Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Weissensee-Star Katrin Sass wird 60

Geburtstag am Sonntag Weissensee-Star Katrin Sass wird 60

Die Schauspielerin Katrin Sass ist heilfroh, dass es die DDR nicht mehr gibt. Mit Rollen in „Goodbye Lenin und „Weissensee“ feierte sie nach der Wende überwältigende Erfolge. Aber warum ist die gebürtige Schwerinerin nie wirklich im Westen angekommen?

Voriger Artikel
Nobel-Akademie wirft Bob Dylan Arroganz vor
Nächster Artikel
Was liest Florian David Fitz?

Katrin Sass wird am Sonntag 60 Jahre alt.

Quelle: imago

Berlin. Katrin Sass ist so, wie sie ist. Das über eine Schauspielerin zu sagen, ist nicht unbedingt ein Kompliment, denn die meisten Mimen werden für ihre Einfühlungs- und Verstellungsgabe bewundert. Katrin Sass aber, die am Sonntag ihren 60. Geburtstag feiert, möchte gar nicht über ihren eigenen Schatten springen. Sie hat sich entschlossen, zu ihren widersprüchlichen Gefühlen und zu ihrer Biografie zu stehen.

Sass überkommt eine Wut, wenn sie an das bedrückte Leben in der DDR denkt

Ihr herbes, zartes und zerbrechliches Wesen verlieh Filmfiguren wie der systemnahen Mutter in „Good Bye, Lenin!“ oder der systemkritischen Liedermacherin Dunja Hausmann in „Weissensee“ eine ungewöhnliche Tiefenschärfe und Authentizität. Ihr Naturell und ihr Charakter wurden in der ersten Hälfte ihres Lebens in der DDR geprägt. Die gebürtige Schwerinerin überkommt immer noch eine heilige Wut, wenn sie an das bedrückte Leben im Mauerstaat denkt. Wie sich später herausstellte, wurde sie von ihrer Freundin bespitzelt.

Katrin Sass in Good Bye, Lenin

Katrin Sass in Good Bye, Lenin. Neben ihr: Daniel Brühl.

Quelle: imago stock&people

Schauspielerin gesteht sich ostalgische Gefühle ein

1989 war für Katrin Sass ein Jahr der Befreiung. Sie tickt etwas anders als viele ehemalige Defa-Schauspieler, die geschehenes Unrecht auch gern einmal relativieren. Dabei gesteht sich Katrin Sass auch sentimentale und ostalgische Gefühle ein, wenn von der DDR die Rede ist. Pathetische Ohrwürmer wie das Pionierlied „Unsere Heimat“ oder wehmütige Kunstlieder von Holger Biege, Veronika Fischer oder der Gruppe Lift kreiseln immer noch in ihrem Kopf. Da hilft nur eines: Nicht so zu tun, als wäre man schon ein Wessi. Obwohl sie natürlich weiß, dass sie im heutigen Business auch ihre Haut zu Markte tragen muss, um gutes Geld zu verdienen. Sie nimmt es, um Bäume auf ihr Wassergrundstück am Berliner Müggelsee zu pflanzen.

Katrin Sass lebt gegen viele dunkle Kräfte an. Eine Marter der Selbstzerstörung bestimmte viele Jahre ihr Leben. Als Tag einer zweiten Geburt nennt die Schauspielerin den 22. Juli 1998. Damals entschied sie sich für ein Leben ohne Alkohol. „Der Arzt fragte mich: Wollen Sie weiter trinken oder weiter leben?“, schreibt sie in ihrer Autobiografie mit dem Titel „Das Glück wird niemals alt“. Zu ihrer Entscheidung sagt sie heute: „Ich habe mich für das Leben entschieden“. Es sei aber ein harter Weg.

Nach der Wende spielte sie eine Kommissarin im „Polizeiruf 110“

Ihr Bühnendebüt gab Katrin Sass am Staatstheater Schwerin. Regisseur Heiner Carow entdeckte die 21-Jährige für die Hauptrolle in dem DDR-Film „Bis dass der Tod euch scheidet“ (1978). 1982 folgte „Bürgschaft für ein Jahr“. Der Film brachte ihr bei der Berlinale einen „Silbernen Bären“ als beste Schauspielerin ein. Nach der Wende spielte sie dann die Kommissarin Tanja Voigt im „Polizeiruf 110“. Als ihre Alkoholsucht immer offensichtlicher wurde, wollten Regisseure nicht mehr mit ihr arbeiten. 2001 bot ihr dann Regisseur Michael Klier die Hauptrolle in „Heidi M.“ an. Dafür erhielt sie den Deutschen Filmpreis.

Sass als Kommissarin Voigt, neben ihr

Sass als Kommissarin Voigt, neben ihr: Dirk Schoeden.

Quelle: imago stock&people

In Talkshows verweigert Katrin Sass die nette Miene zum bösen Spiel. Legendär ihr Auftritt 2011 in der Talkshow „Markus Lanz“. Sehr emotional zog sie gegen das RTL-Dschungelcamp zu Felde.

Im Juni letzten Jahres wagte sich die Filmschauspielerin mit einem eigenen Liederprogramm in die „Bar jeder Vernunft“. Bei dem Solo in Berlin-Charlottenburg kam es zum Offenbarungseid. Ihr Auftritt machte deutlich, dass sie dem gehobenen westlichen Amüsierbetrieb nicht gewachsen ist. Zur Begrüßung versuchte sie eine kecke Diseuse zu mimen, doch das Spiel mit der Maske wollte ihr einfach nicht gelingen. Katrin Sass musste einsehen, dass sie ist, wie sie ist. Mit tiefer, dunkler Stimme – unverstellt – coverte sie die Lieder ihres Lebens. Wenn sie singt, schwingen Traurigkeit, Schmerz und Bitterkeit mit. Auch wenn sie lacht.

Von Karim Saab

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?