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02:15 07.05.2017
Uwe Müller-Fabian in seinem Atelier, ganz links ein Selbstporträt, da war er 35 Jahre alt - 2014 bekam er den Oberhavelländischen Kulturpreis. Quelle: Lars Grote
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Vehlefanz

Er hat die Welt gesehen, am heftigsten ins Wanken kam er auf dem Segelboot mit seinem Bruder, zwei Jahre fuhren sie auf dem Pazifik von Neuseeland nach Hawaii. Von West nach Ost zu segeln, das bedeutet: gegen den Strom zu navigieren. Uwe Müller-Fabian, 69 Jahre alt, lebt heute in Vehlefanz (Oberhavel), er spricht von dieser Reise in den 70ern wie von der Generalprobe fürs Leben.

Nie hat er einen Kraftaufwand gescheut. Sein Studium der Malerei hat er auf dem Bau verdient. Nach der Wende zog er von West-Berlin nach Vehlefanz auf einen Vierseithof, gleich neben der Kirche. Er hat ein Atelierhaus hochgezogen, es auf alt getrimmt, „als wäre es schon immer hier.“ Auf der Veranda sah er, dass ein Schlot sich in die Aussicht stellte, hinten am Horizont, er gehörte zu einer Großgärtnerei. Müller-Fabian hat eine italienische Pappel in die Sichtachse gesetzt, um das Idyll zu retten.

Müller-Fabian hat nicht nur die Welt gesehen, sondern auch die Frauen. Er malt sie in Öl, Acryl und Abdeckfarbe, sie sind alt und jung, dünn oder dick, „eigentlich egal, aber die runden Formen malen sich natürlich besser.“ Er habe Achtung vor den Frauen, die er als Modell ins Atelier einlädt, oft sind es Tänzerinnen. Zu dieser Achtung zählt, dass er das Atelier gut heizt, wenn sie sich entkleiden. Gerade zieht er den Vorhang vor die Tür, damit die Wärme nicht entweicht.

Tipps zum Tag des offenen Ateliers am 6./7. Mai

Uwe Müller-Fabian, Sa/So je ab 10 Uhr, Ende ist offen. Am Anger 44, 16727 Vehlefanz (Oberhavel). www.mueller-fabian.de

Nicola Fromme zeigt an beiden Tagen Holzspielzeug, Holzkunst, Holzschmuck. Friedenstraße 11, 15732 Eichwalde (Landkreis Dahme-Spreewald). Telefon 0173/6073613.

Die Kulturmühle Perwenitz zeigt Malerei, Zeichnungen, Fotografie und Objekte. Perwenitzer Dorfstraße 1, 14621 Schönwalde-Glien (Havelland). www.kulturmuehle-perwenitz.de

Christa Welte-Jörn zeigt Arbeiten aus Keramik. Töpfern für Kinder und Erwachsene wird angeboten. Wiesengrund 1, 16949 Putlitz OT Telschow (Prignitz). Telefon 033981/50405.

Gesamtübersicht unter www.kulturland-brandenburg.de

Seine Frau ist Frauenärztin, auch sie befasst sich mit weiblicher Anatomie. Sie schaut auf die Frau mit den Augen der Wisschenschaft, er mit den Augen der Kunst. Grundverschiedene Perspektiven. „Sie mag meine Bilder“, glaubt er, eines seiner Frauenporträts hänge in ihrer Praxis – kein splitternacktes, sondern eines mit stillender Mutter.

„Mir ist figürliches Malen wichtig“, sagt Uwe Müller-Fabian, dessen Ruhe nichts von der Hektik des alten West-Berlins vermuten lässt. Seine Stimme ist weich vom Schwarzwald gefärbt, wo er aufwuchs. „Wer ein Gesicht malt, der muss auch Hände malen können, sonst fehlt dem Bild das Körperliche und Lebendige.“ Früher hat er zwischendurch abstrakt gemalt, „es hat mir kein Glück gebracht.“ Das letzte abstrakte Bild hat er vor 15 Jahren verkauft. „Von dieser Gattung lässt sich nicht leben“, er winkt ab.

Insgesamt habe er „einiges mehr als die Hälfte meiner Bilder verkauft, obwohl ich keinen Agenten habe.“ Einerseits wäre er froh, wenn ihm jemand Kontakt zu den Kunden herstellt, andererseits ist er es gewohnt, das Leben selber in die Hand zu nehmen, als Künstler, aber auch als Kaufmann.

Neben seinem Studium hat er als Detektiv gearbeitet

Neben seinem Studium hat er mal als Detektiv gearbeitet, für die Chefs von einer Waschanlagen-Firma, wo er herausfand, dass 350 Autos kamen, aber von den Mitarbeitern nur 60 abgerechnet wurden. Ein andermal fand er heraus, dass Angestellte das Material ihrer Firma verkauften, dicke Autos fuhren und anfingen, Häuser zu bauen. Die Detektivarbeit hat seinen Blick als Künstler geschult. Er schaut auf Details beim Malen, ohne sie überzubetonen. Jede Frau wirkt individuell auf seinen Bildern, auch wenn er sie mit schnellem Strich zuweilen mehr skizziert als ausbuchstabiert.

Er malt auch Landschaften, im letzten Jahr fuhr er nach Montenegro, wo er schon Anfang der 80er war, als junger Künstler. „Ich hatte Angst, dass sich die Welt dort sehr von meiner Erinnerung entfernt hat.“ Doch er war erleichtert: „Neuer Asphalt, sonst rundherum der alte Charme.“ Ein Regenbild aus diesem Urlaub hat er aufgehängt.

Vehlefanz ist seine Residenz geworden, 2014 hat er den Oberhavelländischen Kulturpreis bekommen. Er wohnt in einem Viergenerationenhaus mit Schwiegermutter, Tochter und Enkel. Es klappt. Mancher Künstler braucht Reibung für seine Arbeit – Uwe Müller-Fabian reicht die Ruhe. Und eine aufgeräumte Sichtachse.

Von Lars Grote

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