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So klingt Weihnachten

Musik So klingt Weihnachten

Es ist ja nur Weihnachten. Da kann man schon mal auflegen, was man sonst das ganze Jahr durch verabscheut. Selbst Bach hatte die heilige Nacht nicht so hoch geschätzt. Sein Weihnachtsoratorium hat er kurz hingeschludert. Denn als überzeugter Protestant war für ihn Ostern der wichtigste christliche Feiertag.

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Barock und besinnlich soll es an Weihnachten erklingen.

Quelle: Fotolia

Potsdam. Hätte Johann Sebastian Bach geahnt, was aus seinem „Weihnachtsoratorium“ werden würde, er hätte sich wohl etwas mehr Mühe gegeben. Natürlich ist das wunderbare – nicht wenige Musikfreunde sagen sogar: himmlische – Musik. Aber der Thomaskantor hat sie doch eher eilig zusammengesucht als komponiert. Kaum eine Note darin ist neu entstanden, das Stück besteht fast ausschließlich aus wiederverwerteten älteren Werken. Die Musikwissenschaft hat sich schon vor Jahrzehnten die Mühe gemacht, sämtliche Originalstücke herauszufinden, die Bach für sein heute populärstes Werk mit neuen Texten unterlegt hat. Undenkbar, dass er dieses sogenannte Parodieverfahren in vergleichbarem Umfang für Hauptwerke wie den Passionen angewandt hätte, die dem Protestanten Bach Herzensangelegenheit waren. Aber hier sah er keinen Anlass für den ganz großen Aufwand. Es war schließlich nur Weihnachten.

Zu Bachs Zeiten war das Weihnachtsfest zwar ein kirchliches Hochfest, aber kein gesamtgesellschaftliches Ereignis. Es stand deutlich hinter Karfreitag und Ostern als Höhepunkte des Kirchenjahrs zurück. Darum hat Bach für diese Zeit auch kein geschlossenes Werk komponiert, sondern sechs einzelne Kantaten, die an verschiedenen Tage und unterschiedlichen Orten einzeln aufgeführt wurden. Den jeweiligen Gottesdiensten wurde damit etwas festliches Gepränge gegeben. Die große Erbauungsmusik, die tiefe musikalische Theologie sollte anderen Zeiten vorbehalten bleiben.

Heute hat sich das geändert: Je säkularer die Gesellschaft wird, desto größer erscheint die Bedeutung der Weihnachtszeit. Und ausgerechnet Bachs improvisiertes Oratorium steht beispielhaft für die Popularität, die auch Musik in diesen Tagen hat. Zu keinem Zeitpunkt im Jahr ist die Konzertdichte so hoch wie jetzt.

Der Grundstein dafür wurde im 19. Jahrhundert gelegt, als sich der zentrale Schauplatz des Festes von der Kirche in die gute Stube verlagerte. Das Bürgertum verwandelte profane Wohnräume mit Tannenbaum und Lametta in kleine Festsäle. Musik war dabei ein entscheidender Stimmungsmacher: Die heilige Nacht wurde hier erst als solche erkennbar, wenn man sie auch als „Stille Nacht“ besang. Dieses weltweit wohl populärste Weihnachtslied ist nicht etwa ein uraltes Kirchenlied. Es wurde 1818 zum ersten Mal gesungen.

Lieder machen seither einen zentralen Teil der weihnachtlichen Musik aus. Und so traditionell gerade dieses Repertoire auf den ersten Blick erscheinen mag: Es ist in Bewegung, ständig kommen neue Stücke dazu. Waren es anfangs fast schon vergessene Choräle wie „Es ist ein Ros’ entsprungen“, die im privaten Rahmen eine neue Blüte erlebten, wurde später der direkte kirchliche Bezug immer unwichtiger. „Jingle Bells“ schildert eine Schlittenfahrt, „In der Weihnachtsbäckerei“ das Keksbacken und „Last Christmas“ das traurige Ende einer Liebe. Weihnachtslieder im liturgischen Sinn sind das natürlich nicht. Aber Weihnachtszeitlieder sind sie doch alle: Ihre einfachen, herzerwärmenden Melodien sind nur zu hören, wenn die Tage am dunkelsten sind.

Während die Lieder inzwischen also international sowie genre- und epochenübergreifend sind, beschränkt sich die andere Säule der Weihnachtsmusik auf eine eng begrenzte Periode der Musikgeschichte: auf die Barockzeit. Auch wer im übrigen Jahr kaum mit Klassik in Berührung kommt, schreckt jetzt nicht davor zurück, Bach, Corelli & Co. zu hören. Beide Komponisten haben die musikalischen Prototypen geschaffen, die in verschiedenen Varianten der Zeit zu hören sind. Das „Weihnachtsoratorium“ ist die bekannteste Weiterentwicklung der „Weihnachtshistorie“, in der Heinrich Schütz erstmals die berühmte Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vertont hat. Und Arcangelo Corelli hat mit der achtelbeschwingten Hirtenmusik am Schluss seines Concerto grosso op. 6, Nr. 8 den richtigen Soundtrack für jedes Krippenspiel geliefert.

Lieder und Barockklänge scheinen perfekt den Zustand der Besinnlichkeit zu illustrieren. Manchmal erweisen sie sogar tatsächlich Wirkung: Sie können uns froh und munter stimmen. Und sie können die Hektik bremsen, von der wir uns sonst

Von Stefan Arndt

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