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Weltraumauge hat Wald im Visier

Unterwegs im All Weltraumauge hat Wald im Visier

Die europäische Weltraummission zum Kometen „Tschuri“ steht vor dem Abschluss. Nur ein Abschiedsfoto des Landers „Philae“ soll noch entstehen. Mit der Kameratechnik der Sonde wird der Forst in Brandenburg auf sich bildende Waldbrände hin überwacht.

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Vor mehr als einem Jahr landete die Sonde „Philae“ auf dem Kometen.

Quelle: DLR

Potsdam. Der letzte Gruß wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits übermittelt. Ein wehmütiges „Time to say goodbye“ schickten die Wissenschaftler kürzlich an die von ihnen mit zahlreichen Geräten bestückte Landesonde „Philae“ auf dem 227 Millionen Kilometer entfernten Kometen „Tschuri“. Hoffnung auf Antwort vom bald 600mal so weit wie der Mond von der Erde entlegenen Brocken wird nicht mehr gehegt. Aber ein Abschiedsbild wünschen sich die Forscher noch. Das soll die weiter aktive Muttersonde „Rosetta“ bei guter Sicht in den kommenden Tagen von dem Mini-Labor machen.

Vor mehr als einem Jahr war der waschmaschinengroße Lander abgesetzt worden. Philae setzte nach mehreren Hopsern letztlich im Schatten auf – abgeschnitten von einer dauerhaften Energieversorgung. Dennoch hat er in Zeiten mit genügend Strom umfangreiche Datenpakete seiner Untersuchungen und Fotodokumente mit Rosetta als Zwischenstation an die Erde übermittelt. Zu analysieren gab es genug: Schließlich handelte es sich bei dem historischen Ereignis um die erstmalige Landung einer von Menschen gebauten Sonde auf einem noch dazu ziemlich instabilen Kometen überhaupt.

Spektakuläre Kosmosmission

Die Kameratechnologie, die bei der spektakulären Kosmosmission der europäischen Weltraumagentur Esa zu dem seit Hunderten Millionen Jahren auf seiner ellipsenförmigen Bahn durch das Sonnensystem reisenden Tschuri verwendet wurde, ist ohnehin das Spezialgebiet des DLR beim Kometen-Einsatz. An der Aufnahmetechnik Osiris der Sonde Rosetta hat das zum DLR gehörende Institut für Planetenforschung mitgewirkt und der hochauflösende Schwarz-Weiß-Sensor Rolis an Bord von Philae stammt komplett aus den Laboren in Berlin.

Auch in Brandenburg wird derzeit Anteil genommen am weiteren Schicksal des Landers. „Die Mission ist ein Musterbeispiel von Wissenstransfer in die Anwendung“, weiß Raimund Engel, Waldschutzbeauftragter des Landes Brandenburg. Ziemlich genau zwölf Jahre nach dem Start von Rosetta auf ihrem langen Weg zu Tschuri im März 2004 und der Entwicklung der Geräte im Vorfeld ist die Technologie heute auf dem Globus und sogar auf dem Mars vielfach Alltag. Für die Nasa-Mission Pathfinder war die Berliner Entwicklung auf dem roten Planeten lange Zeit im Einsatz.

Ein Novum in der Raumfahrt

Die Rosetta-Mission gilt als völliges Novum in der Raumfahrtgeschichte. Weltweit wurde die enorme Leistung bewundert, eine Raumsonde über vier Milliarden Kilometer mit viermaligen Schwung holen durch die Nutzung der Zentrifugalkraft zu einem kleinen Kometen zu steuern. Sie über Jahre in dessen Umlaufbahn zu halten, um dann schließlich auch noch dort zu landen, setzte dem noch die Krone auf.

Während
auf Tschury wurden erstmals bei Kometen organische Moleküle nachgewiesen. Dies gab den Forschern neue Hinweise auf die Entstehungsgeschichte der Erde und des Sonnensystems. Die entdeckten Eigenschaften, wie die Zerklüftung durch Poren und das Vorkommen organischer Stoffverbindungen, zeigen, dass sich Kometen als Zeitzeugen der Planetenentstehung eignen.

Die unerwartet vielfältigen
der Oberfläche wiederum bestätigen Rückschlüsse auf die Entstehungsgeschichte des Kometen. So dürfte die ungewöhnlich weiche Oberfläche an manchen Stellen durch eine Art Staubregen zustande gekommen sein, der offenbar vom Verdampfen von Wassereis herrührt und die Existenz dieser Lebengrundlage auf Tschury zeigt.

108 Rolis-Sensoren – quasi Geschwister der Spezialkamera an Bord von Philae – verrichten aber auch bereits seit Jahren ihren Dienst im Brandenburger Forst. Sie schlagen bei der kleinsten Feuerentwicklung Alarm. Jedes System, montiert auf einem Feuerwachturm oder Mobilfunkmast, überwacht eine Fläche von bis zu 70 000 Hektar. Die Sensoren erkennen die typischen Grauwerte einer Rauchwolke in der Frühphase eines Waldbrandes. Die installierte Software Fire Watch eruiert automatisch eine kritische Situation und sendet online über eine Breitband-Anbindung Alarm an die nächste Waldbrandzentrale. Dort überprüfen Forstmitarbeiter die Lage, bevor die Meldung an die Leitstellen der Feuerwehren weitergeleitet wird. Die in sechs Minuten sich einmal um die eigene Achse drehenden Kameras beobachten den ganz Tag über den Wald. Bei einem Radius von bis zu 20 Kilometern jeder einzelnen können mehr als 700 Quadratkilometer überwacht werden. In sechs Waldbrandzentralen werden die übertragenen Bilder ausgewertet.

„Das ist ein Weltmarktprodukt geworden“, weiß Engel. Ähnliche Brandschutztechnik nach Philae-Muster wird unter dem Namen „Fire-Watch“ durch die Berliner Firma IQ Wireless vermarktet. Sie ist bereits in mehr als zehn Staaten in und außerhalb Europas im Einsatz. Die hochauflösende Technologie, die durch die exakte Unterscheidung aller möglichen Graustufen jeden Brandherd ausmacht, vermag auch auf Tschuri die für die Forschung völlig Neuland bedeutenden Bodenverhältnisse genau zu analysieren. Wo normale Kameras gut 250 Graustufen selektieren können, bringt es Rolis auf 16 000.

„Wir konnten zum Teil Wüstenboden und Dünen ausmachen“, berichtet DLR-Projektleiter Ekkehard Kührt von den Rolis-Beobachtungen. An einigen Stellen ist die Tschuri-Oberfläche offenbar weich wie Neuschnee an anderen Stellen wieder hart wie ein Brett. Mehrere organische Moleküle konnten bereits nachgewiesen werden.

Der geplante Abschiedsschnappschuss von Philae dürfte definitiv der letzte sein. Tschuri entfernt sich immer weiter und setzt seine sechs Jahre dauernde Reise um die Sonne fort. Im September wird die Rosetta-Mission dann mit dem Niedergang der Muttersonde auf den Kometen beendet.

Von Gerald Dietz

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