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Was vom Queen-Besuch bleibt

Geschichte Was vom Queen-Besuch bleibt

Ob sich in ein paar Jahren jemand an die Diskussion um ein gewisses "Pferd in Royalblau" erinnern wird? Die britische Presse schrieb amüsiert bis pikiert über das Geschenk, das die Queen von Bundespräsident Joachim Gauck bekam.

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Letztes Winken bevor der Flieger in Celle abhob.

Quelle: Peter Steffen

Berlin. Ein Gemälde, auf dem Prinzessin Lilibet, so ihr Spitzname, ein blaues Pony reitet. Eine "lustige Farbe", fand die Königin - direktere Kritik würde die britische Höflichkeit kaum gestatten.

Aber das blieb eine Randnotiz. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 50 nach dem ersten Staatsbesuch in Deutschland zeigte sich Elizabeth II. überraschend politisch. Und die dreitägige Reise endete mit einem historischen Moment. Zum ersten Mal, mit 89 Jahren, besuchte die Königin mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen ein ehemaliges Konzentrationslager.

Royals und Politiker wissen um die Macht der Bilder. Die Staatsoberhäupter tuckern im sprichwörtlichen "gleichen Boot" durchs Regierungsviertel: Besser lässt sich deutsch-britische Freundschaft kaum illustrieren. Die Schifffahrt mit der Queen und Prinz Philip auf der Bank und dem stehenden Gauck, der den Stadtführer gibt, gehörte zu den schönsten Fotomotiven.

Demonstrativ harmonisch wirkte auch, was vom Treffen mit der Bundeskanzlerin öffentlich wurde. Vom Kanzleramtsbalkon aus beschrieb Angela Merkel dem Besuch auf Englisch, wo einmal die Berliner Mauer stand und wo sie gewohnt hat. Der Regierungssprecher veröffentlichte das Video auf Twitter.

Was die beiden Frauen an Politischem zu besprechen hatten, behielten sie für sich. Recht deutlich wurde die Monarchin später beim Staatsbankett im Schloss Bellevue: "Wir wissen, dass die Spaltung in Europa gefährlich ist und dass wir uns davor in Acht nehmen müssen", warnte sie - und das kam angesichts der geplanten Volksabstimmung über Großbritanniens EU-Mitgliedschaft sehr aktuell daher.

Die Worte fanden in der Presse zu Hause in Großbritannien so großen Widerhall, dass der Palast sich zu einer Stellungnahme genötigt sah: "Die Queen steht wie immer über der Politik und ist, was die EU angeht, politisch neutral", ließ ein Sprecher wissen. Das muss sie der - ungeschriebenen - britischen Verfassung zufolge auch sein.

Zufall dürfte der europapolitische Schlenker nicht gewesen sein, reiste doch Premier David Cameron, der ungewöhnlichweise dabei war in Berlin, am folgenden Tag weiter nach Brüssel, um für seine EU-Reformen zu werben. Eine charmantere Beschwörerin der europäischen Einheit hätte er sich nicht wünschen können. Und ihre Worte werden im Gedächtnis bleiben.

Natürlich war nicht ganz Deutschland und nicht einmal ganz Berlin oder Frankfurt im Royal-Fieber, auch wenn kritische Kommentare die Ausnahme blieben. Gesperrte Straßen ärgerten Autofahrer, Anti-Monarchisten schüttelten über die den Rummel den Kopf, die Frage "Was kostet uns das?" beschäftigte Steuerzahler.

Beantwortet ist sie noch nicht. Die Kosten teilen sich beide Länder, in London wird eine Summe sogar erst in einem Jahr veröffentlicht. In Großbritannien brach während des Deutschland-Besuchs mal wieder die Kostendebatte um die Monarchie los, weil der Buckingham-Palast vor sich hin bröckelt. Vielleicht muss die Queen bald sogar eine Weile ausziehen.

Umsonst sind Nächte im Hotel Adlon natürlich nicht zu haben oder der Einsatz von bis zu 1450 Polizisten allein in Berlin. "Ihren Wagen ohne Zulassung :-) geleiten wir sicher zurück zur Botschaft", twitterte die Berliner Polizei zum Abschluss augenzwinkernd, nachdem der dunkelrote Bentley feierlich durchs Brandenburger Tor gerollt war, und bedankte sich: beim Besuch für "royales Flair", bei den Berlinern für Geduld.

Wer der Queen bei den vielen Gesprächen, Begrüßungen und Reden zusah, bekam Respekt, wie die 89-Jährige das stramme Programm über die vollgepackten Tage samt Abstecher nach Frankfurt am Main meisterte. Auch leicht nostalgische Gefühle schwangen bei den Deutschen mit, als die Königin zum Abschied noch einmal winkte. Es waren nicht Hunderttausende wie beim ersten Staatsbesuch vor 50 Jahren, aber doch viele Tausende, die sie sehen wollten. Jetzt darf auch Enkel William mit seiner Frau Kate und den Kindern mal vorbeikommen.

dpa

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