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Was machen die vielen Fremden aus der Heimat?

Flüchtlingsdiskussion Was machen die vielen Fremden aus der Heimat?

„Welches Land wollen wir sein? Unter diesem Motto lud die Stiftung Futurzwei schon zum dritten Mal ins Potsdamer Hans-Otto-Theater. Die offene Diskussion erteilt den Ängsten vor Einwanderern eine Absage. Doch wie dachte die öffentliche Runde über Deutsche, die Angst vor „Überfremdung“ haben?

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Wer in Deutschland heimisch werden will, muss viel lernen.

Quelle: foto: dpa

Potsdam. Ist der Heimatbegriff angesichts der fortschreitenden Globalisierung und der Einwanderungsbewegung überholt? Mit dieser Frage ging am Donnerstag die öffentliche Aussprache „Welches Land wollen wir sein?“ in die dritte Runde. Etwa 60 Interessierte waren ins Potsdamer Hans-Otto-Theater gekommen, und viele von ihnen ergriffen auch das Wort.

„Man darf die Flüchtlinge nicht unter Druck setzen und erwarten, dass sie sich gleich anpassen“, sagte die gebürtige Weißrussin Marina Naprushkina in akzentfreiem Deutsch. Seit zwölf Jahren in Deutschland, gründete sie 2013 in Berlin-Moabit eine Flüchtlingsinitiative und konstatierte ihre Erlebnisse in dem Buch „Neue Heimat? Wie Flüchtlinge uns zu besseren Nachbarn machen“. Die Stiftung Futurzwei um den Potsdamer Kulturwissenschaftler Harald Welzer hatte sie deshalb eingeladen. „Heimat sehe ich ganz pragmatisch“, schlug die agile Frau den emotionalen Gehalt der Frage aus.

Der andere Impulsgeber, der Potsdamer Historiker Julius H. Schoeps, provozierte mit einer These, die Widerspruch hervorrief. Die Flüchtlinge sollten besser nicht auf dem Land, sondern in Großstädten oder am Rand von Großstädten angesiedelt werden, fasste Schoeps seine Erfahrungen mit den nach 1990 eingewanderten russischen Juden zusammen. Eine Aktivistin aus Bad Belzig entgegnete ihm, dass ihre Kleinstadt gute Voraussetzungen für die Integration böte. Dabei seien allerdings die 400 Flüchtlinge, die im Ortskern wohnen, deutlich im Vorteil. Die anderen 400 im Gewerbegebiet hätten das Nachsehen.

Ein Potsdamer gestand, dass er 15 Jahre gebraucht habe, bis er die deutsche Hymne mitsingen konnte. Dieses Problem ließ die Schauspielerin Andrea Thelemann für sich nicht gelten. Sie habe sich sofort im bunten Westberlin heimisch gefühlt. Eine gebürtige Kölnerin schlug plötzlich doch noch einen sentimentalen Ton an. Sie vermisse den Geruch der schweren Erde am Rhein. Die Sandböden seien auch schön, aber anders. Um dann zu erklären, was ihr in der brandenburgischen Wahlheimat besonders fehle: „Ich vermisse die vielen Ausländer. In unserem Viertel war ein Flüchtlingsheim, da kamen erst viele Osteuropäer, zuletzt die DDR-Flüchtlinge und in der Schule waren wir eine bunte Truppe. Ich vermisse hier auch den Türken um die Ecke“, sagte sie.

Harald Welzer ermutigte die Anwesenden, die aktuellen Ängste vor Überfremdung nicht allzu ernst zu nehmen. „Untersuchungen haben gezeigt, 15 bis 20 Prozent der Menschen sind in jeder Gesellschaft menschenfeindlich eingestellt.“ Die Mehrheitsgesellschaft käme in den Medien heute weniger vor als jene, die Lügenpresse rufen, kritisierte Welzer.

Von Karim Saab

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