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18:37 17.05.2017
Die kanadische Compagnie Marie Chouinard hat am Dienstag den Garten Eden, das Paradies und die Hölle nach einem Bild von Hieronymus Bosch inszeniert. Quelle: Tanztage
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Schiffbauergasse

Ein Gemälde, dessen Story auf der Bühne nacherzählt wird, ist ein Kunstgriff, der präzise hier, im Hans-Otto-Theater, kürzlich gescheitert ist. Das HOT feierte seine Uraufführung von „Abend über Potsdam“, einem Stück über das Potsdam-Bild von Lotte Laserstein (entstanden 1930), exakt auf jener Bühne im Neuen Theater, wo an diesem Dienstag die Potsdamer Tanztage eröffnet wurden. Der „Abend über Potsdam“ blieb als Stück blass. Die Tanztage zeigten nun mit „Hieronymus Bosch: Der Garten der Lüste“ die Geschichte eines anderen Gemäldes, Boschs Dreiklang zu den Themen Hölle, Paradies und Garten Eden.

Die kanadische Compagnie Marie Chouinard bedient bei Bosch ein anderes Genre als das HOT, sie zeigt Tanz. Das ist, wenn man sich an die Übersetzung eines Bildes macht, die leichtere Disziplin als das Sprechtheater, wo neben der visuellen Ebene auch das intellektuelle Momentum des Bildes eingefangen werden muss – eine heikle Übung.

Marie Chouinard hat überzeugt mit ihrem Team, was einerseits kein Wunder ist, weil in dem Bild von Bosch, das 1502/03 entstand, ein überreiches Arsenal an Themen steckt. Man muss nur seine Hand in diesen übervollen Teich halten, schon fischt man endlos Skizzen, Figuren und Allegorien. Ein Schwein im Nonnenkleid. Ein kopulierender Teufel. Eine Erdbeere, die das Ausmaß einer Doppelgarage hat.

Programm der Potsdamer Tanztage

Ali Chahrour aus Beirut: „May He Rise And Smell The Fragrance“, 18. Mai, 19.45 Uhr, fabrik. Mit dieser Arbeit zeigt Chahrour die Themen Männlichkeit und Trauer.

Yasmine Hugonnet aus Lausanne: „Le Récital Des Postures“, 18., 19. Mai, 21 Uhr, T-Werk. Die Solokünstlerin entwickelt mit kraftvollen Posen eine Intensität, die die Stille erfüllt und die Fantasie beflügelt.

Thiago Granato aus Berlin: „Treasured In The Dark“, 20. Mai (21 Uhr) und 21. Mai (19 Uhr), T-Werk. In diesem ersten Teil einer Trilogie ruft Granato die Geister zweier verstorbener Choreografen in einer spirituellen Séance an.

Guy Nader & Maria Campos aus Beirut und Barcelona: „Time Takes The Time Time Takes“, 19., 20. Mai, 19.30 Uhr, fabrik. Wie ein Perpetuum Mobile tanzen die Künstler – einmal in Gang gesetzt, hören sie nicht mehr auf.

Fréderick Gravel aus Montréal: „The Duet That We’ve Already Done“, 23. Mai (20 Uhr) und 24. Mai (20.30 Uhr), fabrik. Impulsiver und unverstellter Tanz.

Gesamtprogramm unter www.potsdamer-tanztage.de . Tickets unter 0331/2840284.

Zehn Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne, nackt bis auf die knappe Unterhose und mit leichtem Schutz über den Knien – mitunter rumpeln sie über die Bühne wie die Holzfiguren, ahmen deren ungelenke Schritte nach, dann wieder geht es von der Hand, als stecke ein präzises, frisch geöltes Uhrwerk in den Körpern. Eine betörende Genauigkeit vermittelt das Ensemble, man spürt sie dann, wenn sie zu Gruppenbildern greifen. Das fein gearbeitete Stück beschränkt sich nicht darauf, Boschs Szenen schlicht zu imitieren. Zur Musik, die von Louis Dufort stammt und nach hochgestimmten, heulenden Mönchen klingt, glückt 75 Minuten lang ein athletischer Ritt zwischen der Derbheit des ausgehenden Mittelalters und dem freudigen Blick auf die Neuzeit, die sich bei Hieronymus Bosch ankündigt.

Sven Till, Leiter der Tanztage, hat die 27. Auflage des Festivals mit einem Kompliment an Kanada eröffnet, das zum 150. Geburtstag der Staatsgründung im Mittelpunkt der Potsdamer Aufführungen steht: „Vor 21 Jahren hatten wir zum ersten Mal Kanadier zu Gast, wir waren begeistert vom Produktionsniveau, der Neugier und der Offenheit unserer Gäste.“ Höchste Zeit, die Nation nun ins Zentrum zu rücken.

In drei Akten buchstabiert die Compagnie Marie Chouinard die grundverschiedenen Temperamente des Bildes durch, im Paradies zwitschern die Vögel, Meerjungfrauen und Seeteufel halten Ausschau nach Vergnügen, das gerne körperlich und sinnlich werden darf – Tierchen und Früchte stehen als Metapher für den Sex.

Die Hölle flüchtet sich ins filigran sortierte, vollendet inszenierte Chaos, der stärkste Auftritt des Ensembles. Ein Wimmelbild: Hinten rutscht eine Frau die Leiter hinab, die Musik legt nahe, dass ihre Knochen brechen, flink wie die Töne auf der Klaviatur – bevor am Ende wieder Ruhe eingekehrt, die statisch wirkt. Und so dem grundlegenden Zustand eines Bildes gleicht. Der Kreis schließt sich. Guter Auftakt der Tanztage!

Von Lars Grote

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