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Werke von Klaus Killisch in Cottbus und Berlin

Zeitgenössische Kunst Werke von Klaus Killisch in Cottbus und Berlin

Wummernde Bässe und schrille Gitarren schwirren einem beim Anblick der jüngsten Arbeiten des ostdeutschen Künstlers Klaus Killisch durch den Kopf. Das Dieselkraftwerk Cottbus und die Galerie Jochen Hempel in Berlin-Kreuzberg zeigen Werke der vergangenen zehn Jahre – den Sound von Pop und Freiheit.

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Die Muse hat nur Schallplatten im Kopf: „La Traviata“ von Klaus Killisch . Mischtechnik auf Leinwand aus dem Jahr 2003.

Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Cottbus. Die Wandtapete ragt gut vier Meter in die Höhe. Darauf abgebildet, schwarz-weiß in Überlebensgröße die französische Skandalschriftstellerin Francoise Sagan, die gerade eine Schallplatte auflegt. Daneben klein einmontiert eine Nachbildung eines Gemälde des deutschen Expressionisten Karl Hofer: „Mädchen mit Schallplatte“ von 1941.

Die Installation ist im Cottuser Dieselkraftwerk aufgebaut und steht im Zentrum einer Ausstellung mit Arbeiten des ostdeutschen Künstlers Klaus Killisch. Mit „Bonjour tristesse“ hat der 57-Jährige seine Schau überschrieben, dem Titel des gleichnamigen Romans, mit dem die damals 18-jährige Sagan in den 50er-Jahren das Lebensgefühl der Nachkriegsjugend auf den Punkt brachte und der sie quasi übernacht berühmt machte. Sagans Roman transportierte den Individualismus und die Wohlstandskritik einer nach Sinn suchenden existenzialistischen Generation.

Killischs Arbeiten sind von einem ähnlichen Esprit. Dass er in Cottbus ausgerechnet das Schallplattenbild des Expressionisten Hofer zitiert, ist freilich kein Zufall. Killisch zählte in den 80er-Jahren zu den sogenannten Neuen Wilden in der DDR, die sich stark am deutschen Expressionismus orientierten, und Killisch verarbeitet selbst gerne ikonografisches Material aus der Welt der Popmusik, wie zum Beispiel eben Schallplatten.

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In gleich zwei Ausstellungen ist der ostdeutsche Pop-Künstler Klaus Killisch derzeit vertreten. Das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zeigt einen Querschnitt seiner Arbeiten der vergangenen fünfzehn Jahre und eine kleine Auswahl früher Arbeiten. In einer kleinen Schau in der Galerie Jochen Hempel in Berlin-Kreuzberg sind seine neuesten Werke zu sehen. Hier eine kleine Auswahl aus Cottbus.

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Die Arbeiten, die in seiner Werkstatt entstehen, haben etwas Rauschhaftes und zugleich abgeklärt Desillusionierendes. Sie atmen noch heute den Geist der 80er-Jahre, der Zeit der Fanzines, der kleinen, in begrenzten Auflagen im Eigenverlag hergestellten Musikzeitschriften, wie sie vor allem im Westen, zum Teil aber auch im Underground des Ostens Verbreitung fanden. Es war die Zeit des Punk, der No-Future-Endzeitstimmung. Killisch malte schon damals in intensiven Farben – klischeehafte Großstadtgestalten bar jeder Individualität. Und hatte über Band-Projekte wie zum Beispiel „Ornament & Verbrechen“ enge Verbindungen zur Musikszene des Prenzlauer Berges.

Heute ist das Thema Popmusik allgegenwärtig in seinen Arbeiten. Schallplatten und Covers sind durchgängig Materialien seiner meist großformatigen Gemälde und Collagen. Zitate aus Popsongs kombiniert er mit Anspielungen an Reklamespots, die Bildoberflächen variieren zwischen abstrakten Formen- und Farbkonstruktionen und figürlichen Elementen. Dabei greift Killisch gerne auf große Werke der Kunstgeschichte zurück. „Klaus Killisch verschränkt in seinen Arbeiten Bezüge der Kunstgeschichte mit Pop und Literatur“, sagt die Direktorin des Dieselkraftwerks, Ulrike Kremeier.

Die Cottbuser Ausstellung beginnt im Eingangsportal mit einer Arbeit aus den späten 80er-Jahren. „Tango bis es wehtut“ malte Killisch 1988 mit Ölfarbe auf ein altes Türblatt. Ohne Grundierung, das blanke Holz blitzt teilweise noch durch, skizzierte er in groben Zügen, mit grellen Farben einen Akkordeonspieler, dessen intensives Spiel weniger die Lust am Musizieren als viel mehr die blanke Verzweiflung an der eigenen Existenz auszudrücken scheint.

Killisch in Cottbus und Berlin

„This is not a Love Song“ ist der Titel einer weiteren Ausstellung mit Arbeiten von Klaus Killisch, die derzeit zu sehen ist. In der Galerie Jochen Hempel in Berlin-Kreuzberg sind Werke aus den vergangenen fünf Jahren ausgestellt. Auch sie beschäftigen sich primär mit dem Phänomen Popmusik.

„Bonjour Tristesse“ ist die dritte Ausstellung in der Reihe „Konstellationen“, die das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zeigt. Hier sind zum Teil auch Arbeiten von Killisch aus den 80er-Jahren zu sehen.

This is not a Love Song , Galerie Jochen Hempel, Lindenstr. 36, Berlin-Kreuzberg, Di-Sa, 11-18 Uhr, bis 19.12.

Bonjour Tristesse , Dieselkraftwerk Cottbus, Am Amtsteich 15, Di-So, 10-18 Uhr, bis 17.01.

Schwerpunkt der Schau sind allerdings Killischs jüngste Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren. Sie zeigen weitgehend seine Auseinandersetzung mit Pop- und Rockmusik. Killisch hat das Sampling – also das Auswählen und Neukombinieren bereits bestehender Soundsequenzen – wie es in den vergangenen zwanzig Jahren in der Popmusik zum Tragen gekommen ist, auf die visuelle Ebene übertragen. Er montiert Werbeträger, Plattencover, Textstellen, Motive berühmter Meister zu neuen, psychodelischen Arrangements, in die Grafiken integriert sind und Ölfarben in zum Teil schrillen Pop-Tönen über die Leinwand fließen.

Sound und Rhythmus werden bei Killisch auf der Leinwand sichtbar. Und deuten den verzweifelte Versuch an, das Freiheitsversprechen des Pop gegen seine Vermarktung durch die Musikindustrie zu verteidigen. Killisch visualisiert den Anspruch genau jenes Lebensgefühls, auf das islamistische Terroristen vor wenigen Wochen in Pariser Musikclub Batanclan ihre Kalaschnikows richteten.

Von Mathias Richter

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