Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Westernhagen beflügelt und verstört Berlin

„Live 2015“ Westernhagen beflügelt und verstört Berlin

Ein Abend voller Licht und Schatten: Bei dem Abschlusskonzert seiner aktuellen Tour „Live 2015“ am Samstagabend in Berlin lässt Marius Müller-Westernhagen seine alten Songs wieder aufleben, streut ein paar aus dem neuen Album dazwischen und geht mit seinem Bühnenprogramm auf Risiko.

Berlin 52.5200066 13.404954
Google Map of 52.5200066,13.404954
Berlin Mehr Infos
Nächster Artikel
Hollywood-Legende Maureen O'Hara ist tot

Marius Müller-Westernhagen

Quelle: dpa

Berlin. Schaukelnd tritt er ans Mikrofon, schaut in die Menge und will etwas sagen, doch er kann nicht. Dann senkt Westernhagen den Kopf, lächelt, während sein Unterkiefer bebt und er kleine Tränen hinunter schluckt. Was den gestandenen Musiker und Bühnenprofi so rührt, ist das Gefühl von Heimat, das er beim Abschlusskonzert seiner aktuellen Tour „Live 2015“ auf der großen Bühne der Mercedes-Benz-Arena in Berlin spürt. „Ich komme zurück und fühle mich als Berliner“, gesteht er und erntet dabei tosenden Applaus vom Publikum. Doch so rührend wie diese Szene war bei Weitem nicht alles an diesem Abend.

Rockig und temporeich beginnt Marius Müller-Westernhagen das Konzert vor etwa 9000 Zuschauern in der damit fast ausverkauften Arena mit dem Song „Alphatier“ aus dem gleichnamigen und jüngsten Album, das er selbst für das beste seiner Karriere hält. Während er in alter Manier rau und scheppernd immer wieder den Satz „Folge mir – ich bin ein Alphatier“ ins Mikrofon grölt, laufen hinter ihm auf einer riesigen Leinwand verstörende und schrille Fotocollagen ab. Sie zeigen Bilder von angefressenen Tierkadavern und brutal hingerichteten Menschenleichen. Motive voller Zerstörung und Leid, die wohl keinem Zuschauer so schnell wieder aus dem Kopf gingen.

Collagen aus Krieg und Leid

Die darauf folgenden Klassiker aus seinen frühen Jahren, „Fertig“ und „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“, brachten das Publikum zwar zurück auf Kurs, doch diese Stimmung war kurz darauf gleich wieder dahin. Westernhagen besingt in einem seiner neuen Songs „Liebe (Um der Freiheit Willen)“ sehr politische Themen wie Demokratie und Gleichberechtigung, während im Hintergrund ein bekanntes Foto aus dem Vietnamkrieg auftaucht: Ein Mann hält zwei abgehackte Kinderköpfe in seinen Händen. Eine unklare und verstörende Botschaft schwirrt durch den Raum.

Westernhagen erklärt seinen Fans später, dass die Bilder von dem amerikanischen Fotografen Peter Beard stammen. Er habe die Collagen in einem Buchladen entdeckt und Beard daraufhin erzählt, was er damit vorhat. So sei es ihm nach ein wenig Überzeugungsarbeit gelungen, die Fotos für seine Show kostenlos zu bekommen. Die Auswahl ist riskant, provokativ und lenkt von der Musik ab.

Klassiker kommen besser an

Dabei war die Mischung zwischen neuen, alten, rockigen und langsamen Nummern eigentlich ausgewogen. Spätestens nach den Klassikern „Taximann“, „Willenlos“ und „Sexy“ wird deutlich, dass die Herzen der Fans für genau diese alten Songs schlagen, die sie auswendig können. Die neueren Lieder wie „Liebling, ich weiß“ oder „Ich bin besessen“ ließen die Stimmung merklich abebben. Besonders in der Halbzeit des zweistündigen Konzerts gingen die Songs beinahe nahtlos ineinander über. Unkommentiert und mit so viel Tempo wirkten einige nur lieblos abgespult.

Dennoch ist und bleibt Westernhagen ein Mann der Bühne. Und das obwohl er seine Karriere 1999 schon einmal vor 110 000 Zuschauern beendet hat. Doch wie eh und je springt er in seinem schwarzen Fransenponcho wild umher, tanzt und rennt von einer Ecke in die andere. „Du musst bereit sein, dich deinem Publikum hinzugeben. Das tut manchmal weh, aber es ist notwendig“, sagte er im Vorfeld der Tour. Er will beweisen, dass er es auch mit 66 Jahren noch kann und bleibt dabei authentisch. Deshalb gehört auch das Abknutschen seiner Background-Sängerin Lindiwe Suttle, der er das Lied „Liebling, ich weiß“ gewidmet hat, irgendwie dazu. Die 36-jährige Südafrikanerin ist seit 2013 Westernhagens Lebensgefährtin.

Einer fehlt

Sie ist es auch, die den Part der Frauenstimme in „Wieder hier“ übernommen hat. Mit diesem Song hat Westernhagen 1998 Goldstatus erreicht und zurecht schenkte ihm das Publikum nach der Performance einen ohrenbetäubenden Applaus. Wie gewohnt beendete der gebürtige Düsseldorfer das Konzert mit „Johnny Walker“.

Und doch vermissten die Fans am Ende eine seiner erfolgreichsten und bewegendsten Nummern: „Freiheit“ spielt Westernhagen zwar eigentlich schon länger nicht mehr, doch er schenkte es dem Dresdner Publikum zuvor am Donnerstag in der Zugabe. Dass Westernhagen „Freiheit“ nun gerade in Berlin, dort wo es auch zu einem der Einheitssongs wurde, abbestellt hat, hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Von Luise Fröhlich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?