Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Weltweite Trauer nach Tod von Elie Wiesel
Nachrichten Kultur Weltweite Trauer nach Tod von Elie Wiesel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:42 03.07.2016
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Quelle: Daniel Bockwoldt
Anzeige
Tel Aviv/New York

Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist tot. Er sei im Alter von 87 Jahren in den USA gestorben, berichteten israelische Medien und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Samstagabend.

Wiesels Sohn Elisha bestätigte den Tod seines Vaters, wie der US-Radiosender NPR meldete. Nach Informationen der "New York Times" starb der Schriftsteller in seinem Haus in Manhattan. Über die Todesursache wurde zunächst nichts bekannt. 

Sein Tod löste nicht nur in Israel und der jüdischen Weltgemeinde große Trauer aus. Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Seine Eltern und seine jüngste Schwester waren von den Nationalsozialisten getötet worden. Über Jahrzehnte hinweg hatte sich der in New York lebende Schriftsteller ("Die Nacht", "Jude heute") für die Erinnerung an den Holocaust eingesetzt.

Nach 1945 kam Wiesel über Straßburg nach Paris. Dort studierte er an der Sorbonne Philosophie und Literatur und arbeitete später als Journalist. Zum Schreiben fand Wiesel durch die Begegnung mit dem französischen Dichter François Mauriac. 1956 wechselte er als UN-Berichterstatter nach New York. Später bekam er eine Professur für Literatur, Philosophie und Judaismus am New Yorker City College. 1986 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erinnerte an die außergewöhnliche Persönlichkeit des 87-Jährigen. "Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel", sagte Netanjahu. "Der Wortkünstler Elie hat mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert."

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin ehrte Wiesel als Kämpfer gegen jegliche Form von Hass. "Elie Wiesel verkörperte die Entschlossenheit des menschlichen Geistes, die dunkelsten Teufel zu bezwingen und allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben", sagte Rivlin.

US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel als "eine der großen moralischen Simmen unserer Zeit" und "Gewissen der Welt". Wiesel sei nicht nur einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden gewesen, hieß es in einer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung des Präsidenten. "Er war ein lebendes Denkmal."

In einem Kondolenzschreiben an die Witwe Wiesels sprach Bundespräsident Joachim Gauck von einem großen Verlust. "Wir haben einen großartigen Menschen und außerordentlichen Gelehrten und Schriftsteller verloren", schrieb Gauck in dem vom Bundespräsidialamt in der Nacht zum Sonntag verbreiteten Schreiben. Wiesel habe es verstanden, "als Zeitzeuge die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen".

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Mit Elie Wiesel geht nicht nur ein großer Autor, Philanthrop und Gelehrter von uns, sondern vor allem ein unermüdlicher Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt", erklärte der SPD-Politiker in Berlin.

Melinda Gates, die zusammen mit ihrem Mann, Microsoft-Gründer Bill Gates, eine Stiftung zur Bekämpfung von Armut und Krankheiten betreibt, bekundete auf Twitter ihre "tiefe Trauer". Wiesel habe in den dunkelsten Zeiten seinen Optimismus bewahrt und andere dazu gebracht "das Schöne in der Menschlichkeit" zu sehen. 

Das Internationale Auschwitz-Komitee bezeichnete den Auschwitz-Überlebenden als "Lehrer der Menschheit". "Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren", sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation, in Oswiecim.

Der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres erinnerte an Wiesel als Menschen, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. "Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocausts."

Der jüdische Weltkongress zeigte sich bestürzt über den Tod Wiesels. "Elie Wiesel war einer der großen jüdischen Lehrer und Denker der vergangenen 100 Jahre", sagte Präsident Ronald S. Lauder in Brüssel. "Er lehrte uns über das Judentum, über Israel und darüber, nicht stumm zu sein im Angesicht von Ungerechtigkeit."

Der Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, bezeichnete Wiesel als jemanden, der die Welt verändert habe. Der Leiter der Jewish Agency, die für Zuwanderung nach Israel zuständig ist, Nathan Scharanski, und seine Frau Avital teilten in der Nacht zu Sonntag mit: "Elie Wiesel war der gemeinsame moralische Kompass der jüdischen Menschen. (...) Wir werden ihn sehr vermissen."

dpa

Elie Wiesel hat die Grauen der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt. Als Menschenrechtsaktivist kämpfte er gegen Unterdrückung. Nun ist der Autor und Friedensnobelpreisträger gestorben.

02.07.2016

Mit Erzählungen über betrunkene Bäume, ein Ei mit Eigenleben und eine rassistische Hotelbesitzerin ist das Wettlesen um den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis zu Ende gegangen.

02.07.2016

Yves Bonnefoy erkundete die Psyche und die Gedankenwelt von Menschen. Nun starb der französische Dichter, einer der bedeutendsten Lyriker der Nachkriegszeit. Als "Zauberer des Wortes" würdigt ihn Frankreichs Staatschef.

02.07.2016
Anzeige