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00:21 20.03.2018
Das Café Hagemeister in Werder lädt zu einer Ausstellung mit 19 Bildern des Malers Karl Hagemeister. Quelle: Friedrich Bungert
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Werder/Havel

„Das sind wunderbare Arbeiten“, schwärmt die Kunsthistorikerin Hendrikje Warmt während der Vernissage. „Hagemeister, der hier um die Ecke geboren wurde und später gerne einen starken Kaffee trank, würde diese Schau gefallen“, sagt die Hagemeister-Expertin. Die Berlinerin hat im Rahmen einer Dissertation das Werksverzeichnis des Landschaftsmalers erstellt. „Ich werfe als Polizistin ein Auge darauf, dass es sich um echte Werke handelt. Sie glauben nicht, wie viele Fälschungen es mittlerweile gibt.“

Zu den vielen Gästen, Werderanern, Kunstfreunden und -sammlern, Experten, Honoratoren der Stadt und Familienmitgliedern, gehört Wolfgang Müller. Der 79-Jährige sitzt auf der Ecke eines gemütlichen Sofas im Obergeschoss des Cafés und verfolgt den Trubel. Er ist ein weitläufiger Verwandter Hagemeisters und stellt einige Werke für die Schau zur Verfügung. „Hagemeister hatte keine Kinder. Meine Großmutter väterlicherseits war eine Nichte von ihm“, erzählt Müller. Als der Maler starb, wurde dessen Hab und Gut unter der Verwandtschaft verteilt – so kam Müller in den Besitz einiger Bilder.

Blick in das Café Hagemeister, rechts das Hagemeister-Bild „Überwehte Wiesenlandschaft“ aus dem Jahr 1907 Quelle: Friedrich Bungert

Thomas Hartmann hat ebenfalls eine persönliche Beziehung zu Hagemeister. „Wir sind alte Fercher. Mein Vater kannte ihn noch. Ich bin ein großer Bilderfan und es war mein Ziel, ein Bild Hagemeisters zu erwerben“, berichtet der 61-jährige Bauingenieur. Irgendwann war Hartmann das Glück hold und er konnte ein großformatiges Aquarell „relativ preisgünstig“ erwerben. Einzige Bedingung: „Ich soll es für Ausstellungen zur Verfügung stellen. Aber das mache ich gerne. Ich bin Mitglied im Förderverein der Fercher Malerkolonie.“

Potsdam-Museum plant für 2020 eine große Hagemeister-Schau

Unter den zahlreichen Experten, die mit großem Interesse die Bilder inspizieren, ist Jutta Götzmann vom Potsdam-Museum. „Potsdam hat mit über 40 Werken den zweitgrößten Hagemeister-Bestand neben dem Bröhan-Museum in Dahlem. Für das Jahr 2020 planen wir eine große Hagemeister-Ausstellung bei uns in Potsdam“, berichtet die Kunsthistorikerin. Ziel sei es, Hagemeister aus dem lokalen Umfeld von Werder und dem Havelland herauszuholen. Denn der Maler werde im Gegensatz zu Max Liebermann oder Lovis Corinth unterschätzt. „Es gibt sehr schöne Arbeiten“, so Götzmann, der es die „überwehte Wiesenlandschaft“ angetan hat. Das ist ein Meisterstück.

Hagemeister zählt zu den wichtigsten deutschen Impressionisten

Hagemeisters Oevre ist vielfältig. Nach Anfängen als Landschaftsmaler und den Wanderjahren mit Carl Schuch spielen alsbald „Licht und Atmosphäre“ eine wichtige Rolle im Schaffen des Werderaners. Er interessiert sich besonders für das Schaffen von Gustave Courbet und Edouard Manet und nimmt Kontakt mit der Schule von Barbizon auf, der beispielsweise Eugène Delacroix und Camille Corot angehören. „Die Farbpalette wurde heller, die Pinselstriche kürzer“, erklärt Hendrikje Warmt.

Wie nahezu alle Impressionisten arbeitet Hagemeister ausschließlich im Freien. „Er malte sitzend vom treibenden Kahn aus. Das Wasser, die Havel, die umliegenden Seen – dort fand er seine wesentlichen Bildmotive“, erzählt Warmt. Typisch für diese Schaffensperiode sei die „Märkische Seenlandschaft“ aus dem Jahr 1887, die jetzt im Café zu sehen ist.

Haben ein Herz für Hagemeister: Kunsthistorikerin Hendrikje Warmt, und die Caféhaus-Inhaberinnen Liane Schulz und Julia Beiß (v.l.). Quelle: Friedrich Bungert

Nach der Jahrhundertwende zeigt Hagemeisters Stil expressionistische Tendenzen. Ab 1907/08 reist er regelmäßig ins kleine Fischerdorf Lohme auf der Insel Rügen und malt mit kraftvollem Pinselstrich das Meer und die Wellen.

Ein Maler der Moderne

Karl Hagemeister wurde am 12. März 1848 als Sohn des Obstzüchters Carl Friedrich Hagemeister und dessen Ehefrau Luise Friederike Puhlmann in Werder geboren. Das Geburtshaus in der Kirchstraße 14 steht noch.

Die Havellandschaft prägte seine intensive Beziehung zur Natur und zum Wasser.

1871 bis 1873 studierte Hagemeister an der Fürstlichen freien Zeichenschule in Weimar. Anschließend unternahm er mehrere Studienreisen. Am Hintersee bei Berchtesgaden machte er die Bekanntschaft des Malerkollegen Carl Schuch.

Beide unternahmen Studienreisen durch ganz Europa. 1884 machten sie Bekanntschaft mit der Schule von Barbizon. Diese beeinflusste die Landschaftsmalerei maßgeblich, insbesondere den Impressionismus.

1898 gründete Hagemeister zusammen mit einigen Kollegen, darunter Max Liebermann, die Berliner Secession.

Hagemeister kehrte in die havelländische Region zurück, lebte hier als Jäger, Fischer und Maler. Die enge Naturverbundenheit zeigt sich auch darin, dass er zu allen Jahreszeiten direkt in der Landschaft malte und zeichnete.

1916 erkrankte Hagemeister schwer. Er erholte sich davon nie mehr und malte seitdem nicht mehr. Er starb am 5. August 1933 in Werder.

Nach einer schweren Krankheit, vermutlich einer Vergiftung, im Jahr 1916 erholt sich Hagemeister nicht mehr. Er hört auf zu malen. In seinem Tagebuch notierte er: „Ich gehe in die Natur hinein. Man kann sie nicht nachahmen, das wäre Verfälschung, aber ihre Beseelung hinnehmen, sie kundtun? Das war meine Lebensaufgabe, die ich erreicht zu haben glaube. Aus dieser engen Stube heraus, aus diesem Fenster, an dem ich als Kind gesessen, lockte es mich ins Freie. Ich bin Jäger, ich bin Fischer, ich bin Maler!“.

Café Hagemeister. Baderstraße 3, Werder. 9 bis 18 Uhr. Die Ausstellung endet am 25. März.

Von Jens Trommer

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