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Wer wird der neue HOT-Intendant?

Hans-Otto-Theater Potsdam Wer wird der neue HOT-Intendant?

Eine zehnköpfige Findungskommission steht unter Zeitdruck. Im April soll der Nachfolger von Tobias Wellemeyer als neuer Intendant des Potsdamer Hans-Otto-Theaters feststehen. Ob er aus dem Kreis der 82 Bewerber kommen wird und wer sich überhaupt für die Intendanz beworben hat, ist ein Geheimnis.

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Das Theatergebäude an der Schiffbauergasse ist ein architektonisches Juwel.

Quelle: Foto: Dieter Leistner

Potsdam. „Theater in Potsdam. Was wollen wir?“ überschreibt Bündnis 90 / Die Grünen ein öffentliches Fachgespräch, das am 15. März, 19 Uhr, im T-Werk, Schiffbauergasse stattfindet. Moderieren wird es die Fraktionsvorsitzende Janny Armbruster. „Ich habe einen Expertenworkshop zu dieser Frage schon vor anderthalb Jahren vergeblich beim Oberbürgermeister angeregt“, sagt sie. „Schade, dass nun die aktuelle Intendantensuche im Vordergrund steht. Denn nicht nur in Potsdam stellt sich die Situation so dar, dass eine wahnsinnig entwickelte, aber unterfinanzierte freie Szene die stark subventionierten Stadttheater vor sich hertreibt“, so Armbruster.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) kann eigentlich im Alleingang darüber entscheiden, welcher Intendant ab Sommer 2018 die Geschicke des Hans-Otto-Theaters lenkt. Er entschied sich aber für „ein gestaltetes Verfahren“, schrieb die Stelle öffentlich aus und berief eine zehnköpfige Findungskommission. Ob der künftige Theaterchef aus dem Kreis der 82 Bewerber stammen muss, ist nicht ganz klar. Fest steht, schon im April sollte eine Entscheidung fallen, sonst bleibt dem Nachfolger von Tobias Wellemeyer zu wenig Zeit, das Potsdamer Theater neu zu erfinden.

Wer wird Chef am HOT? Diese Namen sind im Gespräch

Armin Petras wurde 1964 in Meschede, Sauerland geboren, wuchs aber in der DDR auf. Er studierte das Fach Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Zwei Inszenierungen von ihm wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Unter dem Pseudonym Fritz Kater machte sich Petras auch als Theaterautor einen Namen. 2013 ging er als Intendant vom Gorki-Theater Berlin zum Staatstheater Stuttgart.

Sewan Latchinian wurde 1961 in Leipzig geboren. Er absolvierte ein Schauspielstudium an der Ernst-Busch-Schule. Von 2004 bis 2014 war er Intendant der Neuen Bühne Senftenberg. In dieser Zeit veranstaltete Latchinian jährlich GlückAufFeste, um auswärtige Besucher in die Lausitz zu locken. Nach aufreibenden Streitereien mit der Stadt Rostock wurde er als Intendant des Volkstheaters im Juni 2016 fristlos entlassen.

Mario Holetzek wurde 1963 in Greiz (Thüringen) geboren. Er arbeitete als Telegrammzusteller und Reinigungskraft, ehe er Regie und Schauspiel studierte. In der Spielzeit 2008/2009 ging er als Schauspieldirektor an das Staatstheater Cottbus. 2016 wurde sein Vertrag von Intendant Martin Schüler nicht verlängert. Dagegen protestierte das Ensemble in einem Offenen Brief an Kulturministerin Martina Münch (SPD).

Philip Tiedemann wurde 1969 in Gießen geboren. Nach Regiearbeiten in Freiburg, Basel und Bremen ging er 1995 an das Burgtheater in Wien. Dort inszenierte er unter der Intendanz von Claus Peymann bis 1999. Danach wechselte er an das Berliner Ensemble, wo er bis 2002 Oberspielleiter war. 1999 wurde er mit einer Wiener Thomas-Bernhard-Inszenierung zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen.

In der Regel müssen sich die Bewerber mit einer Konzeption vorstellen. Dabei berühren sie natürlich auch strukturelle Fragen. Wie möchte das Theater die Bevölkerung in der Stadt erreichen? Und wie könnte es gelingen, über Potsdam hinaus auszustrahlen? Und wie lässt sich die Konkurrenz zu den Berliner Bühnen bestehen?

Mitglieder der letzten Findungskommission erinnern sich an das Bewerbungsgespräch von Tobias Wellemeyer (55), der 2008 den Mitkonkurrenten Sewan Latchinian (55) durch eine eindrucksvolle Performance aus dem Rennen geworfen hat. Er habe damals erzählt, wie er Potsdam wochenlang erkundet hat, um zu erfahren, welches Theater die Menschen bräuchten. Er habe alles präzise definiert und zum Beispiel versprochen, mit gezielten Projekten die Bewohner in den Neubaugebieten anzusprechen. Als er dann mit seinem Ensemble 2009/10 aus Magdeburg kam, blieben all diese Vorhaben Schall und Rauch.

Sewan Latchinian , der seit 2004 Intendant der Neuen Bühne Senftenberg war, die von Kritikern neben großen Häusern 2005 zum „Besten Theater des Jahres“ gewählt wurde, reagierte damals ziemlich ungehalten. 2014 wechselte er dann als Intendant an das Volkstheater Rostock, wo er sich in der Stadt im Kampf für die Erhaltung eines Vierspartenhauses offenbar mehr Feinde als Freunde gemacht hat. Merke: Erfolgsrezepte lassen sich nicht automatisch von einer Stadt auf eine andere übertragen. Dass Latchinian unter den 82 Bewerbern ist, daraus macht er kein Geheimnis.

Ansonsten ist es problematisch, mit Namen zu handeln. Wer sich öffentlich ins Gespräch bringt, gilt schnell als „verbrannt“. Ob sich zum Beispiel Armin Petras (52) beworben hat oder ob er aus Potsdam zu einer Bewerbung aufgefordert wurde, ist bisher nicht durchgesickert. Petras gab im November bekannt, dass er 2018 in Stuttgart vorzeitig aufhört. Der langjährige erfolgreiche Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters führte „familiäre Gründe“ ins Feld, er besitzt im Havelland ein Haus. Die Stuttgarter Zeitung schrieb, Petras sei in Stuttgart nie heimisch geworden und machte ihm zum Vorwurf, er habe versucht, einen „repräsentativen Leuchtturm in Baden-Württemberg“ mit einem „Nischenprogramm“ zu bespielen. Der Berliner Theaterkritiker Hartmut Krug, der die Potsdamer Premieren regelmäßig besucht, würde Petras für eine attraktive Lösung halten. „Er schreibt selber Stücke als Reaktion auf die Erfahrung in einer Region oder Stadt. Und er ist ein fantasievoller Regisseur und fordert das Publikum immer wieder mit neuen Ästhetiken.“

Es gibt noch weitere Regisseure, die vielleicht in die engere Wahl gezogen werden: Mario Holetzek war von 2008 bis 2016 Schauspieldirektor in Cottbus. Er kennt also Brandenburg und steht für ambitionierte, fantasievolle moderne Inszenierungen. Oder auch Philip Tiedemann (48), der als Claus-Peymann-Zögling am Berliner Ensemble solide, bilderstarke Aufführungen verantwortet hat.

HOT-nahe Persönlichkeiten in der Kommission

Die Entscheidung über den künftigen Intendanten wird hinter verschlossenen Türen fallen. In die Findungskommission wurden ungewöhnlich viele HOT-nahe Persönlichkeiten berufen, so die dienstälteste Schauspielerin Rita Feldmeier, die schon sechs Intendanten hat kommen und gehen sehen, der HOT-Geschäftsführer Volkmar Raback und Lea Rosh, die Vorsitzende des HOT-Freundeskreises. Die Kommission ist nur mit einem auswärtigen Experten besetzt, einem Senatsdirektor der Hamburger Kulturbehörde.

Macht es überhaupt Sinn, in der Diskussion mit den Grünen und ihren Experten über das Profil des Potsdamer Theaters zu diskutieren? „Ja“, meint Janny Armbruster. „Sophia Rost wird auch da sein. Sie sitzt für die Grünen im HOT-Kuratorium und ist Mitglied der Findungskommission. Sie trägt die Anregungen weiter.“

Von Karim Saab

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