Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Wenn es die Beatles noch geben würde, klängen sie wie Wilco

Konzert im Berliner Tempodrom Wenn es die Beatles noch geben würde, klängen sie wie Wilco

Die amerikanische Band Wilco um Sänger Jeff Tweedy spielte am Montag im Berliner Tempodrom – wieder haben sie den Auftritt in eine Andacht verwandelt, selten zeigt sich ein Publikum im Pop so konzentriert wie bei den Musikern aus Chicago. Wer die Augen schließt, kann glauben, hier spielen die Beatles der Neuzeit.

Voriger Artikel
Sein Werk ist fast vergessen, aber die Person bleibt interessant
Nächster Artikel
Die Sängerin Etta Cameron und die DDR

Wilco-Sänger Jeff Tweedy im Tempodrom.

Quelle: POP-EYE

Berlin. Jeff Tweedy, Chef von Wilco, steht auf der Bühne wie ein leicht verlebter Weinhändler. Ringelhemd, heller Hut, Jeansjacke und Vollbart. Dazu die Lesebrille. Seine kleine Wampe zeugt vom guten Leben. Tweedy gilt als Griesgram, Montagabend im Berliner Tempodrom jedoch zeigt er sich aufgeräumt wie selten. Lobt den Drummer, lobt das Publikum, das von den Stühlen aufsteht, um sich vor die Bühne zu drängen. Er macht sich lustig über Trump, und bittet die Leute, diesen kleinen Slapstick rauszuschneiden aus den Handy-Videos.

Jeder Ton sitzt wie eine Punktlandung

Wilco spielen zwei Stunden, erneut mit einer Präzision, die man nach Klassik-Maßstäben bewerten kann. Jeder Ton sitzt, auch komplexen Gewittern gelingt die Punktlandung. Wenn die Beatles noch leben würden, klängen sie wie Wilco. Die Band aus Chicago hat die Experimente der 60er mit gut geschmierter Elektronik angereichert, auch wenn die beiden letzten Alben wieder sehr akustisch geprägt sind. Tweedys Stimme ruht über allem wie der Klassenkampfgestus von John Lennon – der Wilco-Sänger aber hat diesen Furor angenehm beruhigt.

Zwei Lieder des neuen Albums „Schmilco“ stehen am Anfang. „Normal American Kids“ und „If I Ever Was A Child“. Ruhige Stücke, die das Tempodrom – diese unreife Mischung aus Zirkuszelt und Rock’n’Roll-Arena – gleich in den Tempel der Andacht überführen. Denn wo Wilco spielen, lauscht ein Publikum, das man bei Popkonzerten selten derart konzentriert erlebt.

Erzählstark und musikalisch gereift

„Jesus, etc.“, „I’m The Man Who Loves You“, „Almost“. Die Band aus Chicago schaut auf 20 Jahre Historie zurück, sie hat den Sound oft variiert, doch eine Konstante blieb unberührt: Sie ist die wohl beste, erzählstärkste, musikalisch reifeste Gruppe der USA. Nach dem Berliner Konzert wird niemand der Besucher daran zweifeln.

Von Lars Grote

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?