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Kultur Warum ich gerne harte Kost kaue
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13:20 26.02.2018
Berlinale-Kolumnist Maurice Wojach. Quelle: Maurice Wojach
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Berlin

Wer ständig Salat isst, hat irgendwann Lust auf Pudding. Das Grünzeug entspricht in meinem Fall dem Arthouse-Kino. Die Filme auf der Berlinale sind hart zu knabbern und nichts, das flutscht. Ein paar Beispiele: die Diskriminierung der Roma-Minderheit, der Amoklauf auf der norwegischen Insel Utøya, die Versklavung von Flüchtlingen.

Selbst, wenn die Themen verdaubar sind, können nur wegen der Erzählweise nur wenige die Filme konsumieren. „In Zeiten des Teufels“ von Lav Diaz dauert vier Stunden, die Schauspieler singen die Dialoge, die Bilder sind schwarz-weiß. „Djamilia“ ist ein stumm aufgenommener Super-8-Film, „High Fantasy“ wurde per Smartphone gedreht. Der Zuschauer ist solche Bilder nicht gewöhnt, es ist wie das erste Mal, mit Stäbchen zu essen.

Nach einer Woche, in der ausschließlich Arthouse auf den Tisch kam, habe ich mich auf den neuen Film mit Joaquin Phoenix gefreut. Schon der Titel, „Don’t Worry, He Won’t Get Far On Foot“, ist lustig, zumal es um einen querschnittsgelähmten Comiczeichner im Rollstuhl geht. Der Film ist unterhaltsam, der Schauspieler toll. Und doch war ich am Ende nicht satt.

Mit jeder neuen Szene schlich sich dieses Irgendwas-stimmt-da-nicht-Gefühl stärker ins Bewusstsein. Ich weiß, was es ist: die Unterforderung. Wer Zähne hat, sollte häufiger kauen, und Inhaber von Gehirn und Gefühl sind dringend beraten, beides in Schuss zu halten. Der Film mit Joaquin Phoenix aber liefert zu allen Problemen die Lösung mit. Der Alkoholiker befreit sich, indem er mit anderen redet, von seiner Sucht. Er wird von Sünden erlöst, bittet ausgerechnet den Verursacher des Autounfalls, der ihn in den Rollstuhl zwang, um Verzeihung. Gott kommt auch noch ins Spiel, eine hübsche Schwedin fällt ihm in den Schoß, er verliebt sich. Wird eine Szene besonders traurig, verrät mir das die traurige Musik – der Kinogänger kann sich entspannt zurücklehnen.

Der Film ist wirklich nicht schlecht, er hat tolle Einfälle, aber er stellt mir keine Fragen, gibt mir nichts zum Knabbern. Keine Rätsel, keine Reflexion. Am Ende fühlte ich mich irgendwie abgespeist. Der Hunger war groß – doch es gab nur Nachtisch.

MAZ-Spezial zur Berlinale: www.MAZ-online.de/berlinale

Von Maurice Wojach

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