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Kultur Weltstar Armin Mueller-Stahl wird 85
Nachrichten Kultur Weltstar Armin Mueller-Stahl wird 85
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02:15 19.12.2015
Maler, Musiker und Mime: Armin Mueller-Stahl vor einigen seiner Arbeiten im Kunsthaus Lübeck. Quelle: Olaf Malzahn, Bavaria
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Potsdam

Vom Defa-Schauspieler zum Hollywoodstar: Armin Mueller-Stahl blickt anlässlich seines 85. Geburtstages auf seinen Lebensweg zurück, aber äußert sich auch zur Flüchtlingskrise. Im Interview erklärt er, was diese zurzeit mit seinen Bildern zu tun hat.

Sie sind ein Mensch mit vielen Talenten, alle Welt bewundert Sie. Wer sind Ihre Kritiker?

Armin Mueller-Stahl: Zunächst ich selbst, natürlich meine Frau und auch mein Sohn. Christian ist ein begabter Regisseur. Er sieht die Dinge wie ich früher. Manchmal sagt er spontan: Das gefällt mir nicht. Und er hat Recht. Dieser Austausch ist ein Geschenk.

Wenn Sie rückblickend nochmals etwas an Ihrem Schaffen verändern würden, was wäre das?

Mueller-Stahl: Ich würde die Schauspielerei nicht so weit nach oben setzen in der Priorität, sondern die Malerei und Musik an erster und zweiter Stelle sehen.

Sie sind selbst zweifach in Ihrem Leben geflüchtet. Im Krieg und dann 1980 aus der DDR nach Westdeutschland. Was denken Sie über die aktuelle Flüchtlingskrise?

Mueller-Stahl: Ich hoffe, dass die Merkel, die ich sehr schätze, die Krise bewältigt. Was mir Sorge bereitet, ist der Rechtsruck in Polen, die Bewegung anderer Länder zur Nationalstaatlichkeit und die Egoismen vieler Regierungschefs. Ich habe vor einigen Jahren ein Bild gemalt, das ich meinem Sohn geschenkt habe. Der Titel lautet „Als Europa zu Bruch ging“. Dieses Szenario schwebt über uns. Wir sind umzingelt von Krieg.

Das Multitalent

Geboren am 17. Dezember 1930 in Tilsit, dem heutigen russischen Sowetsk, aufgewachsen in Königsberg, kam Armin Mueller-Stahl in die DDR und machte zuerst eine Ausbildung zum Konzertgeiger und Musiklehrer.

Nach dem Schauspielstudium stand er 1952 im Berliner Ensemble erstmals auf der Bühne. Armin Mueller-Stahl lebt in Sierksdorf (Schleswig-Holstein), wenn er sich nicht gerade in Kalifornien aufhält.

Der Schauspieler, der in der DDR, in der Bundesrepublik und in Hollywood erfolgreich vor der Kamera stand, begreift sich heute vor allem als Maler und Musiker.

Das Land Schleswig-Holstein richtet seinem Ehrenbürger Armin Mueller-Stahl am Donnerstag eine Feier in der Berliner Landesvertretung aus. Schauspielerin Iris Berben, Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wirken am Programm mit. Eingeladen sind zudem Mueller-Stahls Musikerkollegen Günther Fischer, Tobias Morgenstern und Tom Götze.

Welche Hoffnungen haben Sie?

Mueller-Stahl: Dass auch die nächsten Generationen in Deutschland in Frieden leben können.

Wie wichtig ist die Vergangenheit für die Zukunft?

Mueller-Stahl: Ich möchte Ihnen dazu ein Bild malen. Wenn beide Füße nebeneinander stehen, kann ich nicht gehen. Das eine Bein ist hinten, das andere vorn, Vergangenheit und Zukunft – so geht man.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Mueller-Stahl: Ich male, Flucht und Abschied sind meine Themen.

Wie entsteht ein Bild?

Mueller-Stahl: Oft spontan. Die kreativen Impulse ergeben sich im Angesicht der Staffelei.

Die Musik ist eine weitere Ihrer Leidenschaften. Speziell die Geige.

Mueller-Stahl: Ich habe mit sechs Jahren begonnen zu spielen. Dann kam der Krieg dazwischen. Zur Meisterklasse hat es nicht mehr gereicht. Aber sie ist meine Gefährtin.

Ihre Frau Gabi soll gesagt haben, dass Sie im Leben Abenteuer versprechen.

Mueller-Stahl: Das Abenteuer spielte bei uns immer eine Rolle. Wie etwa, als ich mit 60 Jahren den schauspielerischen Neustart in Hollywood mit ihr wagte, wohlgemerkt ohne Englischkenntnisse.

Sie sollen auch einmal gesagt haben, dass Sie vor lauter Leistungsdruck im Westen durchs Leben gehetzt sind. Hetzen Sie noch?

Mueller-Stahl: Nein, das ist vorbei. Nur manchmal noch werde ich gehetzt, aber nicht ohne Gegenwehr.

Ihr zweiter Nachname Stahl war Ihnen lange ein Rätsel. Immer noch?

Mueller-Stahl: Das ist ein ungelöstes Geheimnis. Mein Vater kam sich wohl sehr klein vor. Er wollte sogar Burghausen im Namen haben. Denn es gab in der Familie viele Adlige. Das hätte womöglich wichtiger geklungen. Mein Vater aber hatte auch Sinn für Humor. Es ist nur eine Vermutung, aber vielleicht Stahl, weil meine Kinderaugen stahlblau waren.

Ihr Vater wollte auch Schauspieler werden, richtig?

Mueller-Stahl: Ja, er hatte Träume. Ich musste zuletzt bei der Trauerfeier von Helmut Schmidt wieder an ihn denken.

Erzählen Sie.

Mueller-Stahl: Bei der Trauerfeier wurde das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ gespielt. Wir haben dieses Lied mit der Familie gesungen, als mein Vater in den Krieg zog. Er ahnte wohl, dass es ein Abschied für immer sein würde. Dieses Lied begleitet mich.

Was verbindet Sie noch mit Altkanzler Schmidt?

Mueller-Stahl: Er war ein Gaukler. Ein Schauspieler. Schmidt konnte wunderbar Pausen setzen. Ich habe an ihm seine Menschlichkeit geschätzt, die Art, wie er mutig Probleme löste. Das können nur wenige.

Interview: Peter Mantik

Von Peter Mantik

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