Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Vor 25 Jahren wurden die Gebeine von Friedrich II. nach Potsdam gebracht

Jahrestag Vor 25 Jahren wurden die Gebeine von Friedrich II. nach Potsdam gebracht

Es war eine umstrittene geschichtspolitische Aktion kurz nach der deutschen Wiedervereinigung. Die Särge von Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. und von Friedrich II. wurden aus Baden Württemberg nach Potsdam gebracht. 80 000 Schaulustige demonstrierten am 17. August 1991 für oder gegen die Umbettung. Was hat der Staatsakt gebracht?

Voriger Artikel
Justin Bieber macht die Biege auf Instagram
Nächster Artikel
Filmuni-Absolventin dreht „Hanni & Nanni“

Die republikanische Bundeswehr erbietet dem König die Ehre.

Quelle: dpa

Potsdam. Das Triumphgefühl, die engen Grenzen der DDR überwunden zu haben, war im Sommer 1991 noch frisch. Carsten Linke hielt am Abend des 17. Augusts sein am 13. August geborenes Töchterchen im Arm und spürte ganz andere Blessuren der deutschen Geschichte. Alte Herren mit Krückstöcken und stramme junge Männer aus schlagenden Verbindungen hatten auf den Gründer der Grünen im Bezirk Potsdam eingeprügelt. An dem heißen Augusttag 1991 war Linke einer von knapp tausend Gegendemonstranten, die sich unter die etwa 80 000 Menschen mischten, die in Potsdam die Ankunft der Gebeine Friedrich II. und des Soldatenkönigs feierten.

„Wir hatten gerade unsere Herrscher rausgeschmissen. Und dann befürworten die Menschen so einen Mummenschanz“, rechtfertigt Linke noch heute seinen Protest, dem er und seine Freunde aber eine heitere Note verliehen. Der leichteste unter ihnen saß verkleidet in einem Sarg und warf Konfetti und Bonbons in die Menge. Linke gehörte zu den Sargträgern und rief immer wieder „Macht Platz für den Preußenkönig!“

Ewige Ruhe


Friedrich II. wurde am Ende doch so begraben, wie er es testamentarisch verfügt hatte: „ohne Pomp, ohne Prunk, ohne jede Zeremonie“. Nur Bundeskanzler Kohl und Preußenprinz Lois Ferdinand (1907–1994) waren dabei, als der Zinksarg um Mitternacht in die Sanssouci-Terrasse eingelassen wurde.

Friedrichs Nachfolger Friedrich Wilhelm II. hatte seinen Onkel neben seinem Vater in der Garnisonkirche Potsdam beigesetzt. 1943, im Bombenkrieg, traten die Särge eine Odyssee an. 1952 gelangten sie dann in die Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg.

Etwa 300 Journalisten waren angereist, um das Spektakel in Potsdam zu erleben. Vorangegangen waren erhitzte Debatten. Populärhistoriker wie Guido Knopp oder Christian Graf von Krockow hatten um Verständnis für den Umzug der sterblichen Überreste geworben. Schwergewichte wie Golo Mann oder Ingrid Mittenzwei waren eher dagegen. Sebastian Haffner warnte sogar, hier werde „ein neuer Tag von Potsdam inszeniert“ und stellte damit eine Kontinuität zu dem Staatsakt am 21. März 1933 in der Potsdamer Garnisonkirche her, bei dem sich Hitler als Wahrer des Preußentums inszenierte.

Sämtliche Wunden der deutschen Geschichten rissen noch einmal auf. Und Bundeskanzler Helmut Kohl wollte das gebrochene Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte heilen. Für den CDU-Politiker war der geschichtspolitische Akt Teil einer „geistig-moralische Wende“, die er der Sozialdemokratisierung der Republik entgegensetzen wollte. Damals war noch nicht bekannt, dass auch SED-Chef Erich Honecker 1986 bereits über die Rückführung der Königssärge aus Westdeutschland ins sozialistische Potsdam verhandelt hatte. Auf Honeckers Einladung war der Hohenzollern-Nachfahre Louis Ferdinand deshalb im Herbst 1987 nach Potsdam gekommen.

Im Sommer 1991 ließ sich die größer gewordene Republik nicht lumpen. „Uns störte, dass alle Waffengattungen der Bundeswehr Ehrenwache standen“, sagt Carsten Linke. Das Heeresmusikkorps der Bundeswehr und das Potsdamer Polizeiorchester spielten auf. Die Umbettung lockte 73 Jahre nach Abschaffung der Monarchie viele exotische Gestalten auf den Plan, die sich aus dem Schatten der Geschichte lösten. Monarchisten mit gezwirbelten Bärten, die „Junge Landsmannschaft Ostpreußen“, Anhänger vieler Traditionsverbände. Das Volk führte preußische Flaggen, Reichskriegsflaggen und merkwürdige Standarten mit sich. Und die neusten Ewiggestrigen schwenkten DDR- und FDJ-Fahnen. Auch die Jugendkulturen verschiedener Zeitalter begegneten sich. Punks, Autonome und Hausbesetzer trafen auf Burschenschaftler vieler Couleur. „Für uns war das damals ein Kulturschock“, sagt Linke. „Da waren viele Leute dabei, die nur bedauert haben, dass Deutschland die Weltkriege verloren hat.“

Der Tag blieb aber friedlich. 60 000 Menschen sollen an den beiden Zinksärgen im Ehrenhof von Schloss Sanssouci vorbeidefiliert sein. Und dass die Polizei auch Gegendemonstranten wie Carsten Linke davon nicht abhielt, war ein gutes Signal für die kommenden 25 Jahre.

Von Karim Saab

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?