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Kultur Was Marcel Marceau einst bei der Defa drehte
Nachrichten Kultur Was Marcel Marceau einst bei der Defa drehte
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17:15 09.01.2019
Szene aus „Der Mantel" mit Marcel Marceau Quelle: Foto: DEFA-Stiftung/E. W. Fiedler
Potsdam

Als im Mai 2016 Aurélia Marceau, die Tochter des berühmten französischen Pantomimen, bei der Defa-Stimmung vorsprach und sich nach den Filmen erkundigte, die ihr Vater (1923-12007) in Ostberlin gedreht haben soll, war das Erstaunen groß. Niemand erinnerte sich daran. Die Kunsthistorikerin Barbara Barlet, die seit 15 Jahren in den Beständen des Deutschen Bundesarchivs Berlin-Lichterfelde nach verschollenen Filmschätzen sucht, begann mit der Recherche und wurde fündig. Tatsächlich stand der Franzose von Dezember 1951 bis Januar 1952 für drei Kurzfilme im Johannisthaler Defa-Atelier vor der Kamera. Regisseur Wolfgang Schleif war in jener Zeit kaltgestellt und nutzte seine Bekanntschaft mit dem wortlosen Poeten und dessen Gastspiel in der DDR, um Marceaus wichtigste Stücke im prächtigen Agfacolor zu filmen. „Der Mantel“, „Der Sonntagsmaler“ und „Die Kunst der Pantomime“ entstanden, wurden aber nicht in den Kinos gezeigt. Erst auf Druck des Künstlers ließ man sehr wenige Kopien zu. Sechs Jahrzehnte später sind die digital neubearbeiteten Marceau-Filme auf DVD erschienen.

Marion Keller, erste Defa-Regisseurin

Diese Kuriosität ist nachzulesen in dem Magazin „Leuchtkraft“, das die Defa-Stiftung zu ihrem 20. Jubiläum herausgegeben hat. Der Name stammt übrigens von Jochen Kraußers surrealistischem Film „Leuchtkraft der Ziege“ (1987), mit tierischer Hauptdarstellerin, der sehr beliebt ist bei den Mitarbeitern, so Defa-Stiftung-Vorstand Ralf Schenk. Seit zwei Jahrzehnten kümmert sich die in Berlin ansässige Stiftung um die gesamte Kinoproduktion der DDR-Filmstudios, rund 13 500 Filme. Die Digitalisierung dieses filmischen Erbes ist eine ihrer Hauptaufgaben, dazu kommen historische Forschungen, die Organisation von Retrospektiven im In- und Ausland und einiges mehr. Dass es noch viele weiße Flecken in der Defa-Historie gibt, zeigt eine interessante Umfrage im Magazin: Wie steht es etwa mit der Zusammenarbeit der Defa mit dem Ministerium für Staatssicherheit? Wie wurde in den Filmen der Westen dargestellt? Ralf Forster vom Potsdamer Filmmuseum merkt an, dass es bislang noch keine Wirtschaftsgeschichte der Defa gibt. Andere wünschen sich mehr Recherchen zu Dokumentar- und Kinderfilmen sowie eine Untersuchung zur Filmkritik in der DDR.

Eine Entdeckung ist ein Text über die erste Regisseurin der Defa, Marion Keller (1910-1989). Sie ist promovierte Physikerin und 1947 Chefin der Wochenschau-Produktion „Der Augenzeuge“. Das Porträt macht Lust auf den Band über Defa-Regisseurinnen, der zur Berlinale erscheint.

Leuchtkraft. Journal der Defa-Stiftung zum 20. Jubiläum Erhältlich als kostenloser Download unter www.defa-stiftung.de

Von Claudia Palma

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