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„Was habe ich da nur ausgesucht?!“

Cinéma Privé mit Nadja Uhl „Was habe ich da nur ausgesucht?!“

Die Potsdamer Schauspielerin Nadja Uhl präsentiert in der Reihe „Cinéma Privé“ den dänischen, 2011 mit einem Oscar ausgezeichneten Film „In einer besseren Welt“. Am Freitag um 19 Uhr stellt sich Nadja Uhl den Fragen des RBB-Journalisten Knut Elstermann, anschließend wird der Film gezeigt. Der private Blick von Prominenten steht im Vordergrund der Reihe.

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Die Schauspielerin Nadja Uhl ist zu Gast im Potsdamer Filmmuseum und zeigt den dänischen Film „In einer besseren Welt“.

Quelle: DPA

Innenstadt. Der dänische Film „In einer besseren Welt“ erhielt 2011 den Oscar. Es geht um zwei Freunde und deren Eltern – und um die Frage, ob Gewalt oder Rache im Dienste der Gerechtigkeit erlaubt sind.

Frau Uhl, wo haben Sie den Film „In einer besseren Welt“ zum ersten Mal gesehen?

Ich habe ihn, zugegeben, auf DVD geschaut, nicht im Kino. Denn ich erlebe leider diesen Effekt, dass mich Filme oder Bücher, von denen alle sagen: „Musst du kennen!“, erstmal nicht interessieren. Erst habe ich „In einer besseren Welt“ sträflich vernachlässigt, dann habe ich ihn an einem dunklen Winterabend zu Hause gesehen. Es ist ein wunderbarer, seltsamer Film. Ich war so begeistert, dass ich meine damalige Produzentin gebeten habe, den Kameramann zu kontaktieren. Und tatsächlich hat die Zusammenarbeit später bei „Operation Zucker“ geklappt.

Hat „In einer besseren Welt“, diesem mitunter ausweglosen Drama um Gerechtigkeit, Sie entkräftet oder Ihnen Kraft gegeben?

Genau um diese Frage geht es! Neulich dachte ich, mit Blick auf Cinéma Privé, was habe ich da nur für die Menschen ausgesucht? Wir haben mittlerweile strahlenden Sommer, und ich habe in einer spontanen Minute auf dem gefrorenen Heiligen See in Potsdam gedacht: „Lass uns den doch nehmen!“

Was hat Sie an diesem Film so fasziniert?

Ich habe mich immer wieder mit dem Werk beschäftigt. Die Entscheidung sehe ich heute mit gemischten Gefühlen, weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die Themen wie Rache und Gerechtigkeit verdrängen müssen, um nicht in Frust zu versinken. Trotzdem liebe ich diesen Film, er gibt mir Kraft, weil ich sehe: Die dänische Regisseurin Susanne Bier hat eine großartig einfache, mutige Übersetzung für philosophische und menschliche Themen gefunden, die im echten Leben sehr komplex sind – zusammen mit Schauspielern, die zu den besten der Welt gehören.

MAZ verlost 3x2 Tickets für Cinéma Privé

Nadja Uhl , geboren am 23. Mai 1972 in Stralsund, lebt in Potsdam. Sie feierte Erfolge als Schauspielerin u. a. mit „Sommer vorm Balkon“, „Männerherzen“,„Der Turm“und „Timm Thaler“.

Die MAZ verlost 3x2 Tickets für Cinéma Privé am Freitag im Filmmuseum, Beginn um 19 Uhr. Mail an Potsdam-Stadt@MAZ-online.de bis Donnerstag, 22.6.2017, 17 Uhr. Gewinner werden benachrichtigt.

Cinéma Privé wird präsentiert von der MAZ und Radio Eins (RBB).

Tickets auch im Filmmuseum unter Tel. 0331/2 71 81 12 erhältlich.

Was ist für Sie das zentrale Thema des Films?

Unsere Entscheidungen in den Polaritäten des Lebens. Jeder von uns schafft sich seit der Kindheit ein Weltbild, die Umstände, die uns prägen, sind ganz verschieden. Sie liegen zwischen dem Gefühl von Glück und dem Eindruck, benachteiligt zu sein. Ein Leben lang bewegen wir uns zwischen den beiden Polen von Licht und Dunkel und überlegen, wem wir folgen, wem wir glauben und wo wir Kompromisse machen. Bleiben wir uns treu, und wer bin ich überhaupt? Der Film zeigt uns aber auch die Probleme der Globalisierung, vermittelt, warum Menschen manchmal flüchten müssen. Er erzählt es ohne moralischen Zeigefinger. Die Sorgen unseres westlichen Lebens werden dagegengehalten. Die Probleme der Kinder, der Erwachsenen, der Liebenden, der Kriegführenden. In jeder Minute besteht die Gefahr, dass der Film entgleitet und sich übernimmt. Die Kunst besteht darin, dass er souverän und konzentriert die Spur hält, trotz seiner vielen Stränge, denen er nachgeht.

Das Ende ist überraschend positiv.

Ja, der Schluss wirkt einfach, das ist dem Stück in den Kulturteilen vorgeworfen worden. Aber ich muss sagen: Dieser Schluss ist für mich, nach all den komplexen Vorgeschichten, eine Wohltat!

Es gibt Christian, den zentralen Jungen des Films, der eine Bombe baut, um den Vater eines Freundes zu rächen, der sich von einem anderen Vater hat schlagen lassen. Haben Sie klammheimliche Sympathien für den Bombenbauer Christian?

Warum klammheimlich? Hatten Sie keine Sympathie für den kleinen verzweifelten Jungen? Es gibt von Laotse sinngemäß den Spruch: Ich beobachte mich selbst und verstehe die anderen. Dieses Prinzip trifft für den Film zu. Der Vater, der geschlagen wurde, schlägt nicht zurück. Er lässt es geschehen und behält die Ruhe. Das wird großartig gespielt, niemand will etwas erklären, sondern einfach nur zeigen. Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Das ist unglaublich mutig von der Regisseurin, die es in Kauf nimmt, dass man ihren einfachen, schnörkellosen Ansatz doof findet.

Sehen Sie dem Film an, dass er von einer Frau gedreht wurde?

Ich bin nicht unbedingt Feministin, ich liebe Männer, aber ich habe einen starken Fokus auf Frauen- und Kinderrechten. Ich sage jetzt mal etwas Ketzerisches: Im Moment hat nur eine Frau die Kraft, so ein einfaches, ohne Erklärungen unterlegtes Ende in einem Arthaus-Film zu drehen, also einem Film, der zunächst auf die Kunst schaut, nicht auf den Kommerz. Die Männer sind noch auf dem Weg dahin.

Haben Sie eine Schwäche für das dänische Kino, das ja immer wieder mit existenziellen Filmen glänzt?

Ich bin über Umwege dahin gekommen. Beim ersten dänischen Dogma-Film, der auf alles Künstliche verzichtet hat – keine Musik, keine Scheinwerfer, kein Kamerastativ –, hatte ich mich gefragt: Warum hast du dir den angeguckt? Das fing mit den wackeligen Bildern an, ich habe mit der Übelkeit gekämpft. Aber ich liebe die nordische Dunkelheit, auch die nordischen Krimis im Fernsehen.

„Für die Kunst muss man nicht sterben. Sondern leben!“

Es gibt den berühmten, aber umstrittenen dänischen Regisseur Lars von Trier, der mit seinen Schauspielerinnen ruppig umgeht während der Dreharbeit. Würden Sie mit ihm arbeiten?

Es gibt die Auffassung, dass man für die Kunst sterben muss. Ich finde, dass man für die Kunst leben muss. So gesehen würde ich lieber mit Susanne Bier drehen, der Regisseurin von „In einer besseren Welt“.

„In einer besseren Welt“ hat 2011 den Oscar für den besten nicht-englisch-sprachigen Film bekommen. Sie selbst waren 2004 mit dem Film „Die Zwillinge“ für den Oscar nominiert. Mögen Sie den Glamour der Oscarnacht?

Das ist eine zweischneidige Sache. Mir gefällt der Anschein von Makellosigkeit nicht, der auf dem Roten Teppich erweckt wird, denn kein Mensch ist makellos. Doch dann sieht man hinter den Kulissen, wenn man vom Roten Teppich ins Kodak-Theater kommt, so viele Schauspieler, die mit ihrem Können den Film unglaublich bereichern, ihre Aura ist fast körperlich spürbar, die Luft ist zum Schneiden dick. Man muss das Wirtschaftssystem, das Hollywood geschaffen hat, nicht mögen, doch die einzelnen Künstler sind bewundernswert. Und es spricht für die Menschen in Hollywood, dass „In einer besseren Welt“ von diesem System erkannt und ausgezeichnet wurde.

Von Lars Grote

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