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Wenn die wilden Schwäne fortziehen

MAZ-Konzerttipp Wenn die wilden Schwäne fortziehen

Volkslied kann jeder? Schön wär‘s. Das Trio Rosenrot aus Berlin jedenfalls hat seinen ganz eigenen Spiel-Raum dafür gefunden. Zwischen Jazz, Improvisation und weltmusikalischen Elementen findet es seinen erfrischend neuen Ansatz für die alten Lieder. Am Donnerstag stellen die drei ihr jüngstes Album „Es fiel ein Reif“ vor.

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Feinsinniger wie mutiger Umgang mit den Quellen: das Trio Rosenrot.

Quelle: Stefan Otto

Potsdam. Mehr als 200 Jahre ist es her, dass Clemens Brentano und Achim von Arnim „Des Knaben Wunderhorn“ ausschütteten: In drei Bänden trugen die Romantiker Volkslieder zusammen. Und stritten bald darüber, wie viele Texte noch die Nähe mündlicher Überlieferung atmeten oder ob sie zu sehr der poetischen Bearbeitung unterworfen wurden. Gleichwohl: Herrn Goethe gefiel die Kollektion gar sehr. Er empfahl sie uneingeschränkt für „jede Küche des einfachen Volkes“ und für jedes Klavier der „Gelehrten“.

Musikalische Annäherungen an Volkslieder hat es immer wieder gegeben. Die Versuche hören zum Glück bis heute nicht auf. Wie bei Zupfgeigenhansel. Erich Schmeckenbecher und Thomas Friz machten sich einst auf den Weg und entdeckten deutsche Volkslieder mit freiheitlichem Charakter wieder. Statteten sie neu aus – teilweise mit eigenen Melodien. Wie bei Bobo und Herzfeld. Auf der Platte „Liederseelen“ spürten sie unlängst dem Gehalt der Dichtung aus Klassik und Romantik nach. Oder wie unlängst das Trio Rosenrot.

Haben ihre Sicht auf alte Weisen

Haben ihre Sicht auf alte Weisen.

Quelle: Wolfgang Frank

Die Sopranistin Dana Hoffmann, der Gitarrist Hub Hildenbrand und der Drummer Denis Stilke haben sich verbündet, um auf „Es fiel ein Reif“ ihre Versionen vorzustellen. Aber ja, es werden viele Vögelein besungen und Blumen und schöne Maiden ringsum. Wenn beispielsweise die fünf wilden Schwäne fortziehen, dann in die Fremde aus der sie nie zurückkehren. Und so verliert sich mitunter auch die Musik. Das Trio pflegt allerdings nicht nur Lieder von hier oder von Storm, Goethe oder Heine, dem sogar noch etwas „angedichtet“ wird: Die drei nehmen sich viel heraus. So die Freiheit, umherzuschweifen und ein jiddisches Wiegenlied anzustimmen.

Oder erst die spielerisch souveräne Gestaltung der Stücke, die lautmalerisch daherkommt, als instrumentales Echo der Sängerin, als dramatischer Rahmen, der die Texte stützt oder weitet, ironisiert oder pointiert. Niemals gerät das Ganze seicht oder brav. Vielmehr überzeugt der nuancenreiche Gestus. Den braucht es, um die alten Lieder – ob nun Volksweise oder zum Dichterwort komponiert – vital zu halten. Die jüngsten Aufnahmen des Trios Rosenrot, angesiedelt im Feld von Jazz, Weltmusik und Improvisation, sind dreierlei: belebend, voller Erinnerungen und ein nächster Schritt.

Als besondere Gäste für diesen besonderen Abend hat das Trio sich Verstärkung gesichert: Mit den „Primanern“ gibt es eine weitere Kehre im Umgang mit Volksmusik. Der Chor wird für weitere Farbenpracht sorgen.

Konzert: Das Trio Rosenrot spielt am Donnerstag, dem 12. Oktober, um 20 Uhr in der Wabe in Berlin-Prenzlauer Berg.

Von Ralf Thürsam

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