komplett andere Welt, auf die ich mich einstellen muss, das stimmt. Aber es ist lange nicht so schlimm, wie ich zuvor gedacht habe. Ich wusste ja, was auf mich zukommt und dass es nichts Persönliches ist, sondern es allen Frauen hier so geht. Wenn ich aus dem Haus gehe, ziehe ich meine Abaya (schwarzes, langes Gewand) an. Und dass ich nicht Autofahren darf, ist auch kein Problem. Im Gegenteil: Bei diesem Verkehr hier, bin ich froh darüber. Wichtig ist, dass mein Mann und ich eine gleichberechtigte Beziehung führen.

Oliver Stiller: Ich habe festgestellt, dass Frauen sehr respektvoll behandelt werden. Wenn beispielsweise eine Frau eine viel befahrene Straße überqueren will, halten die Autofahrer sofort an. Bei einem Mann passiert das nicht.

Sandra Stiller: Und zu Hause haben die saudischen Frauen „die Hosen an“, wie man so schön sagt. Insofern gibt es da doch einen gewissen Ausgleich.

Haben Sie denn Kontakt zu saudischen Frauen?

Sandra Stiller: Ja, ich habe einige Frauen kennengelernt. Vor kurzem wurde ich von einer saudischen Bekannten zur Schulabschlussfeier ihre Tochter eingeladen. 50 Frauen versammelten sich in einem abgetrennten Bereich eines noblen Hotels hier in Riad. Ich war die einzige Ausländerin, es war ein spannendes Erlebnis. Sie tanzen, haben schicke Kleider an, und wenn ich mich mit ihnen unterhalte, höre ich keine Klagen. Sie fühlen sich nicht unterdrückt. Ich glaube, in den westlichen Medien wird das Frauenbild sehr verzerrt und vereinfacht dargestellt.

Ausländer werden in Saudi-Arabien nicht integriert. Wie gehen Sie damit um?

Oliver Stiller: Für uns ist es kein Problem, dass wir hier nicht zur sogenannten Gesellschaft gehören. Der Begriff Gesellschaft ist in diesem Land schwierig zu interpretieren, es gibt mehr die Familie als die Gesellschaft, die Familie steht über allem. Und da bleibt man lieber unter sich. Ganz anders ist es im Berufsleben: Die Saudis wissen, dass sie es ohne westliche Berater nicht schaffen. Da kommen sie und fordern Ratschläge ein.

Glauben Sie, dass junge Saudis hoffen, dass sich ihr Land verändert?

Oliver Stiller: Große Veränderungen sind nach unserem Eindruck nicht gewollt. Deshalb ist es auch während des arabischen Frühlings hier so ruhig geblieben. Es geht den Menschen nicht schlecht hier, es ist kein Leidensdruck da. Veränderung braucht Zeit und das sehen die Menschen hier ganz realistisch. Sie nehmen mit, was der Fortschritt bringt.

Ist es absehbar, wann Sie Saudi-Arabien wieder verlassen und nach Deutschland zurückkehren?

Sandra Stiller: Nein. Und wenn wir doch irgendwann einmal umziehen sollten, dann zieht uns eigentlich nichts zurück nach Deutschland. Uns ärgert übrigens auch, was in den deutschen Medien über den Islam und den Terror verbreitet wird.

Oliver Stiller: Wir sind beide Sicherheitsexperten, wir wissen, wie man mit Terror, Attentaten, Amokläufern umgeht. Das haben wir gelernt. Aber wir kennen auch den Islam, die Menschen und ihre Intentionen. Und was in Deutschland berichtet wird, ist teilweise schlicht falsch. Es ist vor allem die Unwissenheit, die sich bemerkbar macht in jedem zweiten Satz. Und die Gleichsetzung von Islam und Terror, tut uns manchmal auch ein bisschen weh. Wir haben ganz andere Erfahrungen gemacht. Man tut den Menschen unrecht und das ärgert uns.

„Nein, Saudi-Arabien ist nicht Dubai“, Persimplex, 202 Seiten, 22,60 Euro

Von Claudia Palma

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